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Wurzener Meisterwerk der Handwerkskunst in Jerusalemer Himmelfahrtskirche

Wurzener Meisterwerk der Handwerkskunst in Jerusalemer Himmelfahrtskirche

Wenn am 27. März der große Festsaal der Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg in Jerusalem in hellem Licht erstrahlt, dann ist ein Meisterwerk der Handwerkskunst aus Wurzen dafür verantwortlich.

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Meisterwerk aus Einzelteilen: Friedemann Geißler (l.) sowie Gürtler- und Metalldrückermeister Frank Hoffmann nehmen Maß an einer Messingwandleuchte.

Quelle: Andreas Röse

Wurzen/Jerusalem. In monatelanger akribischer Arbeit wurden in der Leuchtenmanufactur ein historischer Radleuchter und ein Dutzend Messingwandleuchten originalgetreu nachgebaut. Ein Exemplar des neoromanischen Messinggradleuchters gab es noch in dem auch Kaisersaal genannten Teil der Himmelfahrtskirche. Doch von den Messingwandleuchten existierte nur noch ein altes Schwarzweißfoto. Eine echte Herausforderung für die Wurzener Leuchtenbauer. Sie arbeiteten das Bild am Computer auf, kitzelten so viele Details wie möglich heraus. „Dann haben wir erst einmal einen Holzbildhauer beauftragt, der eine Nachbildung geschnitzt hat“, erinnert sich Friedemann Geißler, Chef der Leuchtenmanufactur, an die ersten Arbeitsschritte. Das war im vergangenen Herbst. Was in Holz entstanden war, wurde anschließend in Guss umgesetzt. Im November ging es endlich richtig los. Aus den Fotos wurden exakte Produktionsskizzen, danach wurde in Handarbeit Einzelteil für Einzelteil hergestellt.In dieser Woche ließen sich die Wurzener Leuchtenkünstler dabei noch einmal über die Schulter schauen. Eine der letzten Gelegenheiten, sich noch ein Bild vom Wachsen und Werden der historischen Nachbauten zu machen. Denn in der nächsten Woche sollen alle Stücke fertig sein – fertig für den Versand gen Jerusalem. Geißler wird sich dann ebenfalls auf den Weg machen, mit einem Monteur zusammen. „Unsere Arbeit ist erst dann beendet, wenn alle leuchter erstrahlen“, hat er ein klares Ziel definiert.Offiziell den Schalter umlegen für die beiden Radleuchter wird Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich am 27. März. Einige Tage später ist Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung in Jerusalem, um in gebührendem Rahmen die Sanierung des Kaisersaals zu würdigen. Denn nicht nur die Leuchten aus Wurzen sorgen für neuen Glanz, auch die wertvolle Saaldecke wurde restauriert – vom Leipziger Wolf Christian Heindorf. Damit wurde fortgesetzt, was schon in den Ursprungstagen der Himmelfahrtskirche begann: Ostdeutsche Handwerkskunst setzte die besonderen Akzente. Die Glocken im Turm, der unübersehbar das Stadtbild Jerusalems prägt, wurden in Apolda gegossen, die pneumatische Orgel baute die Firma Sauer aus Frankfurt/Oder. 1910, vor genau hundert Jahren, wurde der Sakralbau von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht und zusammen mit einem Hospiz übergeben. Heute arbeitet das evangelische Zentrum auf dem Ölberg mit der deutschsprachigen evangelischen gemeinde Jerusalem zusammen, im Hospiz arbeitet unter anderem ein HNO-Krankenhaus mit 164 Betten.Der Kontakt Geißlers kam 2008 zustande, als eine Leipziger Delegation in Israel weilte. Er ließ sich für das Projekt gewinnen, das von der Leipziger Kulturstiftung mit ihrem Geschäftsführer Wolfgang Hocquél wesentlich angeschoben wurde. Er ließ es auch nicht schleifen, als es bei der Finanzierung Probleme gab. „Was wir zugesagt haben, halten wir auch“, sagt Geißler, „der Kaisersaal wird pünktlich im Wurzener Glanz erstrahlen.“

Heinrich Lillie

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