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Grimma Willkommen im Dorf der Baumeister: Kössern ist einen Urlaub wert
Region Grimma Willkommen im Dorf der Baumeister: Kössern ist einen Urlaub wert
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16:35 23.03.2016
örn-Heinrich Tobaben (l.) vom Rittergut und „Benno von Muldenknick“ mit der Plakette für Kössern.   Quelle: Frank Schmidt
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Grimma/Kösern

Der Grimmaer Ortsteil Kössern ist als „Dorf der Baumeister“ in die touristische Anbietergemeinschaft „Sachsens Dörfer“ der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) aufgenommen worden. Udo Delinger, TMGS-Marketingleiter, übergab die Urkunde „Urlaub in Sachsens Dörfern“ an Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) und die Akteure vor Ort. Die zugehörige Anbieterplakette soll am Jagdhaus angebracht werden. Damit ist Kössern eines von 18 Dörfern in Sachsen, die von der TMGS gezielt am Markt platziert werden.

„Wir sollten die Zertifizierung als Dankeschön an den Dorfentwicklungs- und Kulturverein ,Das Jagdhaus’, Jörn-Heinrich Tobaben vom Rittergut sowie Barbara und Nadja Dantz vom Ferienpark Thümmlitzsee für die hervorragende Arbeit verstehen“, sagte Grimmas Oberbürgermeister Berger. „Ich freue mich sehr, dass neben Höfgen auch Kössern als wichtiges touristisches Dorf auf der sächsischen Landkarte Einzug gefunden hat.“ Es sind die einzigen in der Region Leipzig. „Der wichtigste Grund, dass wir uns über die Zertifizierung freuen können, ist, dass die touristischen Leistungsträger im Ort alle an einem Strang ziehen“, ergänzte Tobaben, der Initiator der Förderanfrage. „Nur so können wir die Stärken bündeln und haben gemeinsam Erfolg.“

Kössern überzeugt durch vielfältiges Engagement

Alle 18 Urlaubsdörfer mussten sich für ihre Aufnahme in die Anbietergemeinschaft „Sachsens Dörfer“ der Überprüfung einer Fachjury unterziehen. Die Vertreter der TMGS und des Referats für Dorfentwicklung des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bewerteten unter anderem den Dorfcharakter (Lage, Wirtschaftsstruktur, erlebbares Umfeld, sozio-kulturelle Merkmale), die Infrastruktur (Beherbergungsangebot, Gastronomie, Wegenetz, Einzelhandel, Sehenswürdigkeiten) und das Tourismusmarketing. Zudem müssen sich alle Orte in unmittelbare Nähe zu Städten, Sehenswürdigkeiten und Naturerlebnissen befinden. „Das 440-Einwohner-Dorf Kössern überzeugte vor allem mit dem vielfältigen Engagement der zahlreichen Macher, die touristische Entwicklung voranzutreiben und die baulichen Meisterwerke mit Leben zu füllen“, so Udo Delinger.

Brachten vor 300 Jahren große Jagdgesellschaften des sächsischen Hochadels Prunk und Glanz in die Gegend – Wolf Dietrich von Erdmannsdorff war Oberhofjägermeister am Hofe August des Starken –, kommen heute täglich Besucher in die historischen Stätten, um die Werke der alten Baumeister zu bewundern und eine der jährlich rund 30 Kulturveranstaltungen zu erleben. Herzliche Gastfreundschaft in Gasthöfen und Beherbergungsstätten erwartet die Gäste, die am Strand des nahen Thümmlitzsees, bei Wanderungen zu Fuß und zu Ross durch die weiten Wälder mit ihren forsthistorischen Lehrpfaden naturnahe Entspannung finden können, ebenso bei Bootsausflügen und Touren auf dem Mulderadweg.

Einen längeren Aufenthalt wert

Der „Weg der Steine“ gewährt geologisch Interessierten Einblicke in Eiszeitschliffe, vulkanische Aufschlüsse und inspirierende Arrangements und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Geopark Porphyrland, dem auch die Kösserner Gegend angehört. Geschichtsfans können dem Lutherweg auf der anderen Muldenseite folgen. – Fazit: Kössern ist einen längeren Aufenthalt wert.

Von Höfgen ist das schon länger bekannt. Dieser Ortsteil wurde 2010 in die Anbietergemeinschaft aufgenommen und profitiere, so der Oberbürgermeister, dadurch von gezielter Werbung. Zur Schiffsmühle seien inzwischen das Hotel Denkmalschmiede und zwei Privatvermieter hinzugekommen. „Die Leute nutzen ihre Chancen, ihre Angebote sind gut gebucht.“

In Kössern geübt: Dresdener Zwinger und Wörlitzer Schloss

Den passenden Rahmen für die Aufnahme bildete ein vom Tourismusverein Sächsisches Burgenland veranstaltetes Netzwerktreffen im Rittergut Kössern. Benno von Muldenknick alias Bernd Wagner vom Jagdhausverein begrüßte, barock gewandet, die Gäste in Kössern, „der wunderschönen Symbiose aus Natur und Menschenwerk“, auf den ehemaligen Besitztümern Wolf Dietrich von Erdmannsdorffs. Wagner gab sich alle Mühe, die Bedeutung des Dorfes in den prächtigsten Farben zu malen und lieferte zugleich die Begründung für den Slogan, mit dem der Ort für sich werben will: Er macht sich mit den bedeutenden Baumeistern, die an der Mulde gewirkt haben, einen Namen.

„Ohne Kössern kein Dresden“, sagte Wagner. Bevor Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) den Zwinger entwarf, habe er am 1709 erbauten Jagd- haus „geübt“, einem Kleinod barocker Baukunst mit herrlichem Festsaal. „Ohne Wolf Dietrich von Erdmannsdorff kein Grünau“, meinte er schmunzelnd. Der Gutsherr (1648-1723) habe Anfang des 18. Jahrhunderts in Kössern mit rund 40 Häusern gleicher Bauweise für die Bediensteten von Gut und Jagdhaus quasi den Typenbau erfunden. Und der nahe 1500 Hektar große Thümmlitzwald zeuge von den Anfängen moderner Forstwirtschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den „Bau“-Plänen von Forstmeister Johann Heinrich Cotta (1763-1844).

Schließlich lenkte der heutige Hausherr Jörn-Heinrich Tobaben, der dem Rittergut in den letzten drei Jahren zu neuer Blüte im Neorenaissancestil verholfen hatte, den Fokus auf Friedrich Wilhelm von Erd- mannsdorff (1736-1800), dessen Verbindung zu Kössern zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei. Der Großneffe von Wolf Dietrich und Eigentümer des Gutes nach dessen Ableben gilt als der bedeutendste Vertreter des deutschen Frühklassizismus. Nach seinen Plänen – vielleicht in Kössern gewälzt – entstand das Schloss im Wörlitzer Park als frühestes klassizistisches Schlossbauwerk auf dem europäischen Kontinent. In Kössern verbrachte Friedrich Wilhelm seine Jugendjahre, 1772 verkaufte er das Objekt.

Von Ines Alekowa

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