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Wilhelm Ostwald Park in Großbothen hat jetzt eine Chefin

Personalie Wilhelm Ostwald Park in Großbothen hat jetzt eine Chefin

Im idyllisch gelegenen Wilhelm Ostwald Park Großbothen hat es eine wesentliche Personalie gegeben. Die Gerda und Klaus Tschira Stiftung, die das Anwesen vor acht Jahren vom Freistaat Sachsen übernahm, hat jetzt erstmals eine Leitung vor Ort etabliert. Seit Oktober steht die 50-jährige promovierte Volkskundlerin Silke Kral dem zwölfköpfigen Team der Museums- und Tagungsstätte vor.

Silke Kral steht inzwischen dem Team des Wilhelm Ostwald Parks in Großbothen vor. Sie wechselte von Plauen ins Muldental.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Grossbothen. Von der Öffentlichkeit bislang unbemerkt hat es im idyllisch gelegenen Wilhelm Ostwald Park am Rande von Großbothen eine wesentliche Personalie gegeben. Die Gerda und Klaus Tschira Stiftung, die das Anwesen vor acht Jahren vom Freistaat Sachsen übernahm, hat jetzt erstmals eine Leitung vor Ort etabliert. Seit Oktober steht die 50-jährige promovierte Volkskundlerin Silke Kral dem zwölfköpfigen Team der Museums- und Tagungsstätte vor. Bis dahin wurde der Ostwald Park von der Geschäftsführung des Carl Bosch Museums Heidelberg mitgemanagt. Die Tschira Stiftung ist in der Metropole am Neckar angesiedelt, Gerda Tschira hat das dortige Museum für den Nobelpreisträger Bosch aufgebaut und sich dann auch in Großbothen stark gemacht.

Im Grimmaer Ortsteil wird das Erbe des einzigen sächsischen Nobelpreisträgers wach gehalten, dort, wo nach 1900 die Wohn- und Wirkungsstätte des Physikers und Chemikers Wilhelm Ostwald (1853-1932) war. Der 2012 wieder eröffnete Park möchte mehr Veranstaltungen anbieten und den Tagungsbereich ausbauen, dazu seien schnelle Entscheidungen vor Ort vonnöten, heißt es. Mit Silke Kral wurde eine Chefin gefunden, die sich ihre Meriten in halb Deutschland verdiente. In Ulm groß geworden, studierte sie in Freiburg Volkskunde, Germanistik und Geschichte. Im baden-württembergischen Lörrach absolvierte Silke Kral ein Museumsvolontariat und promovierte dann in Kiel zum Thema „Ehe und Familien in den Nachkriegsjahren in Schleswig-Holstein“. In der Folge arbeitete sie in Norddeutschland als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin, ehe es sie nach Sachsen verschlug. In Annaberg-Buchholz baute die jetzt 50-Jährige die Manufaktur der Träume mit auf und leitete das städtische Museum. Ihr letzte Station vorm Wechsel nach Großbothen war das Vogtlandmuseum in Plauen. Mittlerweile wohnt Silke Kral, die ledig ist, in Kössern.

Die Stelle in Großbothen habe sie „magisch angezogen“, verrät die neue Chefin. Der sieben Hektar große Ostwald Park mit seinen fünf Häusern sei für sie „einer der schönsten Gelehrtensitze Europas“. Das Potenzial, das im Park liegt, will sie wachküssen. Dass sie in Großbothen selber forschen kann, sei ebenfalls in ihre Entscheidung eingeflossen. So wolle sie die Haus- und Baugeschichte des Anwesens ebenso aufarbeiten wie das breite Wirken Ostwalds. „Er war nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Künstler.“ Kral möchte zudem den Blick auf Ostwalds fünf Kinder lenken, „die alle kreativ tätig waren“. Deren Wirken sei bislang kaum beleuchtet worden.

Das Veranstaltungsspektrum im Geiste Ostwalds soll in Großbothen wachsen. Das wird schon in diesem Jahr ersichtlich. Erstmals legte das Team einen Jahresflyer mit zwölf Offerten und damit deutlich mehr als bisher vor. Dabei werden auch neue Akzente gesetzt. Zum Kindertag am 1. Juni sind von 9 bis 17 Uhr Vor- und Grundschulkinder zum „Experimentieren im Park“ eingeladen. An elf Stationen – darunter das Hygienemuseum und das Helmholtz-Zentrum – können sie bei freiem Eintritt in die Welt der Naturwissenschaft eintauchen. Wieder stattfinden wird das bewährte Steinbruchkonzert. Mit leicht verständlicher Sprache will der Park einem breiten Publikum Wissen vermitteln und lockt deshalb mit Vorträgen wie „James Bond und die Physik“. „Hier unterscheiden wir uns von der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft, die sehr anspruchsvollen Vorträge anbietet“, lenkt Kral den Blick auf einen wissenschaftlichen Partner des Parks.

Die Dauerausstellung im Haus Energie ist außer donnerstags täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Das Museum besteht 2017 im fünften Jahr und glänzt unter anderem mit der 24 000 Bände umfassenden Bibliothek des Gelehrten. In diesem Haus gehen auch die museumspädagogischen Programme für Kinder über die Bühne. Zudem setzen die Großbothener auf Synergien mit dem Bosch Museum. Die Wanderausstellung „Faszination Farbe“, die jetzt endete und nach Innsbruck wechselt, ist ein Angebot der Heidelberger. Mit „Ein historischer Streifzug durch das chemische Labor“ ist für 2018 bereits die nächste Sonderausstellung im Visier. Kral hat sich auch vorgenommen, mit den Museen der Region enger zusammenzuarbeiten, „um die Facetten Ostwalds vorzustellen“.

Regelmäßig nutzen Wissenschaftler den Ostwald Park für Tagungen. „Wir sind aber noch nicht so ausgelastet, wie wir uns das wünschen“, erläutert Simone Eichler, zuständig für Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb wollen die Park-Macher noch mehr Forschungsgruppen nach Großbothen locken. „Ich will uns bekannter machen“, gibt Kral zu verstehen. Der Park sei auf dem neuesten Stand der Technik, biete Ruhe und eine „exquisite Küche“. Die Köchin der Mannschaft gehe auf die kulinarischen Wünsche der Gäste ein. Etwa 20 Tagungsgäste können im Park sogar übernachten.

Die Veranstaltungen im Überblick

Sonnabend, 29. April, ab 13 Uhr: Frühlingserwachen im Wilhelm Ostwald Park. Ein Malkurs mit Farbexpertin Annett Antonia Gräske aus Grimma.

Sonnabend, 20. Mai, 17 Uhr: Steinbruchkonzert mit den Beatroot Stompers. Es erklingt der Sound der Swing- und Dixilandära.

Sonntag, 21. Mai: Internationaler Museumstag zum Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung“. Für Kinder wird ein Experiment mit Farben angeboten – 100 Jahre nach der ersten Auflage der Farbenfibel von Wilhelm Ostwald.

Donnerstag, 1. Juni, 9 bis 17 Uhr: Experimentieren im Park für Vor- und Grundschulkinder. Sie werden in elf Zeltstationen betreut.

Sonnabend, 17. Juni: Offene Gartenpforte im Muldental. Der sieben Hektar große Park bietet von 10 bis 17 Uhr Impressionen.

Sonntag, 10. September, 14 Uhr: Führung durch das Museum und Depot anlässlich des Tages des offenen Denkmals, der das Motto „Macht und Pracht“ trägt. Das Depot bleibt sonst für Besucher geschlossen.

Sonnabend, 28. Oktober, 17 Uhr: James Bond und die Physik. Vortrag mit Prof. Daniel Huster, Direktor des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik an der Universität Leipzig.

Sonnabend, 18. November, 14 Uhr: Wilhelm Ostwald – ein erfolgreicher und sich irrender, ein streitbarer und umstrittener Universalgelehrter. Vortrag und Parkführung mit Prof. Jan-Peter Domschke von der Wilhelm-Ostwald-Gesellschaft.

Von Frank Prenzel

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