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Züge nach Grimma wegen Nässeschäden aus dem Verkehr gezogen

Bahnstrecke Züge nach Grimma wegen Nässeschäden aus dem Verkehr gezogen

Derzeit wird am Termin gefeilt, wann sich die Spitzen von Bahnbetreiber Transdev, dem Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig sowie dem Landkreis Leipzig und der Stadt Grimma zum Krisengespräch treffen. Auslöser dafür ist der technische Ausfall von Zügen auf der Strecke von Leipzig über Grimma nach Döbeln, der mehrere Tage lang zum Chaos für Reisende führte.

Transdev musste fünf seiner zehn Züge kurzfristig überprüfen – die Ausfälle wurden nur schwer kompensiert.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Spitzentreffen oder Krisengespräch? Egal, wie die Bezeichnung lautet: Derzeit wird am Termin gefeilt, wann sich in Grimma die Chefs von Zugbetreiber Transdev Regio Ost, dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) sowie dem Landkreis und der Stadt Grimma zusammenfinden. Auslöser für das Treffen sind die Zugausfälle im Oktober und Anfang November, die zu massiven Beschwerden führten und Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) zu einem etwas drastischen Vergleich verleiten ließen: Auf der Strecke von Leipzig über Grimma nach Döbeln herrschten beinahe Zustände wie in Indien, kolportierte er – und erntete weitere Mails und Anrufe zu Mängeln auf der Bahnlinie.

Die Transdev Regio Ost GmbH, die nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten und die Strecke Mitte Juni von der DB Regio übernommen hatte, zog im Oktober wegen technischer Probleme ohne Vorwarnung ihre fünf Diesel-Talent-Triebfahrzeuge und damit die Hälfte der auf der Linie eingesetzten Züge aus dem Verkehr. Das war der Auslöser für die zugespitzte Situation. Zumindest bei einem der Talent-Fahrzeuge war laut ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch Wasser im Dachbereich eingedrungen und wurde offenbar zur Gefahr für die Bordelektronik unterm Dach. Deshalb habe der Transdev-Eisenbahnbetriebsleiter entschieden, die Flotte still zu legen und kurzfristig überprüfen zu lassen. Über die Pressestelle der Mitteldeutschen Regiobahn, unter deren Marke Transdev agiert, folgte später für die „entstandenen Unannehmlichkeiten durch die außerplanmäßige Überprüfung der Talente“ eine Entschuldigung. Die Sicherheit der Fahrgäste habe jedoch oberste Priorität, hieß es.

Laut Mietzsch war das Vorgehen aber alles andere als professionell. Das Management habe die Folgen für die Reisenden nicht bedacht. So wurden die fünf noch verkehrenden Regio-Shuttle-Fahrzeuge auseinander genommen, um die Strecke – neben Bussen – entsprechend bedienen zu können, wodurch sich zum Teil in den Zügen aber auch die Kapazität von 140 auf 70 Plätze halbierte, verdeutlicht Mietzsch. „Vor allem bis Grimma kulminierte es.“ Über die Ersatzverkehre seien die Reisenden nicht ordentlich informiert worden, bringt der ZVNL-Chef einen weiteren wunden Punkt ins Spiel. Im Ergebnis kamen viele Leute nicht von A nach B und standen sprichwörtlich im Regen. Für Transdev blieb das nicht ohne Folgen. Der ZVNL als Auftraggeber habe „mit dem Verkehrsunternehmen sehr intensive Gespräche gehabt, weil wir das nicht hinnehmen können“, gibt Mietzsch zu verstehen. Wenn der Verkehrsvertrag nicht eingehalten werde, gebe es auch Sanktionen in Form sogenannter Pönalen. Das bedeutet, dass der ZVNL für nicht erbrachte Leistung die Entgeltzahlung vermindert.

Inzwischen sind die Fahrzeuge wieder in geplanter Traktion unterwegs. Klagen gebe es derzeit keine, bestätigen Mietzsch und Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) unisono. An der schlechten Qualität habe sich aber nichts geändert, klagt der Rathauschef. Durch das unattraktive Angebot würden immer weniger Leute einsteigen. Beim Spitzentreffen an der Mulde soll Transdev laut Mietzsch denn auch Klartext reden, „welche Maßnahmen das Unternehmen ergreift, damit es nicht wieder zu so einem Versagen kommt“ und wie auf der Strecke RB 110 von Leipzig über Grimma nach Döbeln nachhaltig Stabilität gesichert werden soll. Denn Beschwerden, etwa über überfüllte Züge, hatte es auch schon zuvor gegeben.

Der Vertrag mit der Transdev Ost, die zum französischen Privatunternehmen Veolia gehört, läuft bis zum Jahr 2025. OBM Berger wertet den jetzigen Bahnbetrieb als „neue Sonderregelung“ für die Region Grimma, die wenig bringe. Erst die Teilhabe am S-Bahn-Netz würde einen einheitlichen Standard schaffen, will er weiter um den Anschluss kämpfen. Wenn auf der Strecke schon keine S-Bahn verkehre, müsse wenigstens die derzeitige Situation funktionieren.

Von Frank Prenzel

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