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Zugemauert, freigelegt, versteckt: Die lange Odyssee eines Podelwitzer Schlossfensters

Denkmal Zugemauert, freigelegt, versteckt: Die lange Odyssee eines Podelwitzer Schlossfensters

Viele zum Teil selbst gehobene Schätze zeigt der preisgekrönte ehrenamtliche Leiter der Podelwitzer Heimatstube schon jetzt. Am Sonntag allerdings lüftet Manfred Knochenmuß ein besonderes Geheimnis: Erstmals präsentiert er ein uraltes vierflügeliges Fenster des Wasserschlosses, das er nach der Wende selbst rettete und zunächst versteckte.

Manfred Knochenmuß und das gerettete Fenster von Schloss Podelwitz.

Quelle: Haig Latchinian

Colditz/Podelwitz. Eigentlich würde es reichen, wenn sich Manfred Knochenmuß am Tag des offenen Denkmals ins Wasserschloss setzt und sagt: Hier bin ich, was kostet die Welt?! Der 79-jährige ehrenamtliche Macher der Podelwitzer Heimatstube ist längst selber ein Denkmal. Dabei wäre es eine faustdicke Überraschung, wenn er am Sonntag nicht doch noch einen Joker in der Hinterhand hätte. Und tatsächlich, er zaubert ihn hervor. Zwar nicht aus dem Hut, dafür ist sein Schatz zu groß, aber die Podelwitzer werden dennoch Augen machen. Erstmals zeigt Knochenmuß das fast zwei Meter große, vierflügelige Fenster aus der Zeit um 1840, von dessen Existenz bislang noch niemand etwas weiß und das er damals im Podelwitzer Schloss gerettet hatte.

Von Anfang an war er als ABM-er dabei, als das Wasserschloss seit 1990 auf Vordermann gebracht wurde. Dach, Turm, Fenster – Fachfirmen erledigten die Feinarbeit, Knochenmuß und seine Mannen waren fürs Grobe zuständig. „Einige wenige Fensternischen waren von innen und außen zugemauert, lediglich die Porphyrgewände an der Fassade deuteten darauf hin, dass da mal was gewesen sein musste.“ Man habe beschlossen, die blinden Fenster wieder zu öffnen. Per Hand und im Schweiße ihres Angesichts stemmten Knochenmuß und Co. das Mauerwerk heraus. Der langjährige Hausmeister staunte nicht schlecht, als zumindest ein einziges, noch vorhandenes originales Fenster zum Vorschein kam. Knochenmuß reagierte sofort, ließ es verschwinden – entweder aus Angst, es könne auf dem Müllhaufen oder aber – womöglich genauso schlimm – im Museum landen.

Am Sonntag, über 20 Jahre später, lüftet er sein Geheimnis und präsentiert das gute Stück. Er ist verliebt in das historische Fenster, dessen Glas noch ohne Kitt eingesetzt und statt dessen mit Schilf abgedichtet ist. „Die handgemachten Beschläge, die verzinnten Winkelbänder, das matte Glas – herrlich!“ Sämtliche Fenster, die das Schloss heute aufweist, sind neu. Und wahrscheinlich wäre auch dieses eine einzige Fenster längst verfault, wenn man es nicht vor weit über 100 Jahren zugemauert hätte.

Einer, der bei dem Anblick dieser Handwerkskunst mit der Zunge geschnalzt hätte, wäre sein verstorbener Vater Hermann gewesen, davon ist Manfred Knochenmuß überzeugt: „Er war Glaser und lebte für seinen Beruf. Damals kam das Fensterglas ja noch nicht vom Fließband.“ In Erinnerung an seinen Altvorderen stellt sich Knochenmuß zum Größenvergleich neben das fast gleich hohe Fenster: „Ich bin 1,72 Meter.“ Warst du mal, verbessert ihn seine Frau Irmgard. Auch sie könne nur rätseln, wieso die Herrschaften anno dazumal ein intaktes Fenster zugemauert hatten, ohne es vorher herauszunehmen: „Wahrscheinlich dachten sie sich, es fresse kein Brot.“

Manfred Knochenmuß hat den unbeschadet gebliebenen Schatz gereinigt, alle Haken und Ösen sind noch dran. Und funktionstüchtig! Davon können sich die Besucher am Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr selber überzeugen.

Von Haig Latchinian

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