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Grimma Wie auf einem Pulverfass
Region Grimma Wie auf einem Pulverfass
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05:00 04.03.2011
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. Seine Schwester Sabine Kricke ist verärgert: „Die Täter sind namentlich bekannt. Aber bis zum heutigen Tag gab es weder eine Verhandlung noch eine Verurteilung." Sie könne nicht verstehen, weshalb die jungen Leute immer noch nicht zur Rechenschaft gezogen wurden: „Wir fühlen uns wie auf einem Pulverfass."

Sabine Kricke führt die Mutzschener Filiale der Wagelwitzer Fleischerei Fröbel. Oft werde sie von Kunden angesprochen, wie es dem Bruder geht und ob die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden. „Am ersten Jahrestag des Überfalls hatte ich nicht gewagt, meinen Bruder noch einmal auf jene Nacht anzusprechen. Er war viel zu aufgewühlt. Kein Wunder: Ein halbes Jahr war er außer Gefecht gesetzt, lag im Krankenhaus, musste zur Kur."

Vor exakt einem Jahr saß Fleischermeister Fröbel – es war fast Mitternacht – vor seinem Fernseher. „Auf einmal standen zwei maskierte Männer in der Stube. So richtig mit Strumpf über dem Kopf, eben nur mit Sehschlitz." Was der ahnungslose Fleischermeister in dem Moment noch nicht wusste: Die Täter hatten die Fenster im Erdgeschoss aufgehebelt, stiegen ins Haus ein und gelangten über die Treppe bis hoch zum Fernseher. „Mit Stock und Nageleisen schlugen sie los. Mit Füßen traten sie auf mich ein. Ich konnte mich nicht wehren." So plötzlich, wie sie kamen, seien die Einbrecher auch wieder verschwunden. „Sie haben nichts mitgenommen, wollten nur prügeln." Mit Rippenbrüchen, der Lunge voll Blut und ramponiertem Nasenbein konnte sich der schwerverletzte Fleischermeister gerade noch zum Telefon kämpfen. Mit letzter Kraft benachrichtigte er seine Nichte, die den Notarzt alarmierte. „Die Lunge war wie zusammengefallen und musste sich erst wieder ausdehnen. Die Ärzte haben es gut hinbekommen. Ich kann jetzt durchatmen." Doch Dietmar Fröbel ist noch nicht wieder der alte. „Wenn ich länger arbeite, habe ich Probleme. Außerdem bin ich vorsichtiger geworden. Vor der Fleischerei ist ein Zigarettenautomat. Sobald da abends ein Auto hält, schrecke ich hoch."

Doch während der Fleischer längst wieder Wurst verkauft, mahlen die Mühlen der Justiz etwas länger. Ricardo Schulz von der Staatsanwaltschaft Leipzig sagte gestern auf LVZ-Nachfrage: „Im September gingen bei uns die Unterlagen der Polizei ein. Mitte Februar hatten wir Anklage gegen die beiden Beschuldigten erhoben, die wegen ähnlicher Delikte polizeibekannt sind, aus der Region stammen und zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt waren. Zwar gelten sie noch als Heranwachsende, aber wegen der Schwere der Tat liegt der Vorgang nicht beim Jugendgericht, sondern eine Etage höher – beim Jugendschöffengericht." Das Amtsgericht Grimma bestätigte: „Die Anklageschriften sind inzwischen raus." Einen Termin für die Verhandlung gebe es noch nicht.

Wenn den jungen Leuten der Prozess gemacht wird, erscheint als Zeuge und Nebenkläger auch Dietmar Fröbel im Gerichtssaal. Dann sieht er den Eindringlingen, die damals eine Maske trugen, ins Gesicht. Für seine Schwester Sabine Kricke jedenfalls steht schon jetzt fest: „Ich werde auch dabei sein. Wir lassen unseren Bruder doch nicht allein! Erst wenn die Täter bestraft sind, finden wir wieder unseren Frieden."

Haig Latchinian

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