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Grimma Zahl der Straftaten in Colditz sinkt
Region Grimma Zahl der Straftaten in Colditz sinkt
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00:42 24.07.2015
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Colditz

Das empfindet zumindest Polizeirat Falk Donner so, der Leiter des Grimmaer Reviers. Zur jüngsten Stadtratssitzung stellte er die neueste Statistik vor.

Das Verrückte: Ausgerechnet die Zahl der Drogendelikte stieg von 2013 zu 2014 von zwölf auf 27 an. Doch dafür hat der Gesetzeshüter eine simple Erklärung. "Zwar haben wir in der gesamten Polizeidirektion wachsende Drogenprobleme. Die höhere Zahl der Fälle ist aber eher darauf zurückzuführen, dass unsere Kollegen für das Thema sensibilisiert und fortgebildet wurden. Sie stellen jetzt mehr Straftaten fest als früher."

Die Menge an Körperverletzungen blieb 2014 mit 51 Fällen gegenüber dem Vorjahr gleich. Diebstähle wurden 237 und damit 29 weniger als im Jahr zuvor gezählt; allerdings waren es 2012 lediglich 227. Registrierte Betrügereien sanken kontinuierlich von 135 (2012) über 90 (2013) auf 70 (2014). Die Zahl der Sachbeschädigungen stieg um sieben auf 52 leicht an, hatte aber 2012 noch höher, und zwar bei 59, gelegen.

Colditz liegt laut Donner mit diesen Daten im Durchschnitt der etwa gleich großen Städte. Maßstab sei die Häufigkeitszahl, mit der die reale Zahl der Fälle auf angenommene 10 000 Einwohner hochgerechnet wird. In Colditz sei der Wert von 6003 auf 5823 gesunken. Brandis liege fast 700 Punkte darüber, während Bad Lausick eine Häufigkeitszahl von 5600 und Naunhof sogar nur eine von 5100 aufweise.

Donner betonte allerdings, dass diese Hochrechnung allein auf der Basis der Bevölkerungsgröße vorgenommen wird. Andere Faktoren wie zum Beispiel die Lage an einer Autobahn und die Größe von Gewerbe- und Wohngebieten würden nicht berücksichtigt. Und überhaupt sei jeder Fall einer zu viel, besonders für die Betroffenen. "Sie haben nach einem Einbruch nicht nur den Verlust zu verkraften, sondern auch eine Rennerei nach Unterlagen vor sich. Dazu kommt die psychische Belastung", so Donner.

In den beiden Colditzer Bürgerpolizisten sieht Donner eine große Stütze. "Sie nehmen unserem Streifendienst viel Arbeit ab, kümmern sich beispielsweise um Nachbarschaftsstreitereien, bevor es zur Anzeige kommt, sind in der Stadt präsent, auch am Abend und an Wochenenden, wenn sie Veranstaltungen absichern", sagte er. Ihre Öffnungszeiten jeweils dienstags seien nur ein kleiner Teil der Arbeit.

Von einer Kooperation mit der Polizei, die sich zu 100 Prozent verbessert habe, sprach Ordnungsamtsleiter Silvio Gleffe. "Als es noch den Posten gab, existierte im Grunde keine Zusammenarbeit", führte er aus. Deshalb würde er sich freuen, wenn das Miteinander auf dem jetzigen Stand fortgesetzt werden könne oder sogar noch ein Bürgerpolizist mehr eingestellt würde.

Für ihn, Gleffe, seien die Zahlen der Kriminalitätsstatistik nicht das Entscheidende. "Viel wichtiger ist das Sicherheitsgefühl der Bürger", erklärte er. "Und da können wir zufrieden sein. In Leipzig würde ich mich nicht trauen, nachts durch die Straßen zu gehen, in Colditz mache ich das."

Dass in einer Veranstaltung Polizeipräsident Bernd Merbitz versprochen habe, ein Beratungsmobil nach Colditz zu entsenden, was aber bislang nicht geschehen sei, bemängelte ein Bürger, der die Ratssitzung besuchte. Das sei nicht vergessen worden, erklärte Donner. Die Einwohner bat er, sich an ihn oder die Bürgerpolizisten zu wenden und ihren Bedarf dafür anzuzeigen. Wenn genügend Interesse bestehe, solle ein Mobil auf den Markt gestellt werden. "Wir können das aber nicht machen, ohne zu wissen, ob jemand kommt. So etwas muss effektiv sein", sagte der Polizeirat.

Ganz andere Sorgen treiben Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) um. Er berichtete von Schrottdieben, die gefasst wurden. "Später kam das Schreiben vom Staatsanwalt, das Verfahren sei eingestellt", kritisierte er. Falk Donner kennt das Problem, denn davon hört er ebenso in anderen Gemeinden. "Das ist auch für uns nicht motivierend, zumal wenn wir eine umfangreiche Aufklärung betrieben haben", gestand er. Die Trennung von Judikative und Exekutive sei aber nun einmal ein Prinzip des Rechtsstaats. Und der Staatsanwalt könne nur jemanden anklagen, wenn ihm starke Beweise vorliegen, denen der Tatverdächtige nicht entkommt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2015
Frank Pfeifer

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