Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma „Wir in Grimma“ gegen Leerstand in der Altstadt
Region Grimma „Wir in Grimma“ gegen Leerstand in der Altstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:09 15.09.2018
Etliche Läden stehen in der Langen Straße in Grimma leer. Initiativen kämpfen dagegen an und wollen die Innenstadt beleben. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Zum Stadtfest in Grimma, das vom 28. bis 30. September über die Bühne geht, fällt der Startschuss für eine Bürgerbefragung. Grimmaer und Nicht-Grimmaer sollen per Fragebogen die Situation in der Altstadt bewerten. Initiator der Aktion ist ein übergreifendes Gremium, das sich „Wir in Grimma“ nennt und dessen Wirken auf eine Belebung der Innenstadt zielt. Die Befragung soll eine aktuelle Analyse liefern, auf deren Basis konkrete Vorschläge für das historische Zentrum und zur Verbesserung der Situation geschmiedet werden.

Kleine Ladenflächen schrecken Ketten ab

Ausgangspunkt war eine von der städtischen CDU initiierte Veranstaltung im November vorigen Jahres, wo gemeinsam mit Experten und Händlern der Zustand der Innenstadt kritisch beleuchtet und Lösungen gegen das Ladensterben angemahnt wurden (die LVZ berichtete). An jenem Abend wurde beschlossen, ein unabhängiges Gremium zu bilden, das nun seit Anfang des Jahres arbeitet. Kommunalpolitiker wie interessierte Bürger, Gewerbetreibende und Vertreter der Stadt überlegen gemeinsam, welche Impulse Grimmas Innenstadt braucht.

Bürgerbefragung ist nur ein Baustein

Den Akteuren ist wichtig, möglichst viele Menschen in den Prozess einzubeziehen und alle maßgeblichen Akteure – darunter Händler wie Kunden – einzubinden. Die Bürgerbefragung ist dabei ein Baustein. Ab dem Stadtfest werden die Fragebögen in verschiedenen Geschäften ausliegen. Der Fragekatalog soll auch im Oktober-Amtsblatt der Stadt Grimma erscheinen. Zudem ist eine Online-Variante angedacht, um junge Leute zu erreichen und deren Ansicht zu ergründen.

Notenskala reicht von 1 bis 5

Neben einigen unverfänglichen persönlichen Angaben sollen auf dem Fragebogen acht Kriterien auf einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) eingeschätzt werden: Öffnungszeiten der Läden, Parkmöglichkeiten, Wochenmarkt, Frischemarkt, Gastronomie, kulturelle Angebote, Erreichbarkeit der Altstadt sowie Ordnung/Sauberkeit. Jeder, der zum Stift oder zur Tastatur greift, kann auch weitere Hinweise geben und seine Mitwirkung bei „Wir in Grimma“ signalisieren. Das Einholen der Bevölkerungsmeinung endet Ende Oktober.

Pfarrer soll Prozess moderieren

Den jetzigen Akteuren schwebt vor, Grimmas Pfarrer Torsten Merkel als neutralen Moderator für das Gremium zu gewinnen. Ex-Landrat Gerhard Gey (CDU) regte zur Zusammenkunft in dieser Woche an, auch externen Sachverstand einzubinden. „Ich könnte mir professionelle Hilfe von außen gut vorstellen.“ Es gehe um eine gemeinsame Plattform in Grimma, die über Befindlichkeiten hinweg für alle offen ist und in der am Ende alle die Ergebnisse mittragen.

Allerdings ist mit „Wir in Grimma“ – nicht wissend – eine parallele Initiative in der Muldestadt entstanden. Eine im Februar gebildete Interessenvereinigung, die ihre Wurzeln in einem sogenannten Impuls-Team hat und bislang verborgen im Hintergrund agierte, verfolgt das gleiche Ziel. Im Dezember will sie erstmals mit ihren Ergebnissen vor die Öffentlichkeit treten.

Junge Unternehmer thematisieren Verkehr und Märkte

Das aus jungen Unternehmern bestehende Impuls-Team hat sich vor zwei Jahren gefunden. Im vorigen Herbst schaltete es die Stadtverwaltung ein – rasch entstand aus diesem Impuls heraus die Interessenvereinigung „Altstadt beleben“, die sich fünf Arbeitsgruppen gab: Verkehr/Infrastruktur, Märkte/Feste/Innenstadt, Marketing, Zukunftsmanagement und Fördermittel. Diese je vierköpfigen Gebilde werden von leitenden Angestellten der Stadt geführt. Alle Fäden laufen schließlich bei Marktmeister und Altstadtförderer Frank Schütz zusammen. Aus seiner Sicht ist so eine schlagkräftige Struktur entstanden. „Hier werden die Ideen entwickelt, vorbereitet und umgesetzt.“ Die aus Gewerbetreibenden, Fachleuten und Stadt-Vertretern zusammen gesetzten Gruppen würden Nägel mit Köpfen machen. „Wir arbeiten rasch und zielführend“, sagt Rathaussprecher Sebastian Bachran. Das nach Grimma geholte Streetfood-Festival, die neue Broschüre „Lebenswertes Grimma“ und eine Verkehrszählung seien erste Ergebnisse der Arbeit.

Zwei Initiativen – ein Ziel

Indes stellt sich nun die Frage, wie beide Initiativen zu verzahnen sind, auch wenn Bachran und Schütz bereits regelmäßig bei den „Wir in Grimma“-Leuten sitzen. Das soll in einem nächsten Schritt debattiert werden. Er könne sich vorstellen, so Gey, beide Initiativen zusammen zu führen. Die Interessenvereinigung solle besser für sich arbeiten, argumentierte Bachran, der „Wir in Grimma“ dennoch wichtig findet: „Wir brauchen dieses sechste Standbein.“

Von Frank Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Donnerstag ist in Naunhof (Kreis Leipzig) ein 36-Jähriger von zwei Unbekannten überfallen worden. Sie hätten, so die Polizei, ihn mit einem Messer bedroht und Geld gefordert.

14.09.2018

Der Grimmaer Rennfahrer Bernd Rottmann startete bei der größten Radsportveranstaltung der Welt in Tirol. Bei der Ausfahrt auf historischen Rennrädern überzeugte er nicht nur durch seine Zieleinfahrt als Vierter. Sein Original-Rennrad der Marke Diamant und die Ausstattung zogen alle Blicke auf sich.

17.09.2018

Müll und Vandalismus nehmen im Grimmaer Schwanenteichpark zu. Auch das verstärkte Auftreten der Flüchtlinge wird von Einheimischen kritisch beäugt. Der Bauhof ist täglich vor Ort, um den Park in Ordnung zu halten.

14.09.2018