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Grimma Wie das Großbardau-Lied entstand
Region Grimma Wie das Großbardau-Lied entstand
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00:28 16.05.2018
Helga Goerz zeigt das originale Buch, in dem ihr Vater Oskar Karich sein Großbardau-Gedicht verewigt hat. Es entstand 1927. Helga Goerz schrieb eine Melodie dazu. Quelle: Foto: Frank Prenzel
Grimma/Grossbardau

Wenn der Grimmaer Ortsteil Großbardau in diesen Tagen seine Ersterwähnung vor 800 Jahren feiert, darf eines nicht fehlen: das Großbardau-Lied. Die Macher der Festschrift haben dem vierstrophigen Gesangsstück sogar den Platz auf der Umschlagseite eingeräumt. Ehre, wem Ehre gebührt.

Melodie für Reime des Vaters

Die Schöpferin des Heimatliedes freut sich darüber natürlich sehr: Helga Goerz. Die jetzt 79-Jährige ist die Tochter von Oskar Karich (1895-1959), der in seinem Heimatdorf Großbardau nicht nur als Böttchermeister geschätzt war. „Mein Vater hat Fässer abgedichtet und Verse gedichtet“, wartet Helga Goerz mit einem hübschen Wortspiel zur Leidenschaft ihres Vaters auf, der zahlreiche eigene Gedichte und Geschichten aus seiner Heimat hinterließ. Die 79-Jährige mischte zwei Reim-Werke ihres Vaters und schuf dazu eine Melodie – 2006 war die Geburtsstunde des Liedes „Mein Großbardau“. Doch wie kam es dazu?

Lied für Kössern

Helga Goerz wuchs in Großbardau auf, doch die Wege der Liebe führten die gelernte Großhandelskauffrau nach Kössern. Das hübsche Dorf unweit der Mulde wurde ihre zweite Heimat. Es war das Jahr 2001, als sie ihrem Mann Rolf zum 77. Geburtstag ein besonderes Geschenk auf den Tisch im idyllisch gelegenen Häuschen legen wollte. Sie überlegte sich drei Verse, komponierte eine Melodie dazu und schuf so das „Kösserner Heimatlied“. Im vom Jagdhaus-Verein herausgegebenen Heft „Kössern & Förstgen“ fand es seinen Niederschlag.

Das Herz von Helga Goerz schlug aber auch nach wie vor für Großbardau. Regelmäßig besuchte sie ihr Geburtsdorf – und war eines Tages überrascht, als der damalige Wehrleiter Andreas Wittig die Teichfest-Gäste mit den Zeilen ihres Vaters aus dem Gedicht „Mein Großbardau“ begrüßte: „Mein Heimatdorf, mein Großbardau, mit deinen Jugendfreuden, mit deiner frühlingsgrünen Au, mit deinen Glockenläuten, dein Bild wird mich begleiten, jetzt und in allen Zeiten.“ Mit der Erfahrung des Kössern-Liedes im Kopf kam ihr der Gedanke, die Zeilen zu vertonen und so ein Heimatlied zu schaffen.

Mix für Großbardau-Lied

„Die Parthe und der Schmiedeteich kamen mir aber nicht genügend zur Geltung“, schildert die Seniorin. Also mischte sie die Karich-Gedichte „Mein Großbardau“ und „Der Schmiedeteich“ und schuf – auch mit Hilfe einen Computerprogrammes – eine eingängige Melodie. Das war im Jahr der Eingemeindung von Großbardau nach Grimma. Helga Goerz, die ihre Werke als Helge Goerz veröffentlicht, verstand es auch als ein Stück Identität für die Dorfbewohner. Dass die Uraufführung mit dem Posaunenchor in der Kirche über die Bühne ging, weiß die 79-Jährige noch. An den Anlass und genauen Zeitpunkt kann sie sich nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall wurde das Lied auch 2015 zur 75-Jahrfeier der Großbardauer Feuerwehr aufgeführt. Davon existiert auch eine Tonaufnahme.

Nach dem Tod ihres Mannes zog Helga Goerz 2013 zurück in ihr altes Heimatdorf, weiß einige ihrer drei Kinder, sieben Enkel und fünf Urenkel in der Nähe. Noch zu ihrer Kössern-Zeit, in der sie auch im Thümmlitzwald-Chor sang und sich im Jagdhaus-Verein engagierte, hatte sie die schriftstellerischen Arbeiten ihres Vaters überarbeitet und in den Jahren 2007 und 2008 als Bücher herausgegeben.

„Er hat schöne Erzählungen und Gedichte geschrieben“, schwärmt sie noch und holt ein Originalbuch aus dem Schrank, das die präzise und filigrane Schrift Oskar Karichs vor Augen führt. Das Gedicht „Mein Großbardau“ formte sich 1927 unter seinen Händen. Da war Oskar Karich, der sein Dorf liebte, 32 Jahre jung.

So klingt das Großbardau-Lied

Multimedia sei dank: Damit der LVZ-Leser nicht nur die Geschichte zum Großbardau-Lied erfährt, sondern es auch hören kann, fanden sich eifrige Sänger. Für den Heimatabend zur Festwoche „800 Jahre Großbardau“ am 7. Juni in der „Weintraube“ (18.30 Uhr) übt der Chor der Grundschule Otterwisch unter Leitung von Bernd Dietze das Lied ein – und es entstand bei einer Probe ein Video für die LVZ. Unter www.lvz.de/grimma ist der Chor zu erleben, der die erste und vierte Strophe singt.

Bernd Dietze ist als freiberuflicher Musikschullehrer ein Profi seines Faches und lobt Tonschöpferin Helga Goerz. Sie habe das toll gemacht, das Großbardau-Lied habe einen schönen Tonumfang, gibt er sich als Kenner. Für die 27 Erst- bis Viertklässler, die im Schulchor vereint sind, sei das Einstudieren dennoch nicht leicht.

„Alte Volkslieder werden nur noch selten gesungen, die Melodik und Rhythmusführung ist zwar einfach, den Kindern aber fremd“, erläutert der Mann, der für die Musikschule Fröhlich arbeitet und den Schulchor seit 2017 leitet. Der Chor findet sich einmal in der Woche zum Üben zusammen.

Die Grundschüler des Grimmaer Ortsteiles Großbardau werden in Otterwisch unterrichtet.

Von Frank Prenzel

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