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Aufwändige Suche nach Kampfmitteln verzögert Tieferlegung der Pleiße

Taucher im Einsatz Aufwändige Suche nach Kampfmitteln verzögert Tieferlegung der Pleiße

Eigentlich soll seit Anfang August die Pleiße zwischen Leipzig und Markkleeberg vertieft werden, um sie schiffbar zu machen. Die geplante „Störstellenbeseitigung“ findet vorerst auf eine ganz andere Art statt: Taucher ziehen haufenweise Schrott aus dem Fluss.

Von einem Arbeitsfloß aus läuft die GPS-gesteuerte Suche nach verdächtigen Stücken.

Quelle: Jörg ter Vehn

Markkleeberg/Leipzig. Eigentlich soll seit Anfang August die Pleiße zwischen Leipzig und Markkleeberg vertieft werden, um sie schiffbar zu machen. Die geplante „Störstellenbeseitigung“ findet vorerst auf eine ganz andere Art statt: Taucher ziehen haufenweise Schrott aus dem Fluss. Das bringt den ohnehin engen Zeitplan durcheinander.

Denn vorgesehen war der Einsatz der Kampfmittelbeseitiger nicht. Die Baustelle habe die entsprechende Freigabe dafür gehabt, so Steffi Raatzsch vom Bauherren, dem Zweckverband Kommunales Forum. Für das Baufeld seien im Vorfeld der Arbeiten Informationen beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Freistaates Sachsen (KMBD) eingeholt worden, inwieweit mit einer Gefahr durch Kampfmittel zu rechnen sei, bestätigt auch Jenny Findeisen von den Tagebausanierern der LMBV. „Die Aussagen ließen keine Belastung mit derartigen Fundstücken erwarten“, erklärt sie.

Dennoch sei das Baufeld vorsorglich vor den Nassbaggerarbeiten mit einem geomagnetischen Verfahren untersucht worden. „Die Messergebnisse ergaben im Widerspruch zu den ursprünglichen Annahmen eine Vielzahl so genannter Verdachtsmomente im Gewässer und den angrenzenden Uferbereichen“, erläutert sie. Aus „nachvollziehbaren Gründen der Gefährdungsvermeidung“ sei daher mit den Baggerarbeiten nicht begonnen worden.

Seitdem schiebt sich ein Arbeitsfloß von Messpunkt zu Messpunkt, um jeweils nach dem verdächtigen Gegenstand zu suchen. Mitunter muss auch der Untergrund erst freigespült werden, um an das Gesuchte zu gelangen. Ergebnis bislang: Mehrere Tresore, unzählige Fahrräder, Spülbecken, Verkehrsschilder, eine Spitzhacke und Mülltonnen. Donnerstagmittag bargen die Fachleute auch einen besonders verdächtigen Gegenstand samt Plastiktüte: einen Topf.

Die Ergebnisse der aufwändigen Extra-Suchaktion lagern beinahe im Meterabstand am Flussufer. Bei den bisher geborgenen Funden habe es sich nicht um Kampfmittel gehandelt, sondern um industriellen Schrott, erklärt auch die LMBV. Was Wunder: Dieser Bereich der Pleiße war zu DDR-Zeiten in sein jetziges Bett verlegt worden, Kampfmittel aus Weltkriegstagen wären da aufgefallen.

Von den rund 1,7 Kilometer Länge des Baufeldes haben die Kampfmittelbeseitiger erst wenige hundert Meter abgearbeitet. Wie lange die Suche noch dauert, sei nicht einzuschätzen, so Findeisen. Sie sei abhängig von der Größe und Tiefenlage der einzelnen Objekte.

Dem Zweckverband als eigentlichem Bauherren läuft aber die Zeit davon. Über Herbst und Winter sollen rund 16 000 Kubikmeter Schlamm aus einer Tiefe von bis zu 1,5 Metern ausgebaggert werden. Im Gegenzug soll die Sohle der Pleiße mit rund 11300 Kubikmetern verschiedener Materialien wieder befestigt werden. Ende Februar sollen aus naturschutzrechtlichen Gründen alle Arbeiten im Wasser beendet sein. Wie berichtet, gilt der Fluss als ökologisch sensibel, lebt unter anderen die geschützte Libellenart „Grüne Keiljungfer“ in dem Gebiet.

Vermutlich Mitte Oktober sollen nun in den ersten Bereichen des Baufeldes die vorgesehenen Arbeiten zur Störstellenbeseitigung beginnen können. Ob dann die Zeit noch reicht, um bis Ende Februar fertig zu werden, ist ungewiss.

Von Jörg ter Vehn

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