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Abschied von der "alten Dame"

Abschied von der "alten Dame"

Nichts hält bekanntlich länger als ein Provisorium. 34 Jahre immerhin währte die Zeit der aus drei Alt-Instrumenten zusammengesetzten "Patchworkorgel" in der Martin-Luther-Kirche.

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Eifriger Spendensammler für den Neubau: Kantor Frank Zimpel spielt am Montag letztmalig die zusammengesetzte Orgel der MartinLuther-Kirche, leitet anschließend die Versteigerung der Pfeifen.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Mit einem großen Konzert samt Pfeifenversteigerung nimmt die Gemeinde am Montagabend Abschied, feiert den Neubeginn im nächsten Jahr.

Das Konzert für "die alte Dame" am Montag ab 18 Uhr stehe unter der Überschrift "Halleluja", teilte Renate Strohmann von der Kirchgemeinde mit. Das Ensemble "Top Leipzig" - die Buchstaben stehen für Trompeten, Orgel und Pauken - musiziert Werke von Bach und Widor. Erwachsene zahlen sieben Euro Eintritt, Kinder bis 14 Jahre dürfen umsonst rein. Das Konzert vereine die Freude über den Jahreswechsel mit dem Beginn des Orgelneubaus, so Strohmann.

Tatsächlich sei das Altinstrument immer nur für den Übergang gedacht gewesen. Es war 1979 aus den Teilen dreier alter, weniger wertvoller Orgeln zusammengesetzt worden. Strohmann: "Einzig erhaltenswert nach Aussage des Amtes für Denkmalschutz ist der alte Prospekt (die Schauseite), der ehemals in der Kirche zu Magdeborn stand." Dieser sowie vier erhaltenswerte Register würden in den Neubau integriert. Ergebnis: "Von außen bleibt fast alles beim Alten", verspricht sie.

Nach dem Konzert mit Bachpreisträger und Kantor Frank Zimpel an der Orgel gibt es Glühwein, geht es dem Instrument aber auch schon an den Kragen. Auf der Empore werden Pfeifen der Altorgel versteigert, um die noch immer fehlenden 74000 Euro für das neue Instrument zusammen zu bekommen. Zimpel hilft bei der Suche nach dem Meistbietenden, ihm zur Seite steht Altkantor Helmut Packmohr. Er hatte 1979 die Umsetzung der Magdeborner Orgel nach Markkleeberg mit durchgeführt, war beim Umbau dabei und kann viel erzählen. Packmohr war bis 2002 Kantor in Markkleeberg.

Die Versteigerung sei wahrscheinlich eine der letzten Möglichkeiten, noch ein weiteres Andenken an Magdeborn zu erwerben, so Strohmann. Der Ort war der größte und bedeutendste im Leipziger Südraum, der dem Braunkohletagebau weichen musste. So stammte die Orgel aus dem Jahr 1912, enthielt damals schon den Orgelprospekt aus dem Spätbarock von 1800.

Mit der alten "Patchworkorgel" sei keine anspruchsvolle Kirchenmusik mehr möglich gewesen, begründet die Gemeinde den jetzigen Neubau, der Bewährtes erhält und trotzdem völlig neue Wege ermöglicht (siehe Kasten).Die Martin-Luther-Kirche nahe dem Cospudener See hatte in den vergangenen Jahren einen guten Ruf für ihre Kulturveranstaltungen erworben, führt unter anderem die kostenfreien "SonnAbendMusiken" durch.

 

 

 

 

Bewährtes und neue Midi-Technik

Markkleeberg. Die Gemeinde hat sich die Entscheidung, welche Orgel eingebaut werden soll, nicht leicht gemacht. Nach zehn Jahren und vielen Diskussionen im eigens gebildetene Orgelausschuss sei die Entscheidung gefallen, heißt es. Die Firma Fischer und Krämer aus Endingen darf die neue Orgel bauen. Bei der Entscheidung zwischen den drei Angeboten sei auch der Orgelsachverständige der Sächsischen Landeskirche einbezogen worden, so die Gemeinde.

"Das Werk ist als Neubau im Orgelinneren geplant", heißt es in der Beschreibung. Auf zwei Manualen und einem Pedal verteile sich folgende Disposition: Das Hauptwerk mit elf Registern, das Schwellwerk mit zwölf Registern, das Pedal mit sechs Registern sowie Spielhilfen wie Tremulant, Koppel und Cympelstern. Übergabe ist am 2. November 2014 geplant. Einzigartig weit und breit ist die neue Midi-Anlage, die über eine Schnittstelle den Kontakt zum Computerzeitalter und seinen Möglichkeiten herstellt.

Die neue Orgel könne auch als Experimentierplattform und Konzertpodium für Studenten der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" dienen. Der dortige Prorektor Professor Martin Kürschner sei Mitglied des Kirchenvorstandes, suche eine solche Möglichkeit für seine Studenten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.12.2013
Jörg ter Vehn

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