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Zwischen Losbude und Spiegelkabinett: Kind des Jahrmarkts feiert 50. Geburtstag

Zwischen Losbude und Spiegelkabinett: Kind des Jahrmarkts feiert 50. Geburtstag

Andere feiern den 50. Geburtstag in noblen Gaststätten, im schicken Bowlingtreff oder gar auf Kurzurlaub. Peter Bohms hält nicht viel von dem ganzen Rummel, seinen 50. feierte er dieser Tage eher unspektakulär - in Wurzen, nach Feierabend, unter freiem Himmel, seinem eigentlichen Zuhause.

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Hier fühlt er sich wohl, hier ist er zu Hause: Peter Bohms braucht den Jahrmarkt wie andere die Luft zum Atmen.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Zwischen Losbude, Spiegelkabinett und Karussell nahm er die Glückwünsche seiner Kollegen entgegen und lud sie zum gemeinschaftlichen Grillen ein.

Der Naunhofer Schausteller ist ein Kind des Jahrmarkts. In vierter Generation reist er von Budenzauber zu Budenzauber. Von klein auf begleitete er die Eltern, Brigitte und Paul, durch Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt: "Wo auch immer wir Station machten, hieß es für mich neue Schule, neue Lehrer, neue Freunde. Einzige Ausnahme: die zehnte Klasse. Die machte ich komplett an der Hans-Beimler-Schule in Naunhof."

Dass er auf seinen Ehrentag ausgerechnet beim Frühlingsfest auf dem Wurzener Bürgermeister-Schmidt-Platz anstoßen konnte, ist für ihn kein Zufall. Er mag Wurzen und die Wurzener sehr, ja, er bezeichnet die Stadt sogar als seine zweite Heimat: "Als Junge war ich oft auf dem wunderschönen Festplatz, ging am Wasserturm zur Schule. Im ,Alten Club' nahe der Milchbar wurde getanzt. Und vor allem: Meine liebe Oma Lisbeth wohnte hier, Schillerstraße 16. Ihr Essen war legendär, entweder wir löffelten bei ihr, oder sie brachte uns den Gulasch mit Kartoffeln und Rotkraut auf den Platz."

Bohms, seit sieben Jahren Mitglied im Vorstand des Leipziger Schaustellervereins, ist bekannt in Wurzen. Einen Namen machte er sich spätestens, als er vor Jahren den Festplatz regelrecht verteidigte: "Zwischenzeitlich wurde der Rummel an die Peripherie verlegt. Doch am Kaufland fand man uns nicht, also kämpften wir darum, wieder auf den Bürgermeister-Schmidt-Platz zurückkehren zu dürfen. Wir schalteten den Stadtrat ein und hatten Erfolg." Fortan treffen sich die Schausteller zweimal im Jahr wieder am angestammten Ort. Das neuntägige Frühlingsfest, das bis gestern Abend dauerte, stimmte die Händler zufrieden. "Die Wurzener nehmen besonders den Familientag gut an", sagt Bohms, der das bunte Treiben veranstaltet. "Natürlich sind die Ansprüche der Besucher gestiegen. Früher freuten sie sich über ein Glas Letscho als Preis - heutzutage muss es schon Zubehör für den Computer sein." Tagsüber findet man Bohms vor seiner Losbude mit Greifer, geschlafen wird im Campingwagen: "Hier habe ich alles, was ich brauche - Kühlschrank, Fernseher, Bett."

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Vom 4. bis 6. September, zum Tag der Sachsen, organisiert Bohms den Rummel direkt vorm Stadthaus, verspricht schon jetzt das in der Szene mit Spannung erwartete, über 20 Meter lange Fahrgeschäft "Crazy Outback", eine Reise durch Australien. Im Herbst komme er dann wieder auf den Bürgermeister-Schmidt-Platz.

Übrigens, in Wurzen fand Bohms zwischenzeitlich auch sein ganz privates Glück: "Sie war Krankenschwester, kam aus der Magdeburger Ecke, ihre Oma wohnte ebenfalls in Wurzen. Auf dem hiesigen Rummel hatte ich sie kennen gelernt. Wir gingen zusammen nach Burg, waren sieben Jahre verheiratet. Als Caterer hatte ich auf dem Nürnberger Flughafen gearbeitet, pendelte jedes zweite Wochenende nach Burg." Doch irgendwann war Schluss. Irgendwas muss gefehlt haben: Der Rummel? Die Kollegen? Wurzen?

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.03.2015
Haig Latchinian

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