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Grimma Zukunftsweisendes Experiment in Naunhof
Region Grimma Zukunftsweisendes Experiment in Naunhof
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13:50 19.05.2015
Näherkommen beim gemeinsamen Kochen: Naunhofer und ausländische Kinder bereiteten ein internationales Buffet zu. Quelle: Privat

Monika Müller, Lehrerin an der Oberschule, wollte ihre Klasse auf dieses Novum vorbereiten und wagte ein Experiment - mit Erfolg, wie sich zeigte.

Eine Freundin von Müller ist Lehrerin an der 16. Oberschule Leipzig in der Eisenbahnstraße. Dort gibt es eine sogenannte DAZ-Stufe, das Kürzel steht für "Deutsch als Zweitsprache". Mit den zwölf Kindern aus elf Nationen, die in dem Haus unterrichtet werden, so vereinbarten es beide Pädagoginnen, sollten die Naunhofer einen Tag verbringen und gemeinsam kochen.

Sie gingen zum Teil mit Vorurteilen hin. "Ich dachte, die Ausländer klauen", gibt Nico Heinrich aus der 7b preis. Und seine Klassenkameradin Anne Weidling glaubte, wenn die Kinder aus anderen Ländern kommen, müssten sie auch anders aussehen. Das Aufeinandertreffen mit den Mädchen und Jungen aus Litauen, Moldavien, Bulgarien, Spanien, Portugal, der Türkei, Afghanistan, China, Indien, Brasilien und Peru verschob zumindest teilweise ihre Sichtweisen.

Zunächst fanden sich die Kinder in gemischten Gruppen zusammen, um herauszufinden, was sie gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Schnell war klar, dass die meisten nicht gerne Hausaufgaben erledigen, Fußball und Computerspiele lieben und mit Freude chillen. Unterschiede fanden sie beispielsweise in den Religionen. Das Mädchen aus der Türkei trug ein Kopftuch. Manche der zugewanderten Kinder beherrschen bis zu sieben Sprachen, was die Naunhofer stark beeindruckte.

Auf einen Punkt aber sollte näher eingegangen werden: das Essen. Die Aufgabe im Kinderrestaurant in der Eisenbahnstraße bestand darin, Gerichte der verschiedenen Länder zu kochen und daraus ein internationales Buffet zuzubereiten. Afghanischer Reis, Blaubeer-Maultaschen, Rote-Linsen-Suppe und Auberginen-Curry trafen auf Bratwurst und Bratkartoffeln. Fertigprodukte waren tabu. Es musste alles eigenhändig und aus Originalzutaten zubereitet werden. Nicht nur dabei, sondern auch beim gemeinsamen Essen und anschließenden Herumtoben und Quatschen konnten sich die Kinder näherkommen.

"Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten", beschreibt Anne Weidling. Die 13-Jährige, der klarwurde, dass die Anderen gar nicht so anders aussehen, sagt jetzt: "Es sind genauso normale Menschen wie wir. Sie haben die selben Wünsche, möchten zum Beispiel schöne Klamotten und Handys."

Nils Lauer (12) beschreibt die Leipziger Kinder als offen und lustig. "Ich finde es okay, wenn Ausländer hier sind. Wenn wir in die Türkei fahren, wirft uns auch niemand vor, wir würden kein Türkisch sprechen. Es ist gemein, wenn manche sagen, Ausländer sollen raus", meint er.

Im konkreten Fall korrigierte Nils Heinrich seine Meinung. "Ein paar Vorurteile sind bei mir weg. Die Kinder waren friedlich und haben normal mitgearbeitet", so der 13-Jährige. Aber es gebe auch Ausländer, die klauen. Er kenne zwar keinen, aber das wisse er aus dem Fernsehen. Auf Nachfrage räumte er dann jedoch ein: "Nun gut, auch manche Deutsche klauen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.06.2014
Pfeifer, Frank

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