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Grimma Zahnprophylaxe wird im Landkreis Leipzig groß geschrieben
Region Grimma Zahnprophylaxe wird im Landkreis Leipzig groß geschrieben
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19:00 15.03.2018
Zahnprophylaxe im Kinder-Lehm-Haus in Bahren: Kroko hat gesunde Zähne und sagt den Kindern, wie er das so gut hinbekommt. Quelle: Andreas Döring
Bahren/Grimma

Die Steppkes wollen Kroko wecken. Aber noch schlummert das kleine Plüschkrokodil in der Tasche von Zahnärztin Gabriele Stecher, die an diesem Morgen den Kindergarten in Bahren bei Grimma besucht. „Kroko, Kroko!“ rufen die Vier- bis Sechsjährigen. Endlich. Das grüne Tierchen steckt zuerst ein Bein aus der Tasche, dann den Kopf – schließlich ist es wach und lacht. „Die Zähne von Kroko sind ganz weiß“, bemerkt ein Mädchen. Ja, Kroko hat das perfekte Gebiss. Je 16 gesunde und saubere Zähne im Ober- und Unterkiefer, keine einzige Füllung, strahlend weiß.

Kroko weiß auch, wie man das so hinbekommt. Gesunde Nahrung und Getränke sowie Zähneputzen sind entscheidend. Die Kinder wissen schon, dass Gurke und Wasser prima sind – Eis leider nicht, weil so viel Zucker drin ist. Nun sollen sie mit Kroko Zähne putzen. Kein Problem – das kennen die Mädchen und Jungen recht gut. Nach jeder Mahlzeit greifen sie in ihrem Kindergarten zur Zahnbürste.

Mit Kroko und den lustigen Sprüchen macht es aber noch mehr Spaß. „Einen Kreis, einen Kreis, Mama staunt, was ich schon weiß“ oder „Schwuppdiwupps, schwuppdiwupps, gib den Krümeln einen Stupps“, nuscheln die Kleinen, während sie die Bürste in unterschiedlichen Bewegungen durch den Mund schwingen. Es geht darum, Putztechniken zu erklären und überhaupt das Zähneputzen als Ritual zu vermitteln, meint die Zahnärztin und schaut zufrieden auf ihre Zöglinge. „Das macht ihr prima.“

Eltern sind die wichtigsten Akteure bei der Zahnprophylaxe

Gabriele Stecher und ihre Kolleginnen Birgit Haustein und Gisela Rassow sind die drei Zahnärztinnen des Gesundheitsamtes im Landkreis Leipzig. Einmal im Jahr untersuchen sie alle Kinder zwischen null und zwölf Jahren – in Kinderkrippe, Kindergarten und Schule. Sie sagen den Kindern das Ergebnis und teilen es schriftlich den Eltern mit.

Dabei gebe es regionale Unterschiede. In sozial schwächeren Gebieten haben Schüler oder Kindergartensteppkes häufiger Karies und hören von der Ärztin nach der Routinekontrolle: „Du musst unbedingt zum Zahnarzt.“ Auch wer eine Zahnspange braucht oder wegen Sprachproblemen zur Logopädie sollte, bekommt einen Hinweis. Letztendlich sind die Eltern die wichtigsten Akteure, was gesunde Zähne ihrer Kinder betrifft. Prophylaxe und Aufklärung bei Jung und Alt halten die drei Ärztinnen für immens wichtig.

Gern veranstalten sie Gruppen-Prophylaxe-Termine wie in Bahren, bei denen Kinder mehr über Zahnhygiene lernen. Mit Liedern, Geschichten und Reimen wird das Thema spielerisch behandelt. Weil die Kapazitäten im Gesundheitsamt solche Veranstaltungen nicht in Menge erlauben, arbeitet das Amt mit niedergelassenen Zahnärzten zusammen, die in Patenschaften Kindertagesstätten betreuen.

Zahnprophylaxe in der Kita Kinder-Lehm-Haus in Bahren. Jedes Kind hat einen Vorsorgepass. Quelle: Andreas Döring

Im Muldental würde das bereits gut gelingen, im Leipziger Land werden noch Partner gesucht. Alle Kinder vom Krippenalter bis Klasse 6 sollten mindestens einmal im Jahr gruppenprophylaktisch betreut werden, darauf besteht ein Rechtsanspruch. Generell würden sich viele Kindereinrichtungen im Landkreis Leipzig bei diesem Thema engagieren und mit ihren Kleinen regelmäßig Zähne putzen üben – aber eben nicht alle.

Gesunde Ernährung in der Praxis

Simone Bode, Leiterin des Kinder-Lehm-Hauses in Bahren, freut sich über das Angebot: „Das ist immer wieder ein wichtiges Thema. Und es ist auch gut, wenn Leute von außen kommen.“ Generell passt es zu ihrem Kindergarten, wo gesunde Ernährung groß geschrieben wird. Die 56 Knirpse pflanzen Gemüse im Garten und ernten Äpfel und Birnen. Sie mahlen Mehl und backen Brot.

„Die Kinder putzen in der Regel gerne Zähne und passen aufeinander auf“, sagt die Leiterin. Da sagt schon mal ein Steppke zum anderen: „Die Sanduhr ist noch nicht durchgelaufen, du kannst noch nicht aufhören.“ Auch die Eltern würden sich intensiv kümmern. „Ich habe zudem den Eindruck, dass sich Zahnarztpraxen gut auf den Nachwuchs einstellen“, meint Simone Bode. Da habe sie aus ihrer Kinderzeit noch ganz andere – eindeutig negative – Erinnerungen.

Statistik

Ergebnisse der jugendzahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen im Schuljahr 2016/17 ergaben, dass knapp 88 Prozent der Dreijährigen ein gesundes Gebiss haben. Reichlich ein Viertel der untersuchten Sechsjährigen und über sechs Prozent der Zwölfjährigen wiesen einen behandlungsbedürftigen Gebisszustand auf. Auffällig ist der relativ hohe Anteil bei Sechs- bis Zwölfjährigen in Förderschulen.

Der Gebisszustand bei Kindern fällt innerhalb von Sachsen regional unterschiedlich aus. In drei Landkreisen lag im Schuljahr 2016/17 der Anteil von Kindern mit behandlungsbedürftigem Gebisszustand sowohl bei den Dreijährigen als auch bei den Sechs- und Zwölfjährigen unter dem Sachsendurchschnitt. Anteile über dem Sachsendurchschnitt wurden hingegen in vier Landkreisen und der Stadt Chemnitz festgestellt.

Erfreulich ist die Entwicklung der Zahngesundheit sächsischer Kinder im Zeitverlauf in allen Altersstufen. Hatten im Schuljahr 2006/07 84 Prozent der Dreijährigen ein gesundes Gebiss, waren es im Schuljahr 2016/17 bereits 88 Prozent. Auch bei Sechsjährigen hat sich dieser Anteil innerhalb von zehn Jahren erhöht: von rund 50 Prozent auf etwas über 59 Prozent. Bei Zwölfjährigen stieg der Anteil gesunder Gebisse im selben Zeitraum von knapp 62 Prozent auf fast 77 Prozent.

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen

80 Prozent der Zwölfjährigen sind kariesfrei

Die gute Nachricht heißt: Die Zähne des Nachwuchses sind gesünder als früher. Gabriele Stecher erinnert sich, dass noch vor 30 Jahren Schulkindern viel häufiger Backenzähne gezogen worden, dass überhaupt Kinder oft Schmerzpatienten waren, „das haben wir heute nur noch selten“. Das bestätigt die Statistik: Heute sind mehr als 80 Prozent aller Zwölfjährigen kariesfrei. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie noch 1997.

Dennoch ist keine Entwarnung angesagt. Die Zahnärztinnen des Gesundheitsamtes sehen es kritisch, dass Schüler nur bis zwölf Jahre bei der Routine-Untersuchung berücksichtigt werden. Gerade die Pubertät sei eine Phase, in der Jugendliche häufig zu extrem süßen Getränken und Speisen greifen und sich schlecht die Zähne putzen. „Eltern sollten immer dran bleiben“, heißt die Empfehlung. Das gilt auch für ganz kleine Steppkes. Schon im Baby-Alter können durch dauerndes Nuckeln an der Flasche Zahnschäden entstehen.

Auch was das Nachputzen betrifft, sei immer wieder Aufklärung nötig. Als Faustregel gilt: Eltern sollten so lange bei ihrem Kind die Zähne nachputzen, bis es flüssig die Schreibschrift beherrscht. Das ist erst in der zweiten Klasse soweit. Bis dahin heißt es: Kind putzt allein mit Wasser, Mama oder Papa danach mit Zahncreme.

Das fragen Eltern häufig

Warum sind gesunde Milchzähne so wichtig?

Hartnäckig hält sich der Glauben, dass Milchzähne unwichtig sind, da sie sowieso ausfallen. Dabei haben sie eine wichtige Bedeutung für die nachrückenden Zähne. Werden sie nicht ausreichend gepflegt, können die bleibenden Zähne bereits im Keim geschädigt werden. Deshalb gilt: Milchzähne mit Karies sofort behandeln lassen.

Gesunde Milchzähne sind Platzhalter für den nachkommenden zweiten Zahn. Fällt der Milchzahn zu früh aus, kann das zu einer Verschiebung der Zahnstellung führen. Außerdem sind sie wichtig für die Sprachentwicklung. Fallen Milchzähne aufgrund von Karies vorzeitig aus oder müssen sie entfernt werden, kann das zu einer Störung der Sprachbildung führen.

Auch für das soziale Miteinander spielen sie eine Rolle. Sind Milchzähne sichtbar von Karies betroffen oder hat das Kind Mundgeruch durch Karies besteht die Gefahr, dass ein Kind von anderen gehänselt oder sogar ausgegrenzt wird.

Richtiges Zähneputzen – wie geht das?

Mit KAI! So heißt eine Zahnputztechnik, die leicht zu merken ist. Beginnen Sie mit K - den Kauflächen, gefolgt von A - den Außenflächen und schließen Sie ab mit I - den Innenflächen.

Wichtig: Die Geschicklichkeit und Konzentration eines Kindergartenkindes reicht in der Regel nicht aus, um alle Zahnflächen sauber zu putzen. Deshalb putzen Sie bis zum Schulalter die Zähne Ihres Kindes noch einmal nach.

Ist Milchzahnkaries vermeidbar?

Ja! Geben Sie Ihrem Kind die Nuckelflasche nur, wenn es Durst hat. Geben Sie Ihrem Kind nur Wasser oder ungesüßten Tee. Lassen Sie Ihr Kind spätestens ab dem ersten Geburtstag aus der Tasse oder dem Becher trinken. Kontrollieren Sie täglich die Zähne Ihres Kindes auf Zahnbelag. Putzen Sie ab dem 1. Milchzahn einmal täglich (am besten vor dem Schlafengehen) Ihrem Kind die Zähne. Gehen Sie mit Ihrem Kind zum ersten Kontrolltermin zum Zahnarzt, wenn es das erste Lebensjahr vollendet hat.

Der Besuch beim Zahnarzt – wie kann ich diesen vorbereiten?

Oft hören wir von Erwachsenen vor dem Zahnarztbesuch: „Das ist gar nicht schlimm, du brauchst keine Angst haben oder komm, sei tapfer.“ Noch schlimmer: bei Naschsünden wird mit dem Loch im Zahn und dem Bohrer beim Zahnarzt gedroht. Solche Aussagen können zur Angst vorm Zahnarzt führen, bevor das Kind beim Zahnarzt gewesen ist.

Tipps: Bereiten Sie die Kinder mit Kinderbüchern speziell zu diesem Thema auf den Besuch beim Zahnarzt vor. Sollte beim Kind bereits eine manifeste Zahnarztangst entwickelt sein, ist es hilfreich einen auf Zahnarztangst spezialisierten Zahnarzt aufzusuchen. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt helfen frühzeitig Zahnschäden zu erkennen.

Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen

Von Claudia Carell

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