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Als die Fotos Farbe lernten: Werke von Heinrich Kühn ausgestellt

Werke vom Farbpionier Als die Fotos Farbe lernten: Werke von Heinrich Kühn ausgestellt

Er war ein Großer der Fotografie, der mit der Kamera malte wie die Impressionisten mit dem Pinsel: Das Deutsche Fotomuseum in Markkleeberg widmet dem Farbpionier Heinrich Kühn zu seinem 150. Geburtstag eine große Sonderausstellung.

Andreas J. Mueller und Kerstin Langner zeigen zum 150. Geburtstag von Heinrich Kühn Werke des Kunstfotografen und Farbpioniers im Deutschen Fotomuseum.

Quelle: Kempner

Markkleeberg. Er war ein Großer der Fotografie, der mit der Kamera malte wie die Impressionisten mit dem Pinsel: Das Deutsche Fotomuseum in Markkleeberg widmet dem Farbpionier Heinrich Kühn zu seinem 150. Geburtstag eine große Sonderausstellung.

Im Zeitalter von Handykameras heute kaum vorstellbar: Fotografie ging früher nur schwarz-weiß. Wer mehr wollte, musste bei den Abzügen mit verschiedensten Fotopapieren experimentieren, etwa Ölumdrucke auf Japanpapier versuchen oder Platingummidrucke oder andere komplizierte Techniken anwenden. Kühne, der unter anderem in Leipzig Medizin studiert hatte, wollte mit fotografischen Mitteln malerische Wirkungen erzeugen wie die Impressionisten, dürfte alle Techniken der Fotochemie gekannt haben. Überliefert ist, dass er bis zu hundert verschiedene Versuche zum für ihn perfekten Abzug benötigte. Und dass seine Modelle mitunter stundenlang posieren mussten, bis auch das letzte Detail im komponierten Foto stimmte, „bis die Wolke am richtigen Platz stand“, wie Fotomuseums-Kurator Andreas J. Mueller von einem der Enkel in Innsbruck erfuhr.

Heinrich Kühn, ein Vertreter des Piktorialismus wie seine Freunde Frank Eugene Smith und Alfred Stieglitz, beschäftigte sich ab 1907 intensiv mit dem kurz vorher erfundenen Autochrome-Verfahren. Er gelte als der weltweit beste Fotograf dieser Technik, meint Mueller.

Dem Museum sei es gelungen, von den sehr empfindlichen Originalen, die nicht mehr ausgestellt werden, hochwertige Lambdaprints anfertigen zu lassen, die sonst nirgendwo zu sehen seien, so Muellers Partnerin Kerstin Langner. Für sie zählen die Werke Kühns zum Weltkulturerbe, „die gibt es nicht nochmal“.

So sind denn „Mary Warner, Edeltrude, Lotte und Hans Kühn“ 1908 auf der Wiese im Licht eingefangen, sie strahlen in bester impressionistischer Manier die hellen Farben und das Licht nur so aus. Die Leichtigkeit kommt nicht von ungefähr. Kühn habe seine Bilder mit Kompositionsskizzen vorbereitet, für seine Modelle eigens Kostüme in den entsprechenden Farben anfertigen lassen, hat Mueller erfahren. Und vom Enkel auch, dass seine Familie gar nicht immer so glücklich mit des Vaters Kunst war.

Nach der Ausstellung zum „Paukenschlag der Moderne“ mit Bildern etwa von Man Ray gehen Kühns Bilder mit dem Piktorialismus quasi einen Schritt zurück. Bei ihm hätten die Künstler versucht, eine Stilrichtung zu etablieren, die der Malerei und der Druckgrafik ebenbürtig gegenüberstehen sollte, erläutert Mueller. So wirken Kühns Bilder denn auch wie Gemälde mit den damals typischen Inhalten von Porträts über Landschaften bis zu Stilleben – und sind zugleich ein Aufbruch in die Welt der fotografischen Farben.

Die Schau ist bis zum Jahreswechsel im Deutschen Fotomuseum zu sehen, täglich außer montags von 13 bis 18 Uhr.

Von Jörg ter Vehn

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