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Aufbruch in ein neues Leben

Aufbruch in ein neues Leben

Großpösna. Heute fängt für Marcel in gewisser Weise ein neues Leben an. Eines in Freiheit. Denn der 22-Jährige ist nach 15 Monaten aus dem Seehaus Störmthal, dem Strafvollzug in freien Formen, entlassen worden.

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Ab heute muss Marcel (links) sein Leben allein meistern. Michael Richter vom Seehaus Störmthal ist guter Dinge, dass der junge Mann das schafft.

Quelle: André Kempner

Und der junge Mann hat für seine Zukunft viel vor.

Mit Marcel verlässt der erste Jugendliche, der seine gesamte Haftzeit dort verbracht hat, das Haus. Sorgen macht sich Michael Richter, Leiter der Standortentwicklung und zuständig für die Nachsorge beim Träger Prisma-Verein, nicht. "Ich bin erleichtert, dass bei ihm alles so gut gelaufen ist", sagt er. Sicherlich habe der junge Mann in den kommenden Wochen und Monaten immer mit Rückschlägen zu rechnen, "aber das wird er packen", ist sich Richter sicher.

Auch Marcel selbst weiß, dass die nächste Zeit nicht einfach wird. Er kommt aus einem strikt durchstrukturierten Tagesablauf in sein eigenes Leben, das er nun selbst wieder in die Hand nehmen muss. "Doch die Zeit hier hat mich gut vorbereitet für das, was jetzt kommt", erklärt er. Mit Hilfe von Richter hat er bereits in den vergangenen Wochen sein neues Leben organisiert. Marcel zieht mit seiner Freundin in eine neue Wohnung in einer anderen Stadt, wird eine Ausbildung zum Haustechniker beginnen und seinen Alltag so strukturieren, wie er es im Seehaus gelernt hat. "Nur so kann ich Verantwortung für mich übernehmen und nur so kann ich das schaffen, was ich will."

Was der junge Mann in Störmthal auch erfahren hat: Leistung wird honoriert und bringt Anerkennung, "doch dafür muss ich mir etwas abverlangen", so Marcel. Eines wird ihm allerdings nicht fehlen: der Frühsport. Auch andere Regeln, deren Einhaltung im Seehaus strikt überwacht wird, will Marcel nicht unbedingt in sein eigenes Leben mitnehmen. Dazu gehören das Rauchen nur im Stehen und keine Musik während des Essens. "Wir leben zwar hier wie in einer Familie, aber es ist doch sehr anstrengend", gibt er zu. Verstöße gegen die geltenden Regeln werden streng geahndet.

Dass Marcel, der wegen Diebstahls, Fahrens ohne Führerschein und Körperverletzung zunächst in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen einsaß, bevor er im Seehaus aufgenommen wurde, nun an einen anderen Ort zieht, ist durchaus von Richter gewünscht. Es sei sehr wichtig, eine Distanz zu früheren "falschen Freunden" und einem kaputten Umfeld zu wahren.

Richter wird in den nächsten Monaten die Nachsorge für seinen Schützling übernehmen. Dazu gehören regelmäßige Telefonate, Kontakte zum künftigen Arbeitgeber und Ratschläge bei Situationen, die nicht perfekt laufen. In fünf Jahren, dann ist Marcel 27 Jahre alt, sieht sich der junge Mann als Familienvater, der mitten im Leben steht und für sich und seine Familie Verantwortung übernimmt. "Und in 20 Jahren könnte er es sogar zu einer eigenen Handwerksfirma gebracht haben", prophezeit Richter, der in den vergangenen Monaten genug Zeit hatte, Marcel und dessen Stärken kennen zu lernen.

Dass dieser tatsächlich das schaffen kann, was er sich vorgenommen hat, konnte er im Seehaus beweisen. Schritt für Schritt arbeitete er sich so weit im Seehaus hoch, dass er letztlich die Einrichtung nach außen repräsentieren, heimfahren und neue Bewohner anleiten durfte. Das alles verdankt er aber nicht nur dem Verein Prisma, sondern auch den Störmthalern. "Das Vertrauen uns gegenüber ist da, und unsere Nachbarn unterstützen uns, wo sie können", betont Marcel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.02.2013

Julia Tonne

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