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Markkleeberg Vom Langlauf in der Schule bis zum Biathlon-Talentstützpunkt
Region Markkleeberg Vom Langlauf in der Schule bis zum Biathlon-Talentstützpunkt
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00:18 01.02.2016
Bei den Langlauf-Kreismeisterschaften 1974 in Schkeuditz kämpfte der zehnjährige Holger Schulz, hier mit Startnummer 3, um einen Podestplatz. Quelle: Privat
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Zwenkau

Dass Zwenkau seit 50 Jahren eine Hochburg des Wintersports, seit drei Jahren sogar Biathlon-Talentstützpunkt des sächsischen Skiverbandes ist, dürfte manchen überraschen. Dabei sitzt mit Bürgermeister Holger Schulz ein Mann im Rathaus, der von sich selbst sagt, er sei mit Skiern geboren.

Kein Wunder, Vater Harry Schulz begründete die Leidenschaft zum Langlauf. Mitte der Fünfziger brachte er die nach Zwenkau. Bei Chemie Böhlen hatte er Patrouillenlauf, eine Frühform des Biathlon, betrieben. „Auf der Suche nach einer neuen sportlichen Heimat fand er in Rudi Kröber einen Partner. Und ein Sportlehrer, der für eine Sportart brennt, ist Gold wert“, sagt Holger Schulz. Die Männer gründeten die Schulsportgemeinschaft 2. Talentierter Nachwuchs wurde im Unterricht, beim Training und in den Skilagern in Altenberg gesichtet.

1965 wurden die Langläufer in die BSG Chemie Zwenkau aufgenommen. „Für uns Kinder eine herrliche Zeit: Der Zusammenhalt war riesig und die Trainingslager immer ein Erlebnis“, erinnert sich Gunter Züfle. Auch Holger Schulz schwärmt. Beide kennen viele Geschichten: vom Brötchen holen auf Skiern, vom ungeliebten Bussard- und dem für Wettkämpfe aufgesparten West-Wachs und vom abendlichen Schneetreten und der warmen Dusche danach zur Abhärtung. 70 Mitglieder hatte die Sektion und war trotz starker Flachlandkonkurrenz aus Böhlen, Liebertwolkwitz und Eilenburg erfolgreich. Holger Schulz wurde mehrfacher Kreis- und Bezirksmeister, Gabriele Kupferthaler schaffte es sogar zum Vorentscheid für Olympia.

Nach der Wende wurde es stiller. „Viele mussten sich beruflich neu orientieren“, erklärt Holger Schulz. Dafür machte eine neue Gruppe von sich reden – die Skihasen. Entstanden aus Langläufern, die im Sommer die Bretter mit dem Volleyball tauschten. Gerade als die Wintersportler, nun in der SG Blau-Weiß, wieder Fahrt aufnehmen wollten, verstarb 1994 Harry Schulz. Kurzerhand übernahm der damals 30-jährige Sohn, kurbelte Training und Wettkampfbetrieb wieder an. „Bei uns ging es nicht um Leistungssport, sondern um Fitness und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die Kinder“, betont er.

Seither hat sich vieles geändert: Holger Schulz sitzt im Rathau, Dirk Martins ist jetzt Abteilungsleiter Ski. Der 46-Jährige ist Sportlehrer am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium in Markkleeberg und hat mit Uwe Findeisen Biathlon in Zwenkau etabliert. „Ein Studienfreund von mir, der Biathlontrainer beim PSV Schwarzenberg im Erzgebirge ist, hatte uns 2009 zum Sommerlager nach Geyer eingeladen“, erzählt Martins vom Neustart. Die Zwenkauer leckten Blut und schnell stellten sich Erfolge ein. Sohn Lukas Martins lernt am Sportgymnasium in Oberwiesenthal, Hermine Kirmse, Tochter von Trainer Thomas Kirmse, holte erst vergangenes Wochenende einen 1. und 3. Platz in der AK 10 bei den Landesjugendspielen in Altenberg.

Trainiert wird drei Mal pro Woche, nicht mehr wie einst auf alten Kokosmatten sondern auf Kunstrasen oder mit Roll-Ski, gern am Zwenkauer oder Markkleeberger See. Sollte doch mal Schnee liegen, spurt Lothar Rabisch die Loipe für die 28 Aktiven, darunter sieben Kinder, im Eichholz-Stadion. Dort gibt es auch einen Schießstand. Sammelten die Kinder früher mit Schrott Geld fürs Winterlager, geht heute ohne Sponsoren nichts mehr. „Biathlon ist nicht billig“, sagt Dirk Martins. Ein Luftgewehr koste 2000 Euro, fünf hat die Abteilung inzwischen. Hinzu komme Kleidung, Schuhe und Ski – rund 1000 Euro pro Biathlet. Als Talentstützpunkt arbeiten die Zwenkauer mit dem SC DHfK und Lok Eilenburg zusammen und natürlich mit dem Sportgymnasium Oberwiesenthal. Geblieben sind die Trainingslager im Erzgebirge. Da ist auch Holger Schulz gern dabei, zuletzt ging es im Advent nach Johanngeorgenstadt.

Von Ulrike Witt

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