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Wiedergewählter Parthensteiner Bürgermeister im Interview

Wiedergewählter Parthensteiner Bürgermeister im Interview

Mit fast 99 Prozent der gültigen Stimmen wurde Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos) vorgestern wiedergewählt, ein ähnliches Ergebnis wie vor sieben Jahren.

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Wiedergewählt: Bürgermeister Jürgen Kretschel darf von seinem Schreibtisch aus weiter regieren. Die Parthensteiner haben ihm für die nächsten sieben Jahre die Basis verliehen, für jeden Ortsteil hat er sich Ziele gesteckt.

Quelle: Frank Pfeifer

Parthenstein. Allerdings fiel die Wahlbeteiligung auf unter 40 Prozent. Wie schätzt Kretschel, der als einziger Kandidat angetreten war, diese Zahlen ein und was hat er sich für die nächste Legislaturperiode vorgenommen. Die LVZ sprach mit ihm.

Frage: Wie interpretieren sie die Ergebnisse?

Jürgen Kretschel: Viele waren der Meinung, sie müssten nicht wählen gehen, weil ich sowieso wieder Bürgermeister würde. Deshalb war keine höhere Wahlbeteiligung zu erwarten. Ich war nun einmal der einzige Kandidat, was wohl daher rührt, dass ich meine Arbeit in den vergangenen zwei Legislaturperioden gut gemacht haben dürfte. Wäre viel schief gegangen, hätte es sicher einen Gegenkandidaten gegeben.

Wahrscheinlich ist ihr Posten auch nicht so lukrativ?

Das auch. Ich bin ehrenamtlich Bürgermeister, davon könnte niemand leben. Hauptberuflich leite ich als Angestellter der Stadt Naunhof die Außenstelle Parthenstein.

Woran liegt es aber, dass die Wahlbeteiligung gesunken ist?

In Pomßen und Klinga blieb sie konstant. Zurückgegangen ist sie vor allem in Großsteinberg und Grethen. In Großsteinberg herrschte wahrscheinlich eine große Selbstverständlichkeit, dass ich weitermache. Von Grethen bin ich ein Stück weit enttäuscht.

Weshalb enttäuscht?

In die Feuerwehr, das Dorfgemeinschaftszentrum und die Kindertagesstätte haben wir investiert, so dass diese kommunalen Einrichtungen vergleichbar mit denen der anderen Ortsteile sind. Die gemeindlichen Straßen sind in Ordnung. Nun sollen die Kreisstraße und die Staatsstraße neue Abwasserkanäle erhalten. Mit dem Straßenbau geht eine neue Beleuchtung einher. Das müssen wir in Jahresscheiben aufteilen, denn wir können Grethen nicht auf einmal komplett lahmlegen. Ich vermute, drei Jahre werden dafür gebraucht.

Vielleicht ging es den Grethenern in Sachen Straßenbau zu langsam?

Auf diese Straßen haben wir keinen Einfluss, da wir nicht Baulastträger sind. Außerdem liegt Grethen am weitesten entfernt von der zentralen Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Parthe, so dass der Ort logischerweise zuletzt angeschlossen wird.

Das Hochwasser der vergangenen Woche hat vor allem Grethen betroffen. Lässt sich dort der Schutz verbessern?

Ich appelliere an den Eigenschutz. Jeder sollte rechtzeitig reagieren, wenn das Wasser steigt, seine Keller ausräumen und Sandsäcke holen, die wir kostenlos zur Verfügung stellen. In der Pomßener Straße in Großsteinberg gibt es die Idee für eine Bürgerinitiative, die ich unterstütze. Es geht darum, dass Anwohner eine Mauer auf ihren Grundstücken errichten, damit ihre Gärten nicht mehr von den Feldern her überflutet werden können. Das funktioniert aber nur, wenn alle mitziehen.

In Grethen soll viel geschehen. Wo sehen Sie Schwerpunkte in den anderen Ortsteilen?

In Großsteinberg müssen wir in den Wohnungsbau investieren. Die Blöcke an der Werner-Seelenbinder-Straße bedürfen dringend der Sanierung. Es wäre außerdem schön, wenn das Bahnhofsgebäude in privater Hand auf Vordermann gebracht würde.

Die Gemeinde wollte auch die alte Kaufhalle erwerben. Woran klemmt's?

Sie befindet sich im Eigentum des Konsums, der Geld für das Gebäude will. Die Halle, die unsere Bürger in den 1970er-Jahren in viel Eigenleistung gebaut haben, ist aber schon abgeschrieben. Ich bin nicht bereit, dafür Geld auszugeben. Wir würden nur Grund und Boden erwerben. Doch unser Angebot lehnte der Konsum ab.

Was haben Sie mit der Immobilie vor?

Wir müssten schauen, in welchem Zustand sich die Bausubstanz befindet. Entweder würden wir die Halle abreißen, oder wir könnten sie als Gewerbestandort anbieten.

Was darf Pomßen erwarten?

Es müssen die noch fehlenden Abwasserkanäle gebaut werden. Außerdem steht die Ortsdurchfahrt, die S 38, auf dem Plan. Das ist aber Sache des Freistaats; ich weiß nicht, wann es dort losgeht. Größte Bauchschmerzen bereitet mir das Schloss. Der Eigentümer aus Südtirol begann mit der Sanierung, seitdem geht dort nichts weiter. In den sanierten Bereichen sind schon erste Bauschäden zu erkennen.

Könnte die Gemeinde einschreiten?

Wir haben keine Erwerbsabsichten.

In Klinga entsteht derzeit ein Dorfgemeinschaftszentrum. Ist dort noch mehr geplant?

Das DGZ soll dieses Jahr fertiggestellt werden. Außerdem wollen wir dieses Jahr einen Spielplatz im Wohngebiet Südwest anlegen. Er war dort schon immer vorgesehen, aber wegen der Insolvenz des Bauträgers nicht realisiert worden. Der Radweg nach Naunhof könnte 2014/'15 entstehen, falls Baurecht herrscht und Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.

Aus Naunhof werden Stimmen laut, wonach die Stadt mit Parthenstein, Belgershain und Großpösna eine Kommune bilden sollte. Wie stehen Sie dazu?

Ich möchte die Eigenständigkeit unserer Gemeine so lange wahren, bis der Gesetzgeber etwas anderes bestimmt. Es gibt keine Veranlassung für vorauseilenden Gehorsam. Warum sollten wir die Schulden der anderen mit schultern? Ich hoffe, für die nächsten sieben Jahre erhalten zu können, was unsere Bürger gewohnt sind.

Was da wäre?

Wir wollen unsere Wohnqualität bewahren, was unter den Bedingungen des Gesteinsabbaus nicht ganz einfach ist. Wir möchten weiter Handwerk und Gewerbe mit unseren moderaten Steuersätzen unterstützen. Wir wollen Vereine fördern, weil sie das Dorfleben prägen. Und die Qualität von Grundschule wie auch Kindertagesstätten sollte garantiert werden.

Der Gemeinderat steht zur Eigenständigkeit. Doch seine Zeit läuft ab. Nächstes Jahr wählt Parthenstein ein neues Parlament. Was wünschen Sie sich für diese Wahl?

Es sollten möglichst viele Interessenten antreten. Sie sollten aus allen Ortsteilen kommen, da jeder Abgeordnete vorrangig die Belange seines Orts vertritt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2013

Pfeifer, Frank

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