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Grimma „Wer zur Tafel kommt, braucht wirklich Unterstützung“
Region Grimma „Wer zur Tafel kommt, braucht wirklich Unterstützung“
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15:04 07.01.2016
Die Lebensmittel von den Supermärkten werden zur Ausgabestelle in die Gabelsberger Straße 5 gebracht. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Grimma


Henze-Fleihs konnte die Entwicklung seit 1999 aus der ersten Reihe beobachten. Die ehemalige Leiterin des Hotels Grimma-Süd hatte nach dessen Schließung vergeblich versucht, über eine Umschulung beruflich wieder Fuß zu fassen. Dann ein Anruf, innerhalb von fünf Minuten musste sie sich entscheiden, ob sie die Tafel leiten wolle – und seitdem tischt sie hier auf. Zuerst als ABM-Kraft, jetzt hat sie die einzige feste Stelle in der Einrichtung. Zwei Bufdis und zehn ehrenamtliche Helfer, die über die Bürgerstiftung Dresden eine kleine monatliche Aufwandsentschädigung erhalten, stehen ihr zur Seite, dazu kommen „in guten Zeiten“ ein paar Ein-Euro-Jobber. Zu den Ehrenamtlichen gehört unter anderen Valentina Schönfeld; seit fünf Jahren ist sie bei der Sache, betreut jeden Freitag die Zweigstelle in Colditz. In Grimma packt Valentina Metzner an. „Es ist gut, wenn ich was zu tun habe und helfen kann, so lange es geht“, sagt die Rentnerin. „Die Leute nehmen es dankbar an.“

Waren es früher Familien, die sich mit Hilfe der Tafel über Wasser hielten, kämen 80 Prozent der Kunden heute aus Ein- bis Zweifamilienhaushalten, weiß Henze-Fleihs. „Viele denken, wer zur Tafel gehe, sei zu faul zum Arbeiten, aber dem ist nicht so. Viele sind unverschuldet in Armut geraten. Es sind Leute, die, schon etwas älter, nach der Wende arbeitslos geworden sind und nichts Neues gefunden haben. Wer heute zur Tafel kommt, braucht wirklich Unterstützung.“ Die Bedürftigkeit sei übrigens per Renten- oder Hartz-IV-Bescheid nachzuweisen.

Die Unterstützung zu geben, gerät allerdings immer mehr zum Kraftakt. „Es wird immer weniger, was die Supermärkte aussortieren“, erzählt die Tafel-Chefin, die dreimal in der Woche die Geschäfte anfährt. „Die haben lieber etwas weniger im Regal, als dass etwas übrig bleibt. Und Ware kurz vorm Verfallsdatum, die früher wir bekommen haben, wird jetzt preisgesenkt verkauft. Wir stehen ganz am Ende der Kette.“ Große Mengen seien deshalb selbst bei einem Supermarkt nicht drin. Mal sei es eine Kiste, mal eine halbe, mal fünf Päckchen Wurst. „Da muss man halt in mehreren Geschäften sammeln“, sagt Henze-Fleihs und beneidet ein bisschen die Tafeln, die als weitere Quelle große Nahrungsmittelhersteller in der Nähe haben. „Unser Plus ist, dass wir Mitglied im Landesverband Deutsche Tafel sind“, sagt sie. „Wenn Firmen größere Posten abzugeben haben, verteilt der Verband diese. Da gibt es dann auch mal Pizza.“

Was dann in den Beuteln landet, gebe es im Übrigen für die Tafel-Kunden keineswegs umsonst. Ein Zehn-Liter-Beutel kostet vier Euro. „Das ist üblich und unsere einzige Finanzierungsquelle“, sagt Henze-Fleihs. Denn tragen muss sich die Einrichtung selber – nur im vergangenen Jahr hatte die Stadt Grimma 3000 Euro zugeschossen – , und die Betriebskosten bereiten der Tafel-Chefin zunehmend Sorgen. Fahrzeuge, Miete, Telefon, Reparaturkosten schlagen zu Buche. Ab diesem Jahr koste die Leerung einer Biotonne – bisher 5,50 Euro – gleich 2,50 Euro mehr. „Bei zwölf Tonnen ist das eine Menge Geld“, rechnet Henze-Fleihs vor. Auch die Kühlzelle in Kleinbardau kostet Geld, frisst im Sommer für 500 Euro Strom, wobei das 20 Jahre alte Aggregat eigentlich ausgetauscht werden müsste. „Wir sind deshalb mehr denn je auf Sponsoren angewiesen“, macht Henze-Fleihs deutlich. Manchmal kommt die Spende unverhofft, wie die vom Benefizkonzert zum Landesmusikfest. Aber solche Überraschungen sind selten.

Spendenkonto der Grimmaer Tafel: Awo KV Mulde-Collm, IBAN: DE 18860502001010020028, BIC: SOLADES1GRM, unbedingter Vermerk: Grimmaer Tafel/KST 412

Von Ines Alekowa

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