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Wohnungsleerstand: Belgershain wird Teil bundesweiter Studie

Eigentümer weit weg Wohnungsleerstand: Belgershain wird Teil bundesweiter Studie

Wie ist es um Wohnungsleerstände in Deutschland bestellt? Das will ein Projekt herausfinden, das die Wüstenrot Stiftung finanziert und gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern umsetzt. Bundesweit wurden dafür 20 beispielhafte Städte und Gemeinden ausgesucht, darunter vier in Sachsen: Görlitz, Chemnitz, Crimmitschau und Belgershain.

Laut Statistik weist die Gemeinde Belgershain besonders hohe Leerstände auf.

Quelle: André Kempner

Belgershain. "Wir haben uns für Kommunen entschieden, die laut Statistik besonders hohe Leerstände aufweisen", erläutert Projektleiter Holger Schmidt. Der Professor für Stadtumbau und Ortserneuerung an der TU Kaiserslautern zog mit seinem Team als Basis die Ergebnisse des Zensus von 2011 heran, in dem der komplette Wohnungsbestand der Bundesrepublik und dessen Belegung abgefragt worden waren. Belgershain zählte zu den Orten, in denen im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr viele Wohnungen ungenutzt blieben.

Bürgermeister Thomas Hagenow (parteilos) kennt das Problem. "Besonders groß ist es im Ortsteil Köhra", sagt er. "Dort stehen fast 20 Prozent der Wohnungen leer." Die Gesamtgemeinde habe in den vergangenen Jahren einen Schwund von 150 Einwohnern hinnehmen müssen, dieser Wert resultiere hauptsächlich aus der negativen Entwicklung in Köhra.

Betroffen sind in erster Linie Neubauten, die nach dem Mauerfall von 1989 errichtet wurden. Für Schmidt, der danach forscht, wie die Leerstände konkret verteilt sind, ein untypisches Phänomen. "In anderen Orten Sachsens haben wir sie hauptsächlich in der Altbausubstanz, dort fallen sie sofort auf", sagt er. "In Belgershain bekommt man sie hingegen gar nicht mit." Insgesamt mache die Gemeinde einen guten Eindruck mit ihren gepflegten Häusern, Kindertagesstätten, der Schule und einem Vereinsleben, das zumindest in den Ortskernen funktioniere. Wie alle anderen Projektkommunen hat sich Schmidt auch Belgershain mit eigenen Augen angeschaut.

Die meisten Wohnungen des Dorfes sind ab den frühen 1990er-Jahren entstanden. Schmunzelnd nennen Alteingesessene solche Gebiete "Schuldenberge", weil die Häuslebauer immer noch die Kredite abzahlen, die sie aufgenommen hatten. Sie wohnen normalerweise in ihren eigenen vier Wänden, haben alles belegt.

Doch es gibt auch zahlreiche Eigentümer, die zumeist im alten Bundesgebiet leben und die Häuser als Kapitalanlage gekauft haben, also keine wirklich innere Beziehung zu ihnen besitzen. "Die Vermietung läuft für sie offenbar nicht richtig gut", mutmaßt Holger Schmidt. Und Bürgermeister Hagenow meint, einen der Gründe dafür zu kennen. Er sieht ihn in den Nachtspeicheröfen, mit denen etliche Neubauten ausgestattet worden sind. "Die Miete ist zwar sehr günstig, doch die Nebenkosten sind beträchtlich", erklärt er.

Zweck der Studie ist es nicht nur, den Ist-Zustand zu erfassen. Es soll den Kommunen auch ein Werkzeugkasten an die Hand gegeben werden, mit dem sie dem Leerstand begegnen können. Für Belgershain, da ist sich Schmidt schon recht sicher, wird dieser nicht üppig gefüllt sein. Denn die Kommune vermag wenig zu bewegen, wenn es um Privateigentum geht. "Der Bürgermeister kann nicht herumfahren und die Eigentümer bitten, mehr zu vermieten", sagt der Professor. "Vielleicht kann er Eigentümergemeinschaften per Brief auffordern, sich mehr um die Vermarktung zu kümmern."

Am 4. und 5. Februar kommenden Jahres soll es eine Konferenz in Kaiserslautern geben, zu der Vertreter aller 20 Kommunen und ein Fachpublikum eingeladen sind. Dort werden die Ergebnisse der Studie vorgestellt. Zum Schluss will die Wüstenrot Stiftung ein Buch über das Projekt veröffentlichen.

Von Frank Pfeifer

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