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Wie damals bei den Husaren: Säbel schwingen an der Kaserne

Wie damals bei den Husaren: Säbel schwingen an der Kaserne

Die Reaktionen kamen prompt. Und aus verschiedenen Richtungen. Der LVZ-Beitrag vom 18. Februar zu den Plänen der Umsiedlung der Sportstätten des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions in Grimma und deren Auswirkungen für ortsansässige Unternehmer hat Staub aufgewirbelt.

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Blick aus der Husarenkaserne an der Lausicker Straße: Hier soll das neue Sportzentrum entstehen. Die ehemalige Königin-Carola-Kaserne selbst steht unter Denkmalschutz.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Stadtrat Johannes Heine (Freie Wähler) lenkte eine mögliche Verantwortung der Stadtverwaltung/des Stadtrates um: "Mir sind nur Probleme der Firma Füssel bekannt, und die sind meiner Meinung nach hausgemacht. Es ist nicht die Verantwortung der Stadt Grimma, dass die Firma Füssel ihre Mitarbeiter kündigen muss, sondern fehlende Unternehmerverantwortung." Als Geschäftsführer müsse man für so eine Situation einen Plan B in der Schublade haben. Das seien "ganz einfach unternehmerische Selbstverständlichkeiten", schrieb sich Heine den Ärger vom Hals.

Auch der Geschäftsführer der TLG Immobilien, Christian Kürten, relativierte: "Ich habe persönlich mit einer Vorlaufzeit von acht Monaten immer wieder Gespräche mit Herrn Füssel geführt und ihm geeignete Ausweichflächen in unserem Gewerbepark angeboten. Preislich und von der Fläche waren die Angebote absolut vergleichbar mit den Vertragsbedingungen am Wasserwerksweg. Herr Füssel hat diese Angebote nicht angenommen." Tischler Peter Füssel (49) kann nur mit dem Kopf schütteln: "Wir haben Mitte Mai, also fünfeinhalb Monate vor der Kündigung, zuallererst aus der Zeitung erfahren, dass es Pläne mit der Lausicker Straße gibt. Bei einem Gespräch mit dem Oberbürgermeister und Verwaltungsmitarbeitern wurde uns daraufhin gesagt, dass noch gar nichts spruchreif sei. Von Kündigungen war da noch gar nicht die Rede." Spätere Angebote zu Ausweichstandorten im Gewerbepark (Füssel: "Es gab zwei Varianten") seien "entweder unwirtschaftlich oder räumlich nicht passfähig" gewesen - also nicht geeignet.

Der Stadt Grimma ginge es bei Ansiedlung des Sportparks "nicht primär um die Verlegung der Sportplätze", wie Sprecher Sebastian Bachran erläuterte. "Wichtig ist vor allem", so Bachran weiter, "die Stärkung und die Erhöhung der Attraktivität der Altstadt. Was der Altstadt fehlt, ist ein attraktiver Magnet, der das Zentrum als Einkaufsstandort stärkt." Ein entsprechendes Konzept hätte knapp vier Wochen zur Bürgerbeteiligung ausgelegen. 86 Meinungen seien speziell zur Ansiedlung des Marktes am nördlichen Altstadtrand eingegangen. Über 93 Prozent der Beteiligten sprachen sich grundsätzlich für den Supermarkt aus.

Die Umsiedlung der Sportanlage soll mit dem Erlös des Grundstücksverkaufs an den Investor und Mitteln der Hochwasserschadensbeseitigung erfolgen. Vorausgesetzt für den Bau des Einkaufsmarktes können die Ausnahmegenehmigungen geschaffen werden. Die regelt das Wasserhaushaltgesetz. Eine Bedingung: Neue Baugebiete in gefährdeten Überschwemmungsgebieten sind ausnahmsweise zulässig, wenn "keine anderen Möglichkeiten der Siedlungsentwicklung bestehen oder geschaffen werden können." Alternativstandorte sind "im Stadtentwicklungskonzept untersucht worden, sowohl in der Altstadt als auch an anderen Stellen dessen unmittelbaren Randes", versicherte Sprecher Bachran.

Dass im Überflutungsgebiet der Mulde ein Einkaufsmarkt entstehen soll, hält auch Stadtrat Heine für "unbedenklich". Der Neubau eines Einkaufmarktes "kann so gebaut werden, dass es für die bauliche Substanz kein Problem darstellt, sonst würde der Investor nicht dort bauen wollen." Dass Johannes Heine damit nicht komplett daneben liegt, zeigt ein Blick über die Mulde. Nach Döbeln. Dort wurde im überschwemmungsgefährdeten Gebiet ein Kaufhaus errichtet: Mit nachweislicher Magnetwirkung für den Einzelhandel in der Innenstadt. Einziger Unterschied: Das dafür abgerissene Fabrikgelände beherbergte keine Firmen. Es stand leer.

Die Stadt Grimma hat jede Menge Hausaufgaben, um zu rechtfertigen, im Überschwemmungsgebiet einen Einkaufsmarkt anzusiedeln. Und auch dabei, Baufreiheit für ein Sportzentrum an der Lausicker Straße zu schaffen. Die Denkmalschutzbehörde des Landkreises ließ gestern mitteilen: "Die Husarenkaserne steht nach wie vor unter Denkmalschutz, es wurde im Zusammenhang mit der Umverlegung des Sportplatzes auch nichts von der Liste gestrichen. Die letzten Veränderungen auf dem Areal war der Abbruch eines einsturzgefährdeten Gebäudes 2013, das aufgrund des desolaten Zustandes nicht mehr zu retten war."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.02.2015
Thomas Lieb

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