Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg Allein mit Kind – ein gesellschaftliches Tabu
Region Markkleeberg Allein mit Kind – ein gesellschaftliches Tabu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:08 29.09.2010
Anzeige
Markkleeberg

Ein Jahr ist das jetzt her. „Und die Nerven lagen oft blank, weil ich auch auf viel Unverständnis gestoßen bin“, sagt Aust. Vor allem von Seiten des bisherigen Arbeitgebers.

Noch immer sind alleinerziehende Väter ein recht seltenes Bild. Doch auch sie haben mit den gleichen Schwierigkeiten und Vorurteilen zu kämpfen wie Mütter, die ihre Kinder ohne oder mit wenig Unterstützung des Vaters großziehen. Hilfe für Elternteile, die auf sich alleine gestellt sind, gibt es seit einem Jahr im Familienzentrum Lichtblick in Markkleeberg. Mit wachsender Teilnehmerzahl. „Alleinerziehende sind einer besonderen Belastung ausgesetzt, sie leisten oft doppelt so viel wie Eltern, die sich die Erziehung und Betreuung der Kinder teilen können“, macht Katrin Trajkovits deutlich. Sie leitet den Treff, bei dem es um Erfahrungsaustausch und um konkrete Hilfestellungen geht, zusammen mit Thomas Brönner von der Selbsthilfe-initiative Alleinerziehender (SHIA).

Unterstützung für Alleinerziehende gibt es unter anderem bei der Vermittlung professioneller Rechtsberatung, bei Fragen rund um Kindergarten und Schule sowie bei besonderen Konfliktsituationen. Tipps zu speziellen Eintrittspreisen für Zoo und Schwimmbäder und zu günstigen Reisen gibt es außerdem. „In den Gesprächen geht es meist um die Bewältigung des Alltags oder um den Aufbau von hilfreichen sozialen Netzen“, sagt Trajkovits. Im Vordergrund stehe bei den meisten jedoch die Frage, wie man den Spagat zwischen Kind und Arbeit schaffen kann. Für Aust war das die entscheidende Frage, nachdem er Hanna zu sich geholt hatte. Sein Arbeitgeber hatte für die neue Situation und die daraus resultierenden veränderten Arbeitszeiten von Aust kein Verständnis: Er verlor seinen Job. „Und Bewerbungen kamen immer mit der Begründung zurück, ich sei wegen meiner Tochter zu unflexibel“, sagt er.

Auch für Janet Kederer ist das ein Teufelskreis. „Einen Job zu finden, der zu den Betreuungszeiten von Schule und Kindergarten passt, ist fast unmöglich“, sagt die Mutter einer neunjährigen Tochter. Wenn dann noch die Familie weit weg wohne, gebe es kaum einen Weg aus dieser Situation. Alleinerziehend zu sein bedeute für viele finanziellen und sozialen Abstieg. „Wegen der Kinder verliert man seinen Job, wenn man sich rund um die Uhr alleine um sie kümmern muss, und mit Kindern findet man auch nur sehr schwer eine neue Stelle“, macht sie deutlich.

Das wiederum bewirkt noch etwas anderes, was viele Elternteile noch mehr schmerzt: „Obwohl in 20 Prozent aller Familien ein Elternteil alleinerziehend ist, fühlen sie sich ausgegrenzt und abgewertet in der Gesellschaft“, erklärt Trajkovits. In immer mehr Familien sei nur Mutter oder Vater für die Kinder verantwortlich, dennoch gehöre das Thema „Alleinerziehend“ zu den Tabus. „Dabei leisten Alleinerziehende oder sich alleinerziehend fühlende Elternteile enorm viel“, sagt sie. Immerhin müssen sie zwei Rollen ausfüllen – und sich die dazugehörigen Kenntnisse aneignen. „Mal müssen wir mütterlich kuscheln, mal väterlich das Fahrrad reparieren.“

Den nächsten Treff für Alleinerziehende gibt es am 3. November ab 16 Uhr im Familienzentrum Lichtblick in Markkleeberg, Hauptstraße 34. Danach finden die Treffen jeden ersten Mittwoch im Monat statt. Die Kinder können während der gemütlichen Stunden spielen, gemeinsame Abendessen beschließen die Treffen.

Julia Tonne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Leipziger Neuseenland: Tourismus, Wirtschaft und Natur im Einklang?“ Um diese Frage drehte sich am Montagabend die Podiumsdiskussion, zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung nach Markkleeberg eingeladen hatte.

28.09.2010

Eine Überraschung gab es gestern Morgen für Anna-Maria, Paul und die anderen Erstklässler der Grundschule Markkleeberg-Mitte. Rechtsanwalt Torsten Brandt vom ADAC-Verkehrssicherheitskreis Sachsen überreichte den Mädchen und Jungen in ihren Klassenzimmern in der Raschwitzer Straße gelb und orange leuchtende Sicherheitswesten.

27.09.2010

„Und jetzt erst mal in die Badewanne“, sagte Edelgard Langer. Mit gutem Grund, schließlich stand sie gemeinsam mit ihrem Mann Martin eine Stunde lang auf der Bühne.

26.09.2010
Anzeige