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Grimma Wo der Postillon einst seine Pferde ausspannte
Region Grimma Wo der Postillon einst seine Pferde ausspannte
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05:00 30.09.2010
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. Der Grimmaer Handelsmann Andreas Böhmann kaufte das Haus vor einiger Zeit und will es wiederbeleben. Um die Geschichte der Grimmaer Post weiß wohl niemand besser Bescheid als der Heimatforscher, Philatelist und Post-Freak Claus Schimmel.

Er kennt fast jeden Winkel hier. Vor dem Gebäude in der Leipziger Straße gab es die Post in der Lorenzstraße 1, weiß Schimmel. Als Grimma 1891 das Stadttelefon bekam, waren sage und schreibe 15 Teilnehmer zusammengekommen. Vier Jahre später habe Baumeister Robert Barthel neben den Häusern in der Post-, in der Leipziger und in der Malzmühlstraße auch das Postamt bauen lassen. „Damals fuhr noch die Postkutsche", erzählt er und zeigt im Hof auf die Eisen-Halterungen, die noch zu sehen sind und an denen einst die Pferde nach langen Wegen angehängt wurden. Unten im Gebäude seien die Schalter und die Paketannahme gewesen, oben Amtswohnung und –stube des Postmeisters und noch darüber habe der Postillon gewohnt, der auch Hausmeisterdienste verrichten musste.

„Ursprünglich war oben auf dem Postamt noch ein Turm drauf", erzählt Claus Schimmel. Die Telefonleitungen, die oberirdisch verlegt waren, seien hier zusammengeführt und dann ins Fernamt in den Keller geführt worden. Später wäre das Fernamt in die erste Etage gekommen, bevor 1966 ein neues separates Fernamt auf der anderen Straßenseite gebaut wurde. Im ersten Geschoss war dann das Zeitungswesen untergebracht. „Die Postler sind früh mit ihren Wagen zum Bahnhof gelaufen und haben dann die großen Pakete hochgeschleppt, sortiert und wieder zum Ausliefern runtergetragen", weiß er um die schwere Arbeit der Austräger. Dass die hölzernen Sortierfächer für die Post – nach großen Grimmaer Firmen, nach verschiedenen Routen in der Stadt und nach den umliegenden Dörfern – noch immer in den Räumen des Postgebäudes erhalten sind, freut den Posthistoriker. „Hoffentlich bleibt dieses Andenken an die Geschichte", sagt er. Und ist traurig, dass die Schalter von anno dazumal – aus rustikaler Eiche bis an die Decke reichend – schon vor Jahren ausgebaut wurden.

Claus Schimmel hat auch den Blick für Details. Rechts vom Post-Portal zeigt er auf Löcher in der Mauer. „Da war einst der alte Reichsbriefkasten angebracht." Und weist auf den Halbkreis über dem damaligen Eingang: „Da war früher der Reichsadler dran, den man dann aber weggemacht hat." Und dann kommt noch ein besonderes „Post-Bonbon": Wenn man viele (gut erhaltene) Holztreppen nach oben klettert, bietet sich ein traumhafter weiter Blick auf Grimma.

Post-Eigentümer Böhmann, der das Haus bislang unten als Lager für seine Firma nutzt, oben das Büro für die Genossenschaft „Grimmaerleben" eingerichtet hat und in Verhandlung mit weiteren potenziellen Mietern steht, will so viel wie möglich Historisches im und am Gebäude erhalten. „Der Charme dieses Hauses soll bleiben" sagt er.

Silke Hoffmann

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