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„A und O ist funktionierende Infrastruktur“

„A und O ist funktionierende Infrastruktur“

Großpösna. Tourismus heißt das Zauberwort im Leipziger Südraum. Millionen werden seit Mitte der 90er Jahre in die Entwicklung der Seen gesteckt. Umfangreiche Investitionen sind aber auch in den Gemeinden notwendig.

Zum Beispiel im Großpösnaer Ortsteil Störmthal: Verkehrsprobleme gehören dort schon heute zum Alltag.

„Diskutiert so viel Ihr wollt und so sachlich Ihr könnt“, forderte Ortsvorsteherin Doris Parentin ihre Störmthaler im Gasthof auf. Fast 50 waren gekommen, um Neues zu erfahren, über das Ortsentwicklungskonzept, vor allem aber über die Umgehungsstraße. Seit 2004 laufen die Planungen für die 3300 Meter lange Trasse zwischen Gewerbegebiet und Abzweig Oelzschau. Sie soll den Fernverkehr vom Dorf und seinen 513 Bewohnern fernhalten. Artenschutzauflagen hatten das Vorhaben lange verzögert, inzwischen läuft das Planfeststellungsverfahren. Und die Umsetzung drängt, ist die neue S 242 doch eine Voraussetzung, dass das Ende 2008 als Vision vorgestellte Ortsentwicklungskonzept umgesetzt werden kann.

„Störmthal hat unwahrscheinliches Potenzial, insbesondere der Ortskern zwischen Kirche, Rödgener Straße und Schloss“, betonte Großpösnas Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch. Das wissen auch die Störmthaler. Sie schätzen ihr schmuckes Straßendorf mit den typischen Dreiseithöfen – und ihre Ruhe. Dass schon jetzt – lange bevor der Störmthaler Strand mit Pier und Liegeplätzen fertig und das Schloss saniert ist – Wochenende für Wochenende Touristenbusse im Ort Station machen, gefällt ihnen nicht. „Ich wohne an der geplanten Erlebnisachse“, sagte Mike Müller aus der Rödgener Straße. Der Aussichtspunkt am Störmthaler See ist von seinem Grundstück keine 200 Meter entfernt. „Die Busfahrer lassen die Motoren wegen der Klimaanlage laufen und zur Krönung werden wir noch beim Kaffeetrinken fotografiert“, schilderte er einen typischen Sonntag. Wie viele seiner Nachbarn sprach er sich für große Parkplätze am Ortseingang aus. Andere wie Manfred Scheibe fragten grundsätzlich: „Was für und wie viel Tourismus wollen und verkraften wir eigentlich?“

Jeffrey Seeck, Planer und Geschäftsführer der Seecon Ingenieure – er hat das Ortsentwicklungskonzept maßgeblich vorangetrieben – weiß wie Lantzsch um den Spagat zwischen Tourismus und Lebensqualität. „Der Störmthaler See wird zurückhaltend entwickelt. Er ist der Grüne unter den Seen, nicht zu vergleichen mit dem Cospudener oder Markkleeberger. Hier sollen Leute angezogen werden, die die Natur lieben“, erläuterte er. Daher sei es wichtig ein ausgeklügeltes, mitwachsendes Verkehrs- und Parkkonzept aufzustellen, das (fast) allen Ansprüchen gerecht werde. „Eines wissen wir aber aus Erfahrung, weite Wege funktionieren nicht. Der beste Beweis sind die leeren Stellflächen für den Nordstrand am Cospudener See“, so Seeck. Er bat die Störmthaler, Vorschläge zu unterbreiten. „Jetzt besteht Handlungsbedarf. Nicht zuletzt weil die Fördermittel in den nächsten Jahren mit Sicherheit zurückgehen“, fügte er hinzu.

Erste Ideen für einen wesentlichen Bestandteil des Ortskernes, die Flächen der Landwirtschafts-AG Wachau-Störmthal hinterm Schloss präsentierte Geschäftsführerin Birgit Kreutzmann. So seien eine Erlebnislandwirtschaft, ein Streichel-Zoo, ein Hofladen, Ferienwohnungen und ein Mehrzweckgebäude mit Kita, Arztpraxis sowie ein Areal für Wohnen am See angedacht. „Das A und O für alles ist eine funktionierende Infrastruktur. Nur wenn wir es schaffen, geschickt Akzente zu setzen und das so frühzeitig wie möglich, haben wir eine Chance“, sagte Kreutzmann.

Auf die Frage, wann eine Parkplatzkonzeption vorgelegt werde, meinte Lantzsch: „Wir wollen im Oktober eine Entscheidung treffen. Wer sich an deren Erarbeitung beteiligen möchte, sollte sich im Rathaus melden.“

Ulrike Witt

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