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Grimma Zehntausende Touristen – Colditz plant Markt-Passage als Tor zur Stadt
Region Grimma Zehntausende Touristen – Colditz plant Markt-Passage als Tor zur Stadt
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14:37 23.02.2018
Von den blumig gestalteten Parkplätzen an der Badergasse soll es künftig über einen neuen Treppenweg direkt zum Markt gehen. Quelle: Projektskizze Stadtverwaltung
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Colditz

In seiner Amtsstube schaut Bürgermeister Matthias Schmiedel auf ein Gemälde mit romantischer Stadtansicht: Bach, Brücke, Bäume. Das Klein-Venedig mit plätscherndem Mühlgraben, wie es alte Colditzer noch kennen, soll nicht wieder belebt werden. Und doch könnte es hinter der Häuserzeile an der Badergasse schon bald „strömen“ – diesmal kein Wasser, sondern Touristen. Die Stadtväter planen einen direkten Zugang vom Lidl-Busparkplatz hinauf auf den Markt. „Markt-Passage“ soll der etwa 250 Meter lange Treppenweg heißen. Das Tor zur Stadt will sich die Kommune etwa 600 000 Euro kosten lassen. Gefördert wird die Summe zu zwei Dritteln aus der Stadtsanierung. Zusätzlich trägt das Programm „Brücken in die Zukunft“ 75 Prozent des städtischen Eigenanteils.

Jährlich etwa 30 000 britische Touristen besuchen die Stadt. Sie interessieren sich vor allem fürs Schloss und die tolldreisten Fluchtgeschichten der dort im Zweiten Weltkrieg inhaftierten alliierten Offiziere. Bislang leben die Busgäste von der Insel gefährlich, wenn sie die stark befahrene Bundesstraße überqueren. Das soll sich ändern, auch für die ortsansässigen Einkaufskunden: „Wir bemühen uns um geordnete Verhältnisse – einen Zebrastreifen als Zubringer zur Markt-Passage“, sagt der parteilose Bürgermeister.

Von den blumig gestalteten Parkplätzen an der Badergasse soll es künftig über einen neuen Treppenweg direkt zum Markt gehen. Quelle: Projektskizze Stadtverwaltung

Das hoch fliegende Projekt soll kein zweiter Hauptstadt-Flughafen werden, lacht Schmiedel: Bis Ende 2018, spätestens jedoch bis Anfang 2019, soll die mit Geländer gesicherte Passage aus dem Boden gestampft sein. Über Stufen meistern die Gäste künftig ein Gefälle von bis zu sieben Metern und gelangen auf kürzestem Weg in den Hinterhof des ehemaligen Blumengeschäfts Markt 19. Die Stadt hat das Haus erworben, will darin Bau- sowie Ordnungsamt sowie Tourist- und Bürgerinfo unterbringen. „Bevor die Besucher die Unterführung passieren und auf den Markt treten, bekommen sie dort alle nötigen Hinweise.“ Damit nicht genug: Das Schlachthaus einer ehemaligen Fleischerei soll abgerissen werden, um an gleicher Stelle eine öffentliche Toilette zu platzieren, täglich ab 7 Uhr geöffnet. Diese sei dringend nötig, gerade für die vielen Bustouristen, so die Stadtväter.

Aufgewertet werden auch die im Moment noch schmucklosen 70 Parkflächen an der Badergasse. „Genau da, wo sich bis in die 1950er-Jahre das malerische Klein-Venedig befand, werden nach Auskunft von Bauamtsleiterin Angela Rößner Heckenkirschen, Pfeifensträucher und Sommerflieder gepflanzt. „Am Lochgässchen, dem kleinen Fußweg entlang der Stadtmauer, ist für Spaziergänger und Touristen eine Oase der Ruhe vorgesehen.“ Bänke sollen schattige Plätzchen unter Platanen bieten. Sowohl der Weg als auch die erweiterten Parkflächen würden von Sommerhecke umrahmt.

Fast scheint es, als sei die Markt-Passage das persönliche Abschiedsgeschenk des nicht wieder kandidierenden Bürgermeisters an die Colditzer. Wenn einige seiner Mitarbeiter Anfang 2019 das Haus Markt 19 in Besitz nehmen, ist er nicht mehr in Amt und Würden: „Es geht auch ohne mich weiter. Wir haben viel vor, wollen die ruinöse Brauerei erwerben.“ Derzeit befinde man sich in Verhandlungen mit den Nachtragsliquidatoren. Ziel sei der Rückbau. Stehen bleiben soll allein das Malzhaus zum Markt hin. Wegen der daran befestigten Porträtbilder der größten Söhne der Stadt heißt das Haus im Volksmund wahlweise „Hall of Fame“ (Ruhmeshalle) oder mit Blick auf den maroden Zustand auch „Hall of Shame“ (Halle der Schande). In diesem Bereich sei eine weitere Markt-Passage geplant, sagt der Bürgermeister: „Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

Von Haig Latchinian

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