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Markkleeberg Anwohner fordern Sonderabschussgenehmigung für Wildschweine
Region Markkleeberg Anwohner fordern Sonderabschussgenehmigung für Wildschweine
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08:59 09.01.2019
Torsten Herrmuth ärgern die Zerstörungen. Yvonne Fraunhof und ihre Kinder machen sich zunehmend Sorgen um ihre Sicherheit. Quelle: Gislinde Redepenning
Zwenkau

Die Bewohner der Westsiedlung in Zwenkau sind stinksauer. Seit Monaten zerstören Wildschweine ihre Gärten. Die Tiere haben am Rande des Eichholzes eine Schneise der Verwüstung geschlagen und dringen immer weiter ins Stadtgebiet ein. Mit der ländlichen Idylle ist es momentan vorbei.

„Die Tiere leben gleich nebenan im Brombeergebüsch, wir hören das Grunzen und Quieken jeden Abend“, erzählt Yvonne Fraunholz aus dem Heinrich-Mann-Weg. Von der Haustür aus blickt sie auf die umgepflügten ehemaligen Rasenflächen rund um die Stadthalle. Der Bauhof kommt mit den Reparaturen längst nicht mehr nach. Die nächtliche Geräuschkulisse sei jedoch nicht das Problem. „So faszinierend es ist, der Natur so nah zu sein, haben wir Sorge, dass die Tiere direkt auf unser Grundstück kommen und möglicherweise unsere Kinder verletzen.“ Die haarigen Kraftprotze sind zwar nicht aggressiv, aber wehrhaft, wenn sie sich einer Fluchtmöglichkeit beraubt sehen. „Durch ihre permanente Nähe sind wir sensibler geworden, wenn wir Meldungen über Wildschweinangriffe sehen oder hören. Wir haben mehr Respekt bekommen“, berichtet Fraunholz.

Der zehnjährige Konstantin hat schon bis zu neun Wildschweine gezählt. „Bei Krach flüchten sie ins Eichholz, aber sie sind bald wieder da“, erzählt er. Dass die Wildschweine schnell lernen und sich inzwischen nicht einmal mehr durch laute Geräusche verjagen lassen, ist auch die Erfahrung von Torsten Herrmuth.„Bei Schreckschüssen haben sie früher wenigstens hochgeschaut. Jetzt bleibt der Rüssel unten, die wühlen einfach weiter“, sagt er. Auch rund um die Abwasser- und Bodenfilteranlage sind Schäden zu sehen, die leichten Zäune wurden hochgedrückt. Hier tummeln sich die Schweine gerne im Schilf. In Eigenregie haben die Anwohner versucht, die Löcher zu flicken, eine Sisyphusarbeit.

Anwohner fordern Sondergenehmigung zum Abschuss

Torsten Herrmuth hatte zeitweise eine Wildkamera installiert und das Treiben beobachtet. „Von einhundert registrierten Bewegungen stammten vier von Katzen, eine von einem Waschbären. Der Rest waren Wildschweine.“ Herrmuth fordert eine Sondergenehmigung zum Abschuss. „Das muss doch heutzutage gefahrlos möglich sein, woanders geht das doch auch“, weist er auf einen Fernsehbeitrag über Jagden zwischen Wohnblöcken in Dessau hin. Schließlich wagten sich die Wildschweine immer weiter vor.

Die zuständige Untere Jagdbehörde des Landkreises Leipzig lehnt das derzeit „wegen des enormen Risikos“ ab. Der Fall in Zwenkau sei recht schwierig, heißt es auf Anfrage. Das Bundesjagdgesetz verbiete die Jagd an Orten, an denen sie die öffentliche Ruhe, Ordnung oder Sicherheit störe oder gar das Leben von Menschen gefährden könne. Die Jagd auf Schwarzwild erscheine in diesem Bereich äußerst bedenklich, da in Panik geratenes Wild unberechenbar sei.

Bei Monika und Stefan Förster stehen die Tiere sogar schon vor dem Fenster. Der Hang am Haus, gegenüber der Gartenanlage Immergrün, gleicht einer Kraterlandschaft. Das Holz, das Förster zum Schutz der Bäume ausgelegt hat, nutzt kaum etwas. „Meine Blumenbeete sind mehrfach umgeackert worden“, erzählt Monika Förster. „Es macht keinen Spaß mehr, die Rabatten zu bepflanzen. Und der einzige Rat, den uns Revierförster Carsten Pitsch gegeben hat, ist einen Zaun aufzustellen“, ärgert sie sich.

Wildschweinplage hinter der Stadthalle in Zwenkau. Stefan Förster zeigt , wie die Wildschweine auf der Wiese am Haus gewütet haben. Quelle: Andre Kempner

Zusätzliche Einzäunungen solle es in der Westsiedlung und um den Handballplatz der Germania in der Pulvermühle geben, hatte Bürgermeister Holger Schulz (CDU) in der letzten Sitzung des Stadtrats versprochen. „Wir gehen von drei Rotten aus, die ihr Unwesen treiben. Doch sind die Sauen schlau und wir können nicht die ganze Stadt einzäunen.“ Die Lösung des Problems könne nur in einer intensiven Bejagung liegen. Er hofft auf die nächste Drückjagd auf Zwenkauer Flur.

Die steht am 25. Januar auf dem Programm. Bei günstiger Witterung, Frost und möglichst etwas Schnee, werde eine zusätzliche Jagd eingeschoben. „Wir haben unsere Jäger, das sind im Eichholz acht oder neun, angewiesen, Schwarzwild zu erlegen und alle legalen Möglichkeiten auszunutzen“, erklärt dazu Forstbezirkschef Andreas Padberg.

Jagd allein ist kein Allheilmittel

Die Jagd allein sei jedoch kein Allheilmittel. Lebensmittelabfälle dürften nicht mehr draußen liegen und Komposte müssten abgedeckt werden. Tatsächlich könne nur ein ordentlicher Zaun helfen, die Schwarzkittel von Grundstücken fernzuhalten. „Kein läppischer Weidenzaun, sondern einer mit Unterwühlschutz, und der ist teuer“, sagt Padberg. Immerhin: „Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Stadt ist vorbildlich, das ist längst nicht überall so. Wir stehen in ständigem Austausch“, so Padberg. „Wir nehmen das Problem in allen Verwaltungsjagdbezirken sehr ernst“, betont er.

Wildschweinplage hinter der Stadthalle in Zwenkau. Quelle: Andre Kempner

Auf 13 500 Hektar werde unter Regie des Sachsenforstes die Jagd ausgeübt. Dabei spielten Schadensaspekte nicht nur im urbanen Raum eine Rolle, auch in der Landwirtschaft seien die Verluste enorm. Die 124 Hektar Wald des Eichholzes nähmen sich dagegen bescheiden aus.

„Wir prüfen vor allem für den Südraum derzeit die Möglichkeiten des Schwarzwildfangs, auch unter Tierschutzaspekten ein sehr sensibles Thema“, erklärt Padberg. „Ich habe Carsten Pitsch zu einem Lehrgang nach Neubrandenburg geschickt, wo man Erfahrungen gesammelt und einen Wissenstransfer angeboten hat.“

Auch wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest wird deutschlandweit mobil gemacht. „Sie steht vor den Toren und wird fatale Folgen haben. Die Frage ist nicht mehr ob sie kommt, sondern wann“, warnt Padberg.

Von Gislinde Redepenning

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