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Grimma Zum Lädchen: Paar aus Grimma erfülltsich seinen Traum vom eigenen Herrn
Region Grimma Zum Lädchen: Paar aus Grimma erfülltsich seinen Traum vom eigenen Herrn
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00:21 12.10.2017
Henrik Thiemer hat jetzt mit seiner Lebensgefährtin Susann Wenzel in Grimma-West einen Tante-Emma-Laden eröffnet. Quelle: Foto:
Grimma

Grimma ist mit Supermärkten reich gesegnet. Schon jetzt wird der Stadt statistisch gesehen mehr Verkaufsfläche als nötig bescheinigt. Und mit dem Rewe-Vollsortimenter und der dm-Drogerie, die auf dem Gelände des Jahnstadions entstehen, kommen noch einmal stattliche 2550 Quadratmeter hinzu. Auch das Kaufland im Pep möchte sich erweitern. Henrik Thiemer und Susann Wenzel, beide 39 Jahre alt, ficht das alles nicht. Das Paar hat vor wenigen Wochen sein Glück in die eigenen Hände genommen und in der Vorwerkstraße zwischen Sparkasse und Getränkehändler einen kleinen Lebensmittelladen eröffnet. Auf 60 Quadratmeter bietet es von A wie Apfel bis Z wie Zucker alles, was als täglicher Bedarf im Haushalt gebraucht wird.

Thiemer und Wenzel sind von ihrem Konzept überzeugt und wissen, dass sie damit nur hier im Westen der Stadt erfolgreich sein können. „In der Innenstadt bräuchten wir damit nicht anfangen. Die Ecke hier oben wurde aber vergessen, hier gibt es sonst keine Möglichkeit zum Einkaufen“, verdeutlicht der 39-Jährige. Rund 1700 Wohnungen mit potenziellen Kunden hat das Paar im Viertel gezählt, darunter viele ältere Menschen, denen schon der Weg zum etwa ein Kilometer entfernten Norma zu weit ist.

Gerade mal drei Monate hat es von der Entscheidung bis zur Eröffnung gedauert. „Wir standen im Sommer vor dem leeren Laden und sagten uns: Das machen wir“, verrät Thiemer. Er wollte neben seinem 2013 gegründeten Taxiunternehmen TMS ein zweites Standbein, sie wollte nicht mehr täglich zur Arbeit nach Leipzig pendeln, wo sie zuletzt im Call Center von Avedo tätig war. Also legten die zwei Grimmaer mutig und konsequent los, meldeten unter seinem Namen das Gewerbe an, holten sich von der Hygiene im Landratsamt grünes Licht. Und schon im Namen grenzen sich die Jungunternehmer vom hektischen Supermarktgeschäft ab: „Zum Lädchen“ haben sie ihren beschaulichen Mini-Markt genannt.

Zum Start nahm das Paar 10 000 Euro in die Hand, um Inneneinrichtung, Kasse und erste Ware zu kaufen. Demnächst kommen zwei Regale und ein weiterer Kühlschrank hinzu. In ihrem Tante-Emma-Laden decken Thiemer und Wenzel das Grundsortiment ab. Mehr als ein bis zwei Sorten pro Artikel können sie in dem kleinen Geschäft aber nicht vorrätig halten. Um den Kunden dennoch (fast) alle Wünsche zu erfüllen, bieten sie einen Bestellservice an – und liefern sogar bis zur Haustür. Zudem reagieren sie und nehmen gefragte Produkte ins Sortiment – etwa Spinat im Glas oder Gulasch aus der Dose. Und wer im Lädchen verweilen möchte, kann sich in der stilvoll eingerichteten Kaffeeecke niederlassen.

Bis jetzt geht der Plan auf. Täglich 60 bis 70 Leute stecken ihre Nase in den Laden, „manche erledigen sogar ihren Wocheneinkauf bei uns“, freut sich Susann Wenzel. Ein Zuckerschlecken freilich ist der Job nicht. Früh öffnet sich schon um sieben die Tür, die Ware muss dann nach Ladenschließung geordert werden. Dazu werden in Leipzig die Großhändler Metro und Selgros angesteuert, Obst und Gemüse bezieht das Paar vom Kartoffelmeister in Köhra. Allerdings „sind die Großhändler nicht wesentlich günstiger als die Supermärkte“, erklärt Henrik Thiemer. „Wir erhalten auch kaum Rabatt“ – dafür nehmen sie zu wenig Ware ab. Deshalb liegen im Lädchen die Preise etwas über denen der Discounter, „es muss sich ja für uns rechnen“, betont Thiemer. Die Kunden hätten dafür aber viel Verständnis, ergänzt Wenzel, die übrigens wie ihr Partner Koch gelernt hat.

Die Rewe-Ansiedlung verfolgen beide mit wachem Auge. Thiemer glaubt aber nicht, dass der citynahe Vollsortimenter – wie von den Stadtvätern erhofft – auch den Innenstadt-Händlern Vorteile bringt. „Die Leute werden mit dem Auto kommen, parken, einkaufen und wieder wegfahren“, prophezeit der 39-Jährige. Auch den Discountern ringsum sei geschuldet, dass die Altstadt immer mehr verwaist. Das junge Paar hofft, das sein Lädchen hingegen immer gut frequentiert wird. „Wir wollen es bis zur Rente halten“, lacht Thiemer, und seine Frau betont: „Wir sind hier unsere eigener Herr, das ist uns wichtig.“

Von Frank Prenzel

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