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Grimma Zwischen Himmel und Erde
Region Grimma Zwischen Himmel und Erde
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05:00 18.08.2010
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. Denn von der Empore prangt die Muschel in unterschiedlichsten Variationen. Doch von wegen „Tanke schön". Die Frauen vom Künstlergut Prösitz tragen das Projekt ganz allein auf ihren schmalen Schultern. Und die Muschel hat weniger etwas mit Autos, als vielmehr mit Laufen zu tun.

Im Gebälk der Empore entdeckte Ute Hartwig-Schulz über der Jahreszahl 1683 doch tatsächlich eine Jakobsmuschel. Für sie der Beweis dafür, dass hier früher Pilger immer wieder Station machten. „Schließlich liegt Mutzschen nachweislich an der über 2000 Jahre alten Via Regia von Kiew nach Santiago de Compostela." Ob zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, 16 Uhr, nochmals ein wahrer Pilgerstrom auf das Gotteshaus einsetzt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls bittet Pfarrer Henning Olschowsky schon jetzt alle Neugierigen, der Einladung zwischen Himmel und Erde zu folgen. „Die vierwöchige Ausstellung ist etwas ganz besonderes", schwärmt der Pfarrer, der zur feierlichen Eröffnung gemeinsam mit Jonas Nicolaus und Nico Klisch musizieren wird.

Statt Shell-Treibstoff erwartet den Besucher jede Menge Stoff aus der Seidenfabrik Oschatz. Bereits vor dem Altar ist ein großer Früchteteppich ausgebreitet – mit Pflaumen, Birnen, Äpfeln. Sehr farbig. Wie zum Reinbeißen! Dazu gesellen sich zahlreiche Mosaiken, auf denen etwa ein Schwan, eine Eidechse und eine Eule abgebildet sind. „Drei Monate Arbeit stecken in nur einem Motiv", sagt Ute Hartwig-Schulz, die sich mit ihren Kolleginnen erstmals in dieser Technik versuchte: „Wir gingen dabei fast wie der Fliesenleger vor, nur eben viel kleinteiliger." Sie bedankt sich ausdrücklich bei der Ofenfabrik Mügeln, die Kacheln in allen möglichen Farbtönen beisteuerte – von beige bis zum Pariser Blau. Wie manches Tier auf den Mosaiken ähnelt auch das über zehn Kirchenbänke ausgelegte Pflanzenornament einem Puzzle. Die Malerei erschließt sich besonders bei einem Blick von der Empore aus.

Christiana Heidemann, Ursula Nollau, Gisela Mühlsteff, Helgard Flügge, Brigitte Friedrich, Ilona Hübner, Rosi Rochner, Felicarda Kammlott und Leiterin Ute Hartwig-Schulz bewiesen bei der Vorbereitung des Experiments mindestens so viel Ausdauer wie sie ein Pilger an den Tag legt. Ein ganzes Jahr traf sich der Arbeitskreis einmal die Woche in Prösitz, um die Ausstellungsidee zu realisieren: Im unteren Bereich der Kirche: Pflanzen, Tiere und Früchte. Und oben, unterhalb der Decke, riesige Engel. Doch es handelt sich dabei nicht etwa um pummelige Kinderchen mit Flügeln. So ähnelt der Engel von Künstlerin Rosi Rochner vielmehr einer Dame, deren Flügel wie zugenäht, wie zu einem Korsett geschnürt scheinen. Und doch steht sie schief, was den Drang, endlich losfliegen zu dürfen, verkörpern könnte. Einzig Ute Hartwig-Schulz stellte ein Kind mit Flügeln dar, das auf einem Einrad sitzt. „Es gibt also durchaus einen Berührungspunkt mit der Erde, trotzdem wirkt der Engel frei schwebend."

Zwischen Himmel (Decke) und Erde (Fußboden) platzierten die Künstlerinnen an der Empore das Herzstück der Installation: Auf Seidenstoff gemalte Muscheln, immer wieder Jakobsmuscheln. Sie sollen die Menschen in ihrer Sehnsucht nach Aufbruch, aber auch innerer Einkehr symbolisieren. Die Ausstellung beweise, so Ute-Hartwig-Schulz, dass Kunst und Kirche durchaus miteinander können. „Dass es Parallelen gibt, aber auch Welten, die dazwischen liegen."

Haig Latchinian

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