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Markkleeberg Abgesoffen: Über 33 Hektar Wald in Neuer Harth sind schon tot
Region Markkleeberg Abgesoffen: Über 33 Hektar Wald in Neuer Harth sind schon tot
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22:00 08.06.2016
Andreas Padberg (links) und Revierförster Carsten Pitsch schauen sich die Schäden in der Neuen Harth an. Mehr als 40 Hektar sind von der Nässe betroffen. Quelle: Fotos: Jörg ter Vehn
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Markkleeberg

In der Neuen Harth sind schon mehr als 33 Hektar Wald auf vernässten Kippenflächen abgestorben, weitere elf Hektar sind nur noch eingeschränkt nutzbar, auf jeden Fall nicht wirtschaftlich. Der Forstbezirk Leipzig und die Stadt Markkleeberg als Besitzer der Flächen wollen das nicht hinnehmen, haben die zuständigen Tagebausanierern der LMBV aufgefordert, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Der Bundesbetrieb reagiert zurückhaltend.

Auf dem Papier ist alles klar: Der Abschlussbetriebsplan des früheren Tagebaus Zwenkau sieht auf den Flächen der Neuen Harth wieder Wald vor. Schließlich war die frühere, wegen der Kohle abgebaggerte Harth ein spektakulär schöner und vor allem großer Forst, von dem viele alte Markkleeberger noch heute schwärmen.

Rohrkolben mitten im Wald: Nässeschäden in der Neuen Harth, Markkleeberg Quelle: Jörg ter Vehn

In manchen Ecken der Neuen Harth reiben sie sich nun die Augen. Rohrkolben mitten im Wald? Röhricht? Schwarze, tote Holzstängel zu Hunderten nebeneinander? In ganzen Schneisen in dem Waldgebiet sind die Bäume abgestorben. Schuld daran, da sind sich die Experten einig, ist die Wiederaufforstung nach dem Tagebaubetrieb, bei der größtenteils auf den nur glattgezogenen lehmhaltigen Schüttrippen die Bäume gesetzt wurden. In den ersten Jahren, als überall auch das Grundwasser noch sehr niedrig stand, wuchs alles halbwegs normal an. Seit 2006 verzeichnen die Förster jedoch eine steigende Vernässung der Neuen Harth durch stehendes Oberflächenwasser. Und ein Absterben von immer mehr Bäumen. Denn in stehendem Wasser hält es hierzulande kein Baum lange aus.

„Von unseren 15 Hektar Wald dort ist rund die Hälfte schon tot, die andere abgängig", erzählt Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD). Das sei nicht nur für die Natur schlecht, der Stadt sei auch ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, der beglichen werden müsste. Denn schließlich habe die Stadt die Flächen als Wald erworben.

Ärgerlich findet Schütze auch den Zustand der Wege, für die die LMBV zuständig ist. „Mit der Eröffnung der Pylonbrücke im nächsten Frühjahr wird es noch mehr Erholungssuchende in den Wald ziehen. Da brauchen wir dann intakte Hauptwirtschaftswege“, sagt er. Aktuell glichen diese einer Schlaglochpiste. Die Wege von Nord nach Süd sowie von Ost nach West durch die Neue Harth herzustellen, gehöre zu den Pflichtaufgaben der LMBV, sagt Schütze.

Andreas Padberg vom Forstbezirk Leipzig kämpft in der walddarmen Region rund um Leipzig um jeden Hektar Forstfläche. Und wenn Flächen, wie jetzt wohl in der Neuen Harth, kaum mehr zu retten sind, müsse standortnah Ersatz geschaffen werden, fordert er.

Die LMBV beteuert, mit allen Stellen im Gespräch zu sein. Erst müsse genau geschaut werden, wie groß der vernässte Bereich genau ist, so Sprecherin Claudia Gründig. Dann werde bewertet, inwieweit ein Verlust von Wald sowie ein Verlust der Nutzfunktion vorliegt. Die LMBV werde dann ein Konzept erstellen, wie mit „verhältnismäßigen Maßnahmen“ die Bestimmungen des Abschlussbetriebsplans erfüllt werden können. Das Sächsische Oberbergamt werde nach Prüfung des Konzeptes weitere Schritte festlegen, erklärte sie das Prozedere.

Durchgesickert ist bereits, dass diese Maßnahmen wohl auch eine Drainage des betreffendes nassen Gebietes umfassen werden. Für OBM Schütze nur eine weitere Verlagerung des Problems. Dann würden Kanäle geschaffen, um das Wasser abzuleiten. Üblicherweise käme dafür dann die Stadt in die Unterhaltspflicht, sorgt er sich um neue Kosten.

Dabei ist laut Papier alles klar: Die LMBV muss die Neue Harth aufforsten.

Von Jörg ter Vehn

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