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Werner Kurze darf wieder bis auf den Kirchturm führen

Werner Kurze darf wieder bis auf den Kirchturm führen

Die Kirchenführung am zweiten Weihnachtsfeiertag in Döben bot diesmal etwas Besonderes. Nach zehn Jahren war der Aufstieg nach oben auf den Kirchturm erstmals wieder erlaubt.

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Etwa hundert Gäste erleben Kirchenführung in Döben

Quelle: Conny Hanspach

Grimma/Döben. Die 77-jährige Döbenerin wartete geduldig. „Natürlich, würde ich heute auch gern hoch, wenn es möglich ist“, sagte sie. Doch den anderen, die von weiter her kommen, ließ sie den Vortritt. Sie habe sicher immer wieder die Gelegenheit, auf den Kirchturm zu steigen, sagte sie.

Sieben Jahre schon lädt Werner Kurze am 26. Dezember zur Kirchenführung nach Döben ein. Immer fand das Angebot regen Zuspruch. Diesmal aber sprengte die Resonanz alle Erwartungen. Um die hundert Leute dürften es gewesen sein, die gekommen waren, um an der Führung teilzunehmen. Erster Grund für die enorme Gästezahl war mit Sicherheit die Möglichkeit, auf den Kirchturm zu steigen. Zehn Jahre lang war der Weg nach oben wegen des maroden Dachstuhls verwehrt. Jetzt ist das Gebälk saniert. Und nicht nur das: Das Dach ist neu gedeckt. Die Fassade des Gebäudes wurde vollständig saniert.

Ursprünglich war geplant, das Mauerwerk lediglich auszubessern. Das Förderprogramm Leader und Gelder der Landeskirche ermöglichten die umfangreichen Baumaßnahmen, erzählte Werner Kurze. Seit dem Herbst wird gebaut. Rund 250 000 Euro werden eingesetzt. 40 000 Euro davon muss die Kirchgemeinde selbst aufbringen. „Die Hälfte haben wir in den vergangenen Jahren ansparen können. Die restlichen 20 000 Euro wollen wir durch Spenden aufbringen“, warb der Döbener um Unterstützung.

Mancher Euro klimperte dann auch im Spendenkästchen an der Kirchentür. Und das nicht nur wegen des phantastischen Ausblicks aus den Fenstern der Glockenstube. Denn Werner Kurze verstand es, kurzweilig und informativ über die wichtigsten Eckpunkte der Kirchen- und Ortsgeschichte sowie der derzeitigen Bauarbeiten zu erzählen. So hörten die Gäste von Benno von Meißen, der vor über 1000 Jahren anordnete, dass jeder Burgward in seinen Gemarkungen eine Kapelle bekommen sollte. Der Ursprung der Döbener Kirche wurde mit dieser Kapelle gelegt.

Die Besucher hörten von Handwerkern, die 2002 das Gebälk des Kirchturmes erneuerten. „Zwei Leute waren das, mehr konnten hier oben nicht arbeiten“, sagte Werner Kurze und verwies auf die immens dicken Balken, die verbaut worden waren. Auch die Kirchenglocken spielten eine Rolle. „Welche Töne das sind, kann ich nicht sagen. Musikalisch bin ich ein Tiefflieger“, reagierte der Döbener lachend auf eine Frage. Dass die Stahlglocken in den 60er Jahren jedoch aus dem Verkaufserlös der kleinsten Bronzeglocke gekauft worden waren, um in Döben endlich wieder einen Dreiklang zu hören, das erzählte Werner Kurze aus dem Effeff. Die Grabplatten neben dem Altar, der romanische Taufstein und die leere Gruft waren weitere Gesprächsinhalte. Und schließlich war da noch eine Überraschung: Über die berichtete der Döbener außerhalb des Gebäudes. Während der Sanierung der Fassade waren zwei zusätzliche Fenster entdeckt und von Außen wieder sichtbar gemacht worden. Aus der Patronatsloge gewährten sie einst einen Blick ins Freie. 

Conny Hanspach

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