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70 Jahre Befreiung: Zwenkau gedenkt zweier Männer, die Courage bewiesen

70 Jahre Befreiung: Zwenkau gedenkt zweier Männer, die Courage bewiesen

Bürgermeister Holger Schulz (CDU), Vertreter der Stadtverwaltung, des Stadtrates, Reservisten der Bundeswehr, Mitglieder des Heimatvereins, der evangelischen und katholischen Kirchgemeinde haben am Freitagabend des 70. Jahrestages der Befreiung Zwenkaus vom Naziregime gedacht.

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Gedenken der Stunde Null: 70 Jahre nach der Befreiung vom Nazi-Regime werden am Denkmal in der Pestalozzistraße in Zwenkau Kränze niedergelegt.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Am Ehrenmal in der Pestalozzistraße legten sie einen Kranz nieder und erinnerten an zwei Männer, die in der Stunde Null Courage bewiesen. Die Stadt, die durch die Nähe zum kriegswichtigen Böhlener Werk im Februar und März 1945 bombardiert worden war und fast 100 Todesopfer zu beklagen hatte, retteten Pfarrer Ernst Wilhelm Knorr und Obermedizinalrat Wilhelm Wortmann vor der völligen Zerstörung.

"Am 17. April standen amerikanische Truppen südlich vor Zwenkau. Sie wollten die Stadt sturmreif schießen, rückten über die Pleiße- und Göselaue, die Fernstraße 2 und die Esteraue vor. Schon am Morgen hatte Artillerie- und Panzerbeschuss eingesetzt", heißt es in Aufzeichnungen von Zeitzeugen. Obwohl sich die Wehrmacht in aussichtsloser Lage befand, wurde unter Leitung des eilig eingesetzten kommissarischen Bürgermeisters und Kommandeur des Volkssturms Bruno Knoth - Stabschef Reiß hatte früh das Weite gesucht - noch erbitterter Widerstand geleistet.

Über den Tag versuchten wohl vereinzelt Bürger, weiße Fahnen zu hissen, auch auf dem Turm der Friedhofskirche St. Johannis. Die meisten wurden wieder heruntergerissen. Ab 18 Uhr saßen die Zwenkauer, vor allem Frauen und Kinder, verängstigt in ihren Kellern, suchten Schutz vor dem erneut einsetzenden Artilleriebeschuss. Nach Einbruch der Dunkelheit überrannten die von Pulgar kommenden Amerikaner die Flakstellung im Bereich des heutigen Hotel Seehof. Gegen 20 Uhr erreichte die GIs dann eine Nachricht.

"In einem persönlichen Gespräch bestätigte Ruth Knorr im Frühjahr 2005, dass ihr Mann, Pfarrer Knorr, seinen Freund, Krankenhausleiter Dr. Wortmann, dafür gewonnen hatte, ungeachtet größter Lebensgefahr den amerikanischen Truppen entgegenzugehen und ihnen glaubhaft zu machen, dass sie keinen militärischen Widerstand mehr zu erwarten haben", las Bürgermeister Schulz aus der von Dietrich Wünsch-mann zusammengetragenen Chronik jenes Schicksalstages vor. Das Unternehmen gelang, gegen 20.15 Uhr schwiegen die Waffen. Die Amerikaner rollten ungehindert auf den Pegauer Platz - das Ende des Zweiten Weltkrieges in Zwenkau.

"Ich bin 19 Jahre später geboren, kenne die Ereignisse nur aus Erzählungen älterer Zwenkauer", erklärte Schulz sichtlich bewegt. Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges sei erschütternd: Über 60 Millionen Tote, sinnlose Zerstörung, Flucht und Vertreibung. "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in einer stabilen Demokratie in einem vereinten Europa leben. Und wir müssen alles dafür tun, dass sich so etwas nicht wiederholt, wir dauerhaft in Frieden leben können", mahnte der 50-Jährige.

Kurz vor 18 Uhr läuteten am Freitag die Glocken von St. Laurentius und St. Johannis über Zwenkau, baten Pfarrerin Barbara Hüneburg und Pfarrer Thomas Schorcht die kleine Gruppe zu einer ökumenischen Andacht in die Friedhofskirche.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.04.2015
Ulrike Witt

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