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"Wir sind alle voller Geschichten"

"Wir sind alle voller Geschichten"

Bereits im Jahr 2000 veröffentlichte die Autorin, die an der Leipziger Universität Germanistik, Geschichte und Pädagogik studiert hatte, eine Sammlung kleiner Grimmaer Geschichten.

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Sagen- und Märchenhaftes: Constanze John veröffentlicht die überarbeitete Auflage des Landschaftsführers für Kinder "Drache, Bieresel und Nix".

Quelle: Gaby Waldek

Nun gab die Freiberuflerin im Frühjahr dieses Jahres eine überarbeitete Fassung mit Illustrationen von Daniel Grunewald im Engelsdorfer Verlag heraus. "Den Impuls, den Landschaftsführer für Kinder zu überarbeiten, erhielt ich, als mich ein kleiner Junge mit Nickelbrille während einer Lesung um ein Autogramm bat und von den Geschichten schwärmte", sagte die Mutter, die selbst zwei Söhne und zwei Enkel hat. In der Zwischenzeit sei sie oft im Muldental unterwegs gewesen und habe einige Veränderungen wahrgenommen, die sie nun in der Neuauflage verarbeitete. Dazu gehörte zum Beispiel, dass die Pöppelmannbrücke in Grimma 2002 zerstört und mittlerweile wieder neu aufgebaut wurde.

"Der Sammelband im Jahr 2000 entstand während eines dreimonatigen Studienaufenthaltes in der Denkmalschmiede Höfgen mit Unterstützung des Kreismuseums Grimma", erzählte John, die nicht nur für Kinder schreibt, sondern auch Prosa veröffentlichte, die in Buchform oder im Rundfunk erschien. Neben bereits bekannten Sagen über Grimma und Umgebung gibt die Autorin leicht verständliche Informationen zum Handwerk, zu Bauwerken, zu außergewöhnlichen Ereignissen oder zu historischen Persönlichkeiten der Stadt. Illustriert wurde das Büchlein mit kindgemäßen comicartigen Zeichnungen.

Ihre Eindrücke vom Muldental schilderte sie in diesem Jahr auch im Hörfunk. Unter dem Titel Ort der Klänge und der Künste begab sie sich auf einen Spaziergang. "Man muss von hier aus nicht gleich bis nach Syrakus wandern, wie Johann Gottfried Seume 1802 es tat. Das Muldetal war für ihn ein kleines Elysium", sagte sie. Bereits damals sei die Landschaft Anziehungspunkt für Gelehrte, Verleger, Künstler aus Leipzig, Meißen oder Dresden gewesen. "Ein Bächlein fließt zur Mulde. Ein Vogel singt. Bienen summen. Wer zuhört, der kann es hören", schwärmt sie heute noch von diesem Sonntagsspaziergang.

"Jede Stadt hat ihre Eigenheiten. Ich spürte das bereits in Zwickau, wo ich lange Jahre lebte", erzählte die 54-Jährige, die nach ihrem Germanistikstudium ein Fernstudium am Literaturinstitut Leipzig absolvierte. Bereits in den 90er Jahren veröffentlichte sie Sagen aus Zwickau. "Mir bereitet es Freude, die Schätze einer Stadt zu präsentieren", sagte die Schriftstellerin, die eine tiefe Verbindung zu Kindern hat.

"Wir sind alle voller Geschichten. Diese wollen erzählt werden. Oft fehlt nur der Impuls", sagte die Leipzigerin. Deshalb bietet sie Lesungen zu ihrem neuen Buch mit Scheibwerkstätten für Schulklassen an. Auch Hörspielwerkstätten ab der Klasse 2 leitet sie. In der Werkstatt wird zunächst gemeinsam das Manuskript entwickelt. Danach erfolgt das Einsprechen, das Erzeugen der Geräusche und Atmosphären und das gemeinsame Gestalten.

Und wenn Constanze John einmal ausspannen will und auf neue Ideensuche geht, dann vereist sie. Denn nicht nur das Leben als Schriftstellerin sei eine Abenteuerreise. Sie geht auch gern im wortwörtlichen Sinn auf Reisen. "Ob das daher rührt, dass mein Vater aus dem Böhmischen stammt und die Vorfahren meiner Mutter aus Polen, das weiß ich nicht", erzählt sie. Aktuell genieße sie Besuche bei einer Freundin in Brasilien. "Dort tanke ich sehr viel Energie auf", meinte Constanze John.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2013

Cornelia Braun

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