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Zschadraß organisiert exklusive Schau zu Leiden Luthers und der damaligen Medizin

Dentalhistorisches Museum Zschadraß organisiert exklusive Schau zu Leiden Luthers und der damaligen Medizin

„Luthers Leiden und die Medizin des 16. Jahrhunderts“ – so heißt ab 1. September eine exklusive, mit Spannung erwartete Ausstellung im Dentalhistorischen Museum Zschadraß. Museumsleiter Andreas Haesler (55) fühlt seinem prominenten Patienten dabei weniger auf den Zahn: „Nirgendwo ist ein Hinweis darauf zu finden, dass Luther an Zahnweh litt.“

Probesitzen im Dentalmuseum von Zschadraß: Steffi Gaitzsch auf dem Zwangsstuhl.

Quelle: Frank Schmidt

Colditz/Zschadrass. Martin, der Dauerläufer? Beim flüchtigen Blick auf die allgegenwärtigen Lutherwege könnte der Reformator beinahe als kerngesunder Wandersmann durchgehen. Tatsächlich aber quälten ihn etliche Gebrechen. Ja, zuletzt habe er sich kaum noch auf den Beinen halten können. „Luthers Leiden und die Medizin des 16. Jahrhunderts“ – so heißt ab 1. September die exklusive, mit Spannung erwartete Ausstellung, für die im Dentalhistorischen Museum Zschadraß schon jetzt die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen.

Museumsleiter Andreas Haesler (55) fühlt seinem prominenten Patienten dabei weniger auf den Zahn: „Nirgendwo ist ein Hinweis darauf zu finden, dass Luther an Zahnweh litt“ – anders als viele seiner Zeitgenossen, denen man prompt eine Suppe mit lebend in Essig und Wasser gekochten Fröschen verabreichte. Ansonsten aber liest sich Luthers Krankenakte wie ein Kriminalroman. Da ist von steinhartem Stuhl, Verheerungen am Hinterteil und Schmerzen wie die einer Wöchnerin die Rede. Aber auch von Kopfweh, Brustenge, Gicht, Rheuma, offenem Bein, akuten Angstgefühlen sowie furchterregenden Schwindelattacken mit Donnern und Brausen im Ohr. „Luthers Blasen- und Nierensteine verursachten immer wieder schwere Koliken“, weiß Museumsleiter Haesler: „Seine Käthe setzte ihm daraufhin einen Brei aus Pferdedung und Knoblauch vor.“ Angeheuert wurde auch ein Steinschneider, der mit abenteuerlichem Instrumentarium bis in die Blase vorstieß. Geholfen, so die Überlieferung, hatten einzig die Stöße des Pferdefuhrwerks auf der Tour nach Wittenberg. Sie lockerten die Steine und ermöglichten nach acht Tagen „Harnverhaltung“ wieder ein Wasserlassen: Elf Kannen voll, berichtete der erleichterte Reformator, seien genauso abgegangen wie „fast bohnengroße“ Steine.

Über 2000 Besucher zählt das Zschadraßer Museum pro Jahr. Ob Experten aus Übersee oder Kindergartengruppen aus der Region – sie alle geben sich dort die Klinke in die Hand. Das Klubhaus und drei weitere Gebäude auf dem ehemaligen Klinikgelände vermitteln eine ungeahnte, einmalige 360-Grad-Perspektive rund um den Zahn. Anlässlich der Sonderschau zu 500 Jahren Reformation können die Gäste ab 1. September drei Monate lang zudem noch im Dachboden stöbern. Museumsgründer Haesler und der Förderverein versprechen zahlreiche „Funde“ zur Medizin jener Zeit: Originale Buchseiten und Abbildungen, Extraktionszangen, Starstecher, Skalpelle, sogar ein zwölfteiliges silbernes Instrumentenbesteck. „Ein erschütterndes Bild der damaligen Medizin wird deutlich. Mitunter wurden Mäusekot und Abfälle verabreicht – erst nach und nach verbesserten sich die Behandlungsmethoden“, sagt Haesler.

Kalte, feuchte Räume, dazu exzessives Fasten und später Völlerei – Luthers Gesundheit war arg angegriffen. Für den privaten Museumsgründer auch kein Wunder: „Luther hatte die Welt verändert, dazu gab es Pest, Kriege und viele Tote. Der Reformator muss unter enormem nervlichem Druck gestanden haben“, so Haesler, der die angeblich psychischen Erkrankungen Luthers in seiner Ausstellung bewusst ausblendet: „Darüber wurde so viel spekuliert, ich will mich daran einfach nicht beteiligen.“

Der Kösserner hat eine in seinem Heimatort umgestürzte tote Eiche zu neuem Leben erweckt. Extra für die Sonderschau wird sie zur begehbaren „Luthereiche“ umfunktioniert. Sie bildet den Eingangsbereich der neuen Schau. Die Leiden Luthers sind dort angeschlagen – fast so wie einst die Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg.

Von Haig Latchinian

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