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Grimma Wohnmobile ankern nur kurz in Grimma
Region Grimma Wohnmobile ankern nur kurz in Grimma
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20:14 18.09.2018
Dirk Neubauer schaut am Wasserautomaten nach dem Rechten. Er betreibt mit seiner Ein-Mann-Firma den Caravan-Stellplatz am Unteren Bahnhof in Grimma. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Der Caravan-Stellplatz am Unteren Bahnhof in Grimma hat fast sein fünftes Jahr hinter sich – und Betreiber Dirk Neubauer ist mit der Auslastung nicht unzufrieden. „Dafür, dass wir weder Ostsee noch Bodensee sind und es in der Umgebung weitere Wohnmobilplätze gibt, ist die Frequenz gut“, sagt der 47-jährige Grimmaer.

Gäste legen kurzen Stopp ein

Die meisten Leute, die ihr Wohnmobil an der Stromsäule anschließen, bleiben seinen Worten zufolge zwei bis drei Tage. „Urlaub macht hier keiner.“

Der Platz war im Mai 2014 eingeweiht worden. Vor seiner Errichtung mussten ruinöse Gebäude weichen, darunter der ehemalig Milchhof. Die rund 650 000 Euro für Abriss und Bau der touristischen Anlage erhielt Grimma zu 90 Prozent gefördert. Dirk Neubauer musste nicht lange überlegen, als die Stadt die Betreibung des Caravan-Stellplatzes ausschrieb. Hatte er doch bei seiner jahrelangen Arbeit auf dem Campingplatz am Thümmlitzsee Gefallen an dem Job gefunden. Er bewarb sich, erhielt den Zuschlag und agiert seitdem als Pächter.

Moderner Platz mit Strom und Trinkwasser

Vier Jahre zuvor hatte Neubauer die M&D Gastro Service Grimma ins Leben gerufen und war so sein eigener Herr geworden. Neben dem Imbiss im Häuschen an der Hängebrücke und der Dienstleistung für andere Firmen im Lebensmittelbereich ist der Caravan-Stellplatz an der Mulde das dritte Standbein des Einzelkämpfers. Wer hier mit seinem Wohnwagen anrollt, findet neun Stromsäulen mit je vier Anschlüssen ebenso vor wie einen Trinkwasserautomaten und eine Möglichkeit zur Entsorgung der Fäkalien. „Wir haben einen der modernsten Caravanplätze“, freut sich Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos). Neubauer mache seine Sache ordentlich.

Muldestadt in gängigen Stellplatzführern gelistet

Genau genommen erstrecken sich an der Staatsstraße insgesamt 84 Stellflächen, wobei 50 von ihnen ganz normale Pkw-Parkplätze sind. Aber auch hier könnten Wohnmobile abgestellt werden, erklärt Neubauer. Im Prinzip reichen jedoch die für Wohnwagen jeder Größe ausgelegten Buchten. Nach Neubauers Statistik steuerten im ersten vollen Jahr – also 2015 – gerade mal 132 Wohnwagen den Platz an. Im Jahr darauf ging die Kurve aber steil nach oben, als 328 rollende Campingwagen in Grimma stoppten. Es habe seine Zeit gedauert, bis die Muldestadt in den gängigen Stellplatzführern gelistet war, nennt Neubauer einen Grund. Im vorigen Jahr belegt die Statistik 272 Stopps, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es 179. Besonders beliebt sind das Frühjahr und der Herbst.

Allerdings passen Neubauers Worten zufolge das Dorf der Jugend in der Alten Spitzenfabrik und der Caravanplatz schlecht als Nachbarn zusammen. Das Freizeitverhalten der junge Leute – etwa laute Musik und wilde Partys – störe die größtenteils älteren Leute, die mit einem Wohnmobil unterwegs sind. „Die wollen ihre Ruhe haben“, weiß der 47-Jährige aus Erfahrung. Neubauer will deshalb mit dem Oberbürgermeister das Gespräch suchen, damit wenigstens ein Sichtschutz zum Jugend-Domizil geschaffen wird.

Neben Deutschen auch Holländer, Franzosen und Briten unterwegs

Vorwiegend sind es Deutsche, die in Grimma ihren Wohnwagen für ein paar Tage abstellen. Regelmäßig stecken aber auch Holländer die sieben Euro Tagesgebühr in den Automaten. Hin und wieder steuern Briten und Franzosen die Muldestadt an, im vorigen Jahr waren es auch mal zwei Fahrzeuge aus Dänemark. „Viele wollen sehen, wie sich Grimma nach den zwei Fluten entwickelt hat und schwärmen von der Stadt“, weiß Neubauer zu berichten. Nicht wenige haben Fahrräder Huckepack und erkunden den Muldental-Radweg. Manche sind einfach auf der Durchreise, etwa Senioren auf einer Deutschland-Tour, andere besuchen Verwandte oder Bekannte. Bei Events wie den Triathlon und das Musikantentreffen ankern besonders viele Wohnmobil-Besitzer auf dem City nahen Areal.

Eng wird es auch, wenn zweimal im Jahr die Zigeuner mit ihren Wohnmobilen anrücken, um nach etwa einer Woche in die nächste Stadt zu ziehen. So wie im August. „Wir haben mit denen keinerlei Probleme“, berichtet Neubauer, der den Platz mit seiner Lebensgefährtin managt. Sicherheitshalber werde bei ihrer Anreise aber die Polizei informiert. Auf dem Müll des fahrenden Volkes bleibt Neubauer jedoch sitzen. Auch zuletzt hatten sich die blauen Säcke am Wegesrand gestapelt. Neubauer ließ sie nach der Abreise umgehend in einen Container verfrachten und entsorgen – auf eigene Kosten.

Müllentsorgung in Tagespauschale nicht enthalten

Eine Ausnahme, denn eine Müllentsorgung gibt es nicht auf Grimmas Caravan-Stellplatz. Die Wohnmobil-Besitzer müssen ihre Überbleibsel mitnehmen, während sie – im Preis inbegriffen –die Fäkal- und Abwasserbehälter hier leeren können. Im Erdreich steckt dafür ein Tank. An der Gebühr von sieben Euro pro Tag beziehungsweise 35 Euro pro Woche hält Neubauer übrigens von Anfang an fest. Das sei landesweiter Durchschnitt. Für eine Kilowattstunde Strom müssen die Reisenden einen Euro in den Schlitz stecken, ebenso für 100 Liter Trinkwasser.

Von Frank Prenzel

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