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Grimma Ziegengrund verliert seinen Schrecken
Region Grimma Ziegengrund verliert seinen Schrecken
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05:00 10.07.2010
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. Sein Investitionsumfang: rund 230 000 Euro.

Einen „Meilenstein im Verfahren der Ländlichen Neuordnung" nannte Ulrich Kappler, der Vorstandsvorsitzende der TG, die Maßnahme bei der Bauabnahme am Donnerstag. Das Neuordnungsverfahren war nach dem Hochwasser 2002 angeordnet worden. „Damals haben wir entschieden, auch eigene Maßnahmen durchzuführen", erinnerte Kappler. Und das jetzt vorliegende Ergebnis sei dabei wohl einmalig. „Es werden in der Regel Wege gebaut, Teiche entschlämmt, aber ein Objekt in diesem Umfang ist mir in unserer Region nicht bekannt."

Anlass für das ehrgeizige Projekt war die sich etwa aller zwei bis drei Jahre wiederholende Beeinträchtigung der Ortslage Podelwitz, insbesondere des Schlossbereiches, durch wild abfließendes Wasser aus dem oberhalb von Podelwitz zwischen Commichau und Skoplau liegenden Ziegengrund. Dessen Einzugsgebiet umfasst circa 137 Hektar. „Dadurch entstanden in teilweise beträchtlichem Umfang Schäden auf Privatgrundstücken sowie an öffentlichen Straßen, Plätzen und Gebäuden", sagte Kappler.

Ziel war deshalb die Schaffung einer Rückhaltung des Wassers bei Starkregen oder so genanntem Kahlfrost direkt im Entstehungsgebiet und eine Drosselung des Ablasses. „Anfangs war hier eine zweite Talsperre Kriebstein geplant", schmunzelte Bürgermeister Matthias Schmiedel. Er ist froh, dass man sich mit der naturnahen Lösung ohne Beton gegenüber den Genehmigungsbehörden habe durchsetzen können. „Auch mit einfachen Lösungen kann man viel bewirken, um die Bürger zu schützen."

Erarbeitet hat sie das Markkleeberger Institut für Ingenieur- und Tiefbau. Es plante den Neubau von drei Erddämmen, 28 bis 84 m lang und 2,15 bis 2,65 m hoch, die Erhöhung und Ertüchtigung des vorhandenen Dammes am Teich und die teilweise Offenlegung des Ziegengrundbaches in mäandrierender Form. Damit wurde ein Stauraum von etwa 15 800 m³ geschaffen. „Das Stausystem funktioniert nach physikalischen Gesetzen, ohne Einsatz mechanisch oder elektrisch betriebener Steuer- und Regeleinrichtungen und bietet Sicherheit für Ereignisse, die aller zehn Jahre eintreten oder überschritten werden", erklärte Planer Jörg Mentzel.

Die Baukosten betragen rund 230 000 Euro, wobei die TG eine 90-prozentige Förderung erhielt, den Eigenanteil übernahm die Gemeinde Zschadraß, jetzt Eigentümerin der Anlage. „Der Kubikmeter Stauraum kostet somit 14,60 Euro. In Betonbauweise würde er 50 Euro kosten", rechnete Mentzel vor. „Aber in unserer technisierten Gesellschaft sind die naturnahen Geschichten leider ein bisschen in Vergessenheit geraten", bedauerte er, ist aber überzeugt, dass sich das ändern wird: „Erstens, weil die Politik gefordert ist, Geld zu sparen, und zweitens, weil solche Anlagen auch die Vorfluter bei Hochwasser entlasten". Dass eine in die Natur integrierte Anlage in Podelwitz funktionieren kann, habe zuvor eine hydrodynamische Abflusssimulation ergeben, so der Planer. Er betonte in diesem Zusammenhang die Vorteile der Flurneuordnung. Denn dadurch, dass das Eigentum an den Flächen neu geregelt wurde, habe man die idealen Standorte für Dämme und Gräben ermitteln können.

Die naturnahe Bauweise verbessere nicht zuletzt die ökologische Situation im Ziegengrund, ist TG-Vorstand Kappler überzeugt. „Insbesondere durch die Grabenoffenlegung wird die Schaffung neuer Biotope gefördert." Vorhandene, z.B. Feuchtwiesen, seien schon vorher als Tabuflächen markiert worden. „Die Nutzung des Ziegengrundes als Wiesen- oder Weidefläche bleibt erhalten", sagte Kappler. „Und der Erholungswert für die Podelwitzer und ihre Gäste wird sich im neu gestalteten Ziegengrund weiter erhöhen. Er lädt dann wieder zum Picknick ein."

Ines Alekowa

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