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Zwei hohe Stufen am Eingang der Frauenkirche Grimma - der Weg zum Gebet wird zur Tortur

Zwei hohe Stufen am Eingang der Frauenkirche Grimma - der Weg zum Gebet wird zur Tortur

Mit einem Aufsteller wirbt die Frauenkirche in Grimma, offen für alle zu sein. Doch für Kirchgänger im Rollstuhl oder Besucher, die auf einen Rollator angewiesen sind, wird der Weg zum Gebet zur Tortur.

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Bis hierher und nicht weiter: Für Besucher der Frauenkirche Grimma werden die zwei Stufen zum Hindernis. Der Zugang soll barrierefrei gemacht werden.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Zwei Stufen mit einem Höhenunterschied von etwa 35 Zentimetern müssen erst überwunden werden. Und zwei ursprünglich für diesen Zweck angeschaffte anlegbare Auf- und Abfahrrampen, so gesteht Pfarrer Torsten Merkel ein, "sind nur Alibi".

Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Noch in diesem Jahr - bis Ende Oktober - wird das Pflaster vor dem Westgiebel des Gebäudes abgesenkt, um die Frauenkirche uneingeschränkt barrierefrei und damit offen für alle zu machen", formuliert der Kirchenvorstand das Ziel.

Das Vorhaben ist nicht unumstritten. Für einige Gemeindemitglieder habe sich die Frage nach dem Warum gestellt, geht Pfarrer Merkel offen mit deren Bedenken um, da dieses Bauvorhaben viel Geld kostet. "Für uns sehr viel Geld", weiß Pfarrer Merkel und beziffert die Kosten auf etwa 56 000 Euro. "Deshalb haben viele Gemeindemitglieder gesagt, wir helfen doch. Das ist doch selbstverständlich und ging bisher immer so. Das wird auch nicht in Abrede gestellt und funktioniert auch weiterhin", ist sich der Pfarrer sicher. "Aber nicht immer ist jemand da, um zu helfen. Und es geht darum, dass Menschen mit Behinderungen selbstständig sein wollen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Für sie ist das eine Verbesserung der Lebensqualität, die natürlich Geld kostet."

Das sei eine Erkenntnis, so gesteht Pfarrer Merkel ein, "die ich auch erst lernen musste".

Ungeachtet der Tatsache, dass laut UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2009 öffentliche Gebäude barrierefrei sein müssen, worauf Peter Schäfer vom Kirchenvorstand hinweist und damit auf weitere Defizite in Grimma aufmerksam macht, habe für ihn ein ganz persönliches Schlüsselerlebnis dazu geführt, für das Vorhaben den Stein ins Rollen zu bringen. "Ich selbst habe Probleme gehabt, meiner Schwiegermutter im Rollstuhl über das Hindernis der zwei Stufen zu helfen. Viele andere scheuen sich davor, weshalb wir ganz selten erleben, dass jemand im Rollstuhl in die Frauenkirche kommt."

Superintendent Matthias Weismann ermutigt die Kirchgemeinde, mit diesem Vorhaben "offensiv umzugehen und so in der Öffentlichkeit für ein Umdenken zu werben - auch in den eigenen Reihen." Und dafür ist die Landeskirche bereit, so lässt Pfarrer Merkel wissen, das Vorhaben mit 50 Prozent der Kosten zu fördern. "Den Eigenanteil kriegen wir hin. Aber wir würden uns über weitere Spenden dafür freuen", wirbt der Geistliche.

Für das Projekt wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Wer helfen kann und möchte, kann für finanzielle Zuwendungen folgende Bankverbindung nutzen: IBAN: DE 17 350 60190 1670 409054 / BIC: GENODED1DKD / Stichwort: Barrierefreie Kirchgemeinde Grimma

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.08.2015
Frank Schmidt

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