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Grimma Zurück zu den Wurzeln: Großfamilie Commichau besucht Commichau
Region Grimma Zurück zu den Wurzeln: Großfamilie Commichau besucht Commichau
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00:21 11.06.2018
Die historische Postkarte von Commichau zeigt Ansichten von Gasthof, Schule, Rittergut und Braunkohlenwerk.  Repro: Haig Latchinian
Colditz/Commichau

Sie kommen aus ganz Deutschland, Großbritannien, Schweden, der Schweiz und den USA: die Teilnehmer des am Freitag im Kloster Nimbschen beginnenden dreitägigen Treffens der weit verzweigten Familie Commichau besinnen sich seit eh und je auf ihre Wurzeln. An diesem Wochenende nehmen sie es wörtlich und besuchen das 250-Seelendorf Commichau (die LVZ berichtete).

Ausstellung in der Alten Schule

Dort laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Die Spannung steigt: Und so führt Andreas Müller in der Alten Schule durch die Ausstellung, die Fotos aller Häuser des Ortes zeigt. „Die zu erwartenden 100 Gäste haben die Wahl: Entweder sie schauen sich die Bilder unter Dach und Fach an oder sie unternehmen draußen eine Dorfbesichtigung“, ist der 55-jährige Vorsitzende des Heimatvereins Commichau schon in Vorfreude. Sein Vater Rolf wird einer der Freiluft-Gästeführer sein. Er war es auch, dessen Fotos und Forschungen in den 2012 als Broschüre erschienenen „Rundgang durch Commichau“ einflossen. Das Heft, gestaltet von Harald Behne, ist längst vergriffen.

Bekannte Vorfahren bis 1470

Die Menschen in grauer Vorzeit hatten meist nur Vornamen. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde oft der Wohnort ergänzt. So kamen die Commichaus zu ihrem Nachnamen. Der traditionsbewussten Großfamilie, die sich bereits in Köln, Worms, Hamburg und Hannover traf, ist es gelungen, sämtliche Vorfahren bis 1470 zurückzuverfolgen und alle Nachkommen aufzulisten. So galten die Commichaus in und um Commichau als angesehene Bauern und Handwerker. 1776 heiratete Michael Commichau die Tochter des Schönbacher Pfarrers Vollhardt. „Aus dieser Verbindung gingen Fabrikanten und Kaufleute hervor, die ihren Geschäften bereits außerhalb Sachsens nachgingen“, verweisen Annette Krüger und Brigitte Söhngen auf die Auswanderung der Familie bis 1800.

Förderer der Bergkirche Schönbach

Beide organisierten das Familientreffen im Muldental gemeinsam mit Initiator Michael Commichau. Der Notar aus Hamburg ist der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Bergkirche Schönbach. Er trat die Nachfolge des inzwischen verstorbenen Axel Commichau an. Dessen Ur-Ur-Ur-Großvater Carl Gottlob Commichau wurde einst in der Schönbacher Kirche getauft.

Gerhard Commichau hob den Förderverein unmittelbar nach der Wiedervereinigung aus der Taufe. Ein westdeutscher Verein, der sich ausschließlich für eine ostdeutsche Kirche engagiert – das ist bemerkenswert. Seit der Gründung investierte der Freundeskreis eine sechsstellige Summe in das Gotteshaus, das der Familie so viel bedeutet. Kein Wunder, dass die Commichaus am Wochenende auch der Bergkirche Schönbach einen Besuch abstatten.

Kirchenvorstand Wolfgang Naumann wird vor Ort sachkundige Erläuterungen zum fast 500 Personen fassenden Gemäuer geben. Pfarrerin Dorothea Schanz lädt die Gäste und alle interessierten Bürger am Sonnabend, 16 Uhr, zu Andacht und Konzert ein: „Das Besondere: Die Musik, die erklingt, singen beziehungsweise spielen ausschließlich Gemeindeglieder. Zu hören ist unter anderem ein Stück für Orgel und Dudelsack“, sagt die Pfarrerin, die dem Verein unendlich dankbar ist.

Drahtseilbahn fuhr vor über 100 Jahren

In Commichau, das 2015 seine 750-Jahrfeier beging, lässt’s sich leben: 45 Mitglieder umfasst der Heimatverein. Halloween, Ostern und natürlich die Teichdammfeste immer am letzten Wochenende im August – die Dorfgemeinschaft, die übrigens immer kinderreicher wird, ist hier noch intakt. Genau das will René Brunnlieb den Commichaus aus nah und fern mit seiner Diaschau beweisen. Überhaupt sorgt Commichau, wo es inzwischen keinen einzigen Zeitgenossen namens Commichau mehr gibt, für so manche Überraschung: In der Alten Schule erblickte am 9. Juni 1852 der international geschätzte Ornithologe Professor Wilhelm Eduard Alwin Voigt das Licht der Welt. Damit nicht genug: Zur Beförderung der damals abgebauten Kohle errichtete man vor über 100 Jahren sogar eine Drahtseilbahn von Commichau über Zschadraß bis zum Colditzer Bahnhof. Und: Schon zu DDR-Zeiten erholten sich hier französische Kinder. Was es jedoch mit Neu-Mexico auf sich hat, muss die Großfamilie Commichau noch erfragen. So viel Zeit muss bleiben beim gegenseitigen Beschnuppern mit den Dorfbewohnern.

Von Haig Latchinian

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