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Archäologen beenden erfolgreiche Spurensuche in Zwenkau

Archäologen beenden erfolgreiche Spurensuche in Zwenkau

Ein Blick in die Siedlungsgeschichte – am Pegauer Platz in Zwenkau ist dieser noch möglich. Dort, wo künftig ein Seniorenheim stehen soll (die LVZ berichtete), wird seit Wochen der Boden durchforstet.

Zwenkau. Grabungsleiterin Yvonne Heine und ihre Helfer arbeiten sich Zentimeter für Zentimeter vor.

„Wir wissen, dass die Gegend durch die Lage an der Weißen Elster schon 5500 vor Christus besiedelt war“, erklärt Harald Stäuble, Referatsleiter beim Landesamt für Archäologie in Dresden. Kennzeichen der frühen Jungsteinzeit ist die Linienbandkeramik, deren „zerscherbte“ Reste neben einigen Funden aus der Bronzezeit und zahlreichen aus der jüngeren Geschichte, der mittel- und spätslawischen Zeit (10. bis 12. Jahrhundert), auf dem Fundtisch liegen.

„Im Grunde sind in und um Zwenkau fast alle Perioden der Vorgeschichte vertreten“, betont der Fachmann für archäologische Denkmalpflege. Deshalb werde fast jede Baumaßnahme intensiv betreut. Selbst private Vorhaben seien bisweilen an Auflagen gebunden, „weil beinah kein Quadratmeter frei von Funden ist“, so Stäuble. In der Regel müsse sich aber nur der Investor größerer Bauvorhaben im Rahmen des Zumutbaren an den Kosten beteiligen.

Voraussetzung für die vorliegenden Funde war das Abtragen der Baufläche. Unter der Regie von Grabungstechniker Sven Kretzschmar wurden insgesamt 348 so genannte Befunde, das heißt Verfärbungen im Boden entdeckt. „Dunkle Flecken sind ein Zeichen für eine Störung im Untergrund, die auf menschlichen Einfluss hinweist“, sagt Stäuble und führt an eine Grube, in der Fachsprache Befund. Jeder einzelne ein potenzielles Eldorado für Archäologen, denn sie wollen das Puzzle vergangener Jahrhunderte zusammenzusetzen. Tausende Funde haben sie schon: winzig kleine, wie eine Augenperle, wenige große wie Scherben und Webgewichte, aber auch fast komplette Gefäße.

„Unser Ziel ist ein Negativ von einem Grubenhaus“, betont Heine. Archäologen verstehen darunter ein vorzeitliches bis mittelalterliches Gebäude, bei dem außer den Pfostenlöchern am Giebel ein Innenraum erkennbar ist. „Bei uns handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein spätslawisches Pfostenhaus“, sagt Heine im schwarzen Maulwurf-Shirt.

Etwa einen Kilometer weiter nordwestlich, im Tagebau Zwenkau, wurde mehr als 15 Jahre nach Artefakten, von Menschenhand gefertigten Geräten und Knochen, gesucht. Im Ergebnis ist sich die Fachwelt sicher: Unter der ehemaligen Ortschaft Eythra lag die größte Siedlung der Linien- und Stichbandkeramik, also der frühen Jungsteinzeit (5500-4500 vor Christus). „Wir haben hier 28 Hektar voller Spuren. Das waren keine Einzelhöfe, sondern eine Siedlung, die sich sowohl nach Süden als auch weiter Richtung Norden erstreckt haben muss“, so Stäuble. Zwei der größeren und besonderen Befunde, seltene bandkeramische Brunnen, waren jüngst Teil einer Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig.

Unterstützt werden die Archäologen von der Stadt Zwenkau. „Die Hälfte unserer Mitarbeiter wird vom Rathaus gestellt“, berichtet Heine. Meist Kommunalkombi-Stellen, Ein-Euro-Jobber oder ehemalige ABMler, die der Archäologie treu geblieben sind. Etliche haben Erfahrung bei anderen Grabungen gesammelt. Zum Beispiel im Ortsteil Zitzschen, wo bis Ende 2009 die Erde durchpflügt wurde. Lob gibt es für alle von Stäuble und Heine. „Ohne ihr Engagement hätten wir das nie in der kurzen Zeit geschafft.“ Und dann plötzlich Applaus. „Ein Läufer oder besser gesagt, ein Mahlstein für Getreide wurde gefunden“, stellt Heine durch. Ein weiterer Mosaikstein der Zwenkauer Geschichte.

Ulrike Witt

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