Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 1 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Zschadraßer Dentalmuseum: Kuhknochen-Gebiss und Zahnbürsten aus dem Königshaus

500.000 Objekte Zschadraßer Dentalmuseum: Kuhknochen-Gebiss und Zahnbürsten aus dem Königshaus

Die wohl älteste Zahnarztpraxis der Welt gehört zu den neuesten Exponaten des Dentalhistorischen Museums in Zschadraß (Stadt Colditz) bei Leipzig. Mehr als 500.000 Ausstellungsobjekte hat der leidenschaftliche Sammler Andreas Haesler bislang zusammengetragen.

Museumschef Andreas Haesler steht in einem Behandlungszimmer für reiche Herrschaften aus der Zeit der „Buddenbrocks“ um 1880.

Quelle: dpa-Zentralbild

Colditz/Zschadraß. Für schwache Nerven sind die Exponate nichts. Furchteinflößend ist zum Beispiel ein sogenannter Pelikan. Ab dem Jahr 1320 diente er zum Herausbrechen der Backenzähne. Das eiserne Werkzeug mit Abstützplatte und einem langen Haken ist eines von etwa 500.000 Stücken im Dentalhistorischen Museum in Colditz bei Leipzig. Auch martialisch anmutende Handbohrer, Zahnhebel und Goldplombierhämmer zeigt die wohl größte derartige Schau in Deutschland.

f80cb5ba-41e3-11e6-b782-18ef6526c3ca

In dem Museum werden Exponate aus 2500 Jahren Zahnheilkunde gezeigt. Dazu gehören Werkzeuge wie Pinzetten und Spatel aus der römischen Zeit, aber auch komplette Behandlungszimmer aus der Zeit von Friedrich dem Großen oder den „Buddenbrooks“.

Zur Bildergalerie

Zusammengetragen hat sie Andreas Haesler, der selbst Zahntechniker ist. Werke aus 170 Bibliotheken aus dem In- und Ausland gehören ebenfalls dazu. „Erst jüngst habe ich die Bestände des Dentalhistorischen Institutes in Wien nach Colditz holen können“, sagt Haesler.

Die nach Angaben des Sammlers älteste Zahnarztpraxis der Welt aus dem Jahre 1750 gehört zu den neuesten Exponaten, sie ist erst seit kurzem zu sehen. Es ist das Behandlungszimmer des Hofzahnarztes von Friedrich II., Philipp Pfaff. Zum Teil sind es Original-Gegenstände, zum Teil bauten Haesler und seine drei Mitstreiter die Einrichtung nach. „Viele Stunden Recherche und drei Jahre Arbeit hat es gedauert, um jedes Detail originalgetreu aussehen zu lassen“, berichtet der Endfünfziger, der ein Dentallabor im benachbarten Altenhain führt.

Wissenschaftliche Bibliothek ergänzt die Schau

Zahnmedizinische Sammlungen gibt es in der Regel in Deutschland an den Universitäten. Nach Angaben der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Berlin existieren acht rein zahnmedizinische Kollektionen, keine davon hat eine Ausstellungsfläche von mehr als 250 Quadratmetern. In Colditz präsentiert Haesler Exponate auf 300 Quadratmetern. Hinzu kommen 3000 Quadratmeter der wissenschaftlichen Bibliothek mit zum Teil Jahrhunderte alten Schriften zur Zahnheilkunde.

Die Anfänge der Sammlung gehen auf das Jahr 1990 zurück. Damals kaufte Haesler eine Praxis eines Kollegen auf. Es sprach sich schnell herum, dass der Zahntechniker ein Faible für historische Gerätschaften hat. „Die Leute kamen auf mich zu und boten mir die Sachen an“, berichtet er. Um alle Schätze unterzubringen, mietete er vier Häuser des Diakonischen Werkes an.

Zahn- und Zungenreiniger von vor 2000 Jahren

Mehr als 2500 Jahre sind manche Exponate alt: Dazu zählen Zahn- und Zungenreiniger aus dem Orient sowie Pinzetten und Spatel aus der römischen Zeit. Zu der Sammlung gehören zudem Zahnbürsten aus dem spanischen Königshaus und eine Dokumentation über Zahnanomalien. Auch einige Merkwürdigkeiten sind dabei: etwa eine „Kaumaschine“ - eine Art Gebiss aus Kuhknochen.

Der Schatz von Haesler hat sich mittlerweile auch in der Filmbranche herumgesprochen. Für 46 Film- und Fernsehbeiträge hat das Museum schon Sprechzimmer eingerichtet. Darunter waren die Neuverfilmung der „Buddenbrooks“, der Streifen „Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki“ und die Helge-Schneider-Filme „00 Schneider“. „Zum Teil war ich sogar bei den Dreharbeiten dabei“, berichtet Haesler.

Mir den Einnahmen finanziere er das Museum zum Teil, dennoch müsse er auch privat zuschießen, denn Fördermittel erhalte er keine. Etwa 2000 Besucher, auch aus dem Ausland, kämen jährlich – sein Ziel seien 20.000 Gäste.

Von LVZ

Im Pk., 04680 Colditz 51.1380981 12.8197703
Im Pk., 04680 Colditz
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grimma

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

  • Sportlerwahl
    Aktionslogo Sportlerwahl Landkreis Leipzig 2016

    Kreissportbund Landkreis Leipzig, Sparkasse und Leipziger Volkszeitung suchten die besten Sportler 2016. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. Hier das Ergebnis! mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lädt am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos in unserem Special. mehr

26.04.2017 - 07:10 Uhr

Die Pleißestadt ist am Samstag (ab 10 Uhr) Ausrichter eines Sichtungsturniers des Sächsischen Fußballverbandes.

mehr
  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Titanic-Panorama im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr