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Wohnungsbaugenossenschaft wird 60 Jahre alt

Trebsen Wohnungsbaugenossenschaft wird 60 Jahre alt

Vor 60 Jahren wurde die Wohnungsbaugenossenschaft Trebsen gegründet – mit dem Ziel, ausreichend Wohnraum zu schaffen. In den vergangenen Jahren wurde vor allem saniert. Ein Problem: der hohe Altersdurchschnitt der Mieter.

Ordentlich und gepflegtes Umfeld: Darüber freuen sich die Mieter der Wohnungsbaugenossenschaft Trebsen, die ihr 60-jähriges Bestehen feiert

Quelle: Frank Schmidt

Trbesen. „Nicht jedem seine Wohnung, sondern jedem eine Wohnung“ hieß der Slogan vor sechs Jahrzehnten, um in der damals noch jungen DDR den Wohnungsbau zu forcieren. So auch in der Muldestadt Trebsen, weshalb sich am 25. März 1957 die Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft, kurz AWG genannt, gegründet hatte. Damit folgte man gleichen Bestrebungen in umliegenden Städten wie Grimma, Colditz und Wurzen. Um dem schon erwähnten Slogan sozialistisches Gewicht zu verleihen, schmückte man sich mit dem Ehrentitel „AWG Ernst Thälmann“, dem Arbeiterführer aus der Weimarer Republik.

Doch weil die Ideologie alleine nicht genügte, schaffte die DDR-Regierung gesetzliche Voraussetzungen, um den immens hohen Bedarf an Wohnraum zu decken. Für dieses Ziel war es seinerzeit üblich, regionale Großbetriebe in die ehrgeizigen Wohnungsbaupläne einzubinden. Was insofern Sinn machte, da vor allem für die Arbeiter, also das sozialistisch arbeitende Volk, Wohnraum geschaffen wurde. Dafür hatte der Arbeiter- und Bauernstaat seine „Volkseigenen Betriebe“ (VEB) Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen, Farbenfabrik Nerchau, Papierfabrik Golzern und Hartsteinwerke Hohnstädt per Parteiauftrag verpflichtet, als sogenannte Trägerbetriebe zu fungieren. Immerhin sicherte das den AWGlern für ihren landesweit unter dem Banner der Sozialistischen Einheitspartei (SED) propagierten „sozialistischen Aufbau“ materiell-technische Unterstützung zu. In Trebsen war es freilich kein Zufall, dass durch die neu gebaute Wohnsiedlung im Ortsteil Pauschwitz die „Straße des Aufbaus“ führte und noch führt.

33 Jahre nach Gründung der AWG spielte Thälmann im Zuge der friedlichen Revolution von 1989 keine Rolle mehr. Denn mit dem Einigungsvertrag von 1990 zog, wie vielerorts in Ostdeutschland, auch die AWG in Trebsen unter das Dach des gesamtdeutschen Genossenschaftsrechtes. Fortan nannte man sich Wohnungsbaugenossenschaft (WG) Trebsen e.G. Und fortan galt es, den Wohnungsbestand zu modernisieren und zu sanieren, um langjährige Mieter zu halten. Hier lagen die Herausforderungen des WG-Vorstandes, dem Karin Nowina von Axt und Maritta Just seit vielen Jahren angehören. „Um die Mieter in den 128 Wohnungen zu halten, sind wir immer bemüht, sofern möglich, ihren Wünschen zu entsprechen“, blicken die beiden Vorstandsmitglieder zurück. Obwohl Kredite zu bedienen waren, habe man dafür in den letzten zehn Jahren etwa 1,5 Millionen Euro aus Eigenkapital in die Hand genommen, um mit dem Anbau von Balkonen, der Fassadengestaltung, der Renovierung von Hauseingängen und dem Gestalten der Außenanlagen, den stetig gewachsenen Ansprüchen an Wohnqualität entsprechen zu können. Hohe Kosten entstehen laut Vorstand, „da immer mehr altersbedingt Wohnungen stark abgewohnt zurückgegeben werden, die aufwendig saniert werden müssen.“ Das große Plus der WG ist eine Null im Leerstand. Allerdings sorgen sich von Axt und Just um den demografischen Wandel. „Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder beträgt 73 Jahre. Wohl auch, „weil jüngere Mieter in privat erworbenes Wohneigentum umziehen“, bedauert der Vorstand. Dennoch sei man stolz auf das Erreichte in einem „ordentlich und gepflegten Umfeld, in dem sich unsere Mieter wohlfühlen“, weiß von Axt.

Von Frank Pfeifer

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