Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Wildwuchs im Flussbett der Mulde
Region Grimma Wildwuchs im Flussbett der Mulde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:09 31.08.2018
Auf der Insel im Flussbett der Mulde bei Trebsen bildete sich eine üppige Flora und Fauna, die aber auch negative Begleiterscheinungen der Zivilisation offenbart. Fotomontage: Frank Schmidt
Trebsen

Bietet Mutter Natur der Stadt Trebsen und Umgebung Flächen für ein neues Naherholungsgebiet an? Ein Blick ins Flussbett der Mulde nahe dem Schlosspark und in Höhe der Hochzeitbrücke lassen diesen Schluss zu und entsprechendes Potenzial erahnen. Denn nicht erst durch die Trockenheit der vergangenen Monate hat sich dort eine relativ große Insel gebildet, auf der inzwischen über einige Jahre hinweg ein kleiner Wald herangewachsen ist.

Büsche und Sträucher

Büsche und Sträucher konnten austreiben und Bäume mit einer Höhe inzwischen vier bis fünf Metern ragen in den Himmel. Davon profitiert eine sich üppig gebildete Flora und Fauna, die offenkundig von einigen Mitmenschen nicht unbemerkt bleibt und für sie zum Geheimtipp so manche Aktivitäten am und im Fluss geworden ist. Sammler von Muscheln kommen ebenso auf ihre Kosten wie Freunde aus dem Geopark Porphyrland. Etwa der Förderverein Rittergut Trebsen, der dort im Rahmen eines Schülerprojektes Steine sammelt.

Sünden der Zivilisation

Aber auch Angler- und Badeplätze zeugen vom neuen Zweck der Insellandschaft mitten im Flussbett der Mulde. Damit verbunden sind freilich die üblichen Sünden der Zivilisation. Zurückgelassener Unrat und Müll wie Schnaps-, Wein- und Bierflaschen sowie Papier und Folien beweisen das. Und nicht nur Autoreifen wurden gezielt dort illegal entsorgt und sind wohl kaum Überbleibsel des letzten Hochwassers.

Stadtverwaltung ärgert sich

Darüber ärgert sich auch die Stadtverwaltung Trebsen, sieht aber diesbezüglich den Handlungsbedarf bei der Talsperrenverwaltung. „Hier handelt es sich um ein Gewässer Erster Ordnung und das liegt im Zuständigkeitsbereich des Freistaates“, erklärte Romy Sperling im Trebsener Hauptamt.

Von der Neuorientierung des Flusses besonders in diesem Bereich bekommen Wasserwanderer nur wenig mit. Zwar wird der Fluss durch die neue Insellandschaft aufgespaltet, doch glücklicherweise werden die Boote von der Strömung im richtigen Fahrwasser gehalten, das flussabwärts rechts an der stark verlandeten Stelle vorbeiführt. Eigentlich.

Denn wer sich doch nach links orientiert, sollte eine Atemschutzmaske an Bord haben und genügend Mückentötulin, da er sich direkt in eine Wassersackgasse begibt, in der es zum Himmel stinkt. Das dort stehende Gewässer gleicht in Aussehen und Geruch einer Kloake und trübt massiv den vermeintlich idyllischen Charakter eines neuen Naherholungsgebietes.

Landestalsperrenverwaltung sieht keine ungewollte Staustufe

Ein anderes Problem könnte bei erneutem Hochwasser entstehen. Die Insel mit ihrem schon starken Wildbewuchs wird zum Hindernis für Treibgut. Entsteht hier eine ungewollte Staustufe? Nein, sagt die zuständige Landestalsperrenverwaltung. „Eine ungewollte Staustufe, die bei Hochwasser zur Gefahr werden könnte, ist aus unserer Sicht nicht entstanden“, teilt Pressesprecherin Britta Andreas mit. Und überhaupt besitze der Gewässerabschnitt der Vereinigten Mulde auf Höhe Schlosspark Trebsen „eine natürliche Ursprünglichkeit, die durch Landabtrag und Sedimentantrag im natürlichen Verlauf und auch bei den großen Hochwasserereignissen von 2002 und 2013 gekennzeichnet worden ist.“

Kreis sieht keinen Handlungsbedarf

Laut Kreisbehörde handelt sich nicht um eine Insel, sondern um eine mit dem Land verbundene Ablagerung von Sedimenten, vorrangig Kies. Diese Ablagerung hat sich mit dem Hochwasser 2013 vergrößert und ist mit Gehölzen besiedelt. Im nördlichen Teil haben sich bereits einige höhere Weiden ausgebildet. „Der hydraulische Effekt der Kronen wird im Hochwasserfall allerdings als nicht bedeutend eingeschätzt, da die Bäume noch nicht sehr groß und flexibel sind. So können sie bei Hochwasser durch die Strömung verformt werden. Bei niedrigen Wasserständen erfolgt ein Umströmen innerhalb des Flussbettes. Bei stärkeren Hochwasserereignissen wird die Anlandung beizeiten komplett überströmt und ist hydraulisch nicht mehr wirksam. In diesem Fall verursachen die noch aus dem Wasser ragenden Baum- und Gehölzkronen keinen signifikanten Rückstau bis in bebaute Bereiche, sondern lediglich lokale Verwirbelungen und möglicherweise geringfügige Strömungsablenkungen auf die landwirtschaftlichen Flächen der Vorländer. Diese sind bereits als Überschwemmungsgebiet festgesetzt“.

Erst ein über die Vorländer und die Anlandung selbst reichender dichter Baumbestand würde wie ein Riegel wirken. „Derzeit besteht aus unserer Sicht somit kein Handlungsbedarf , die Bäume beseitigen zu lassen“, so Kreissprecherin Konstanze Morgenroth. Weiterhin sei immer eine Abwägung der notwendigen Gewässerunterhaltungsmaßnahmen zwischen der Sicherung eines ordnungsgemäßen Wasserabflusses und der Erhaltung und Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers als Lebensraum von wild lebenden Tieren und Pflanzen zu treffen. Die Landkreisverwaltung werde die Entwicklung weiter verfolgen.

Von Frank Schmidt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

2500 erwachsene Grimmaer sollen Probleme mit Lesen und Schreiben haben. Die Muldentaler Selbsthilfegruppe wollte jetzt gemeinsam mit dem Berliner Alfa-Mobil und der VHS aufklären.

31.08.2018

In die Ausbildung von Rettungsschwimmern will sich eine neue Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft einbringen. Zehn Mitglieder hoben die Ortsgruppe Parthenaue für den Bereich der Kommunen Brandis, Machern und Borsdorf aus der Taufe. Ziel ist unter anderem der Aufbau eines Wasserrettungsdienstes am Beucha-Albrechtshainer Autobahnsee.

31.08.2018

Der weltweit agierende Landmaschinenhersteller New Holland hat das Dorf Fremdiswalde bei Grimma für sich entdeckt. Dort werden nicht nur Imagefilme und Messefotos produziert, sondern auch Händler, Kunden und Schlosser geschult. In zweitägigen Sessions werden jeweils 50 Teilnehmer von 32 Trainern auf Neuheiten angelernt.

03.09.2018