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Markkleeberg Aus Sünde der Väter wird vergessene Schöne
Region Markkleeberg Aus Sünde der Väter wird vergessene Schöne
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16:36 04.12.2009

 Die LVZ stellt Gotteshäuser in der Region vor. Heute: die Wachauer Kirchruine. Nur selten stand die Wachauer Kirche unter einem guten Stern. 1867 geweiht, war die Dominante von Anfang an zu groß, hätte mit ihrem 65 Meter hohen Turm besser in eine Kleinstadt gepasst. „Die Wachauer wollten eigentlich einen eigenen Pfarrer. Ihrer wohnte aber in Cröbern“, erzählt dessen heutiger Amtsbruder Matthias Weber. Doch der damalige Rittergutbesitzer Weinschenk hätte als Kirchenpatron dafür zahlen müssen, wehrte sich erfolgreich. So abgewatscht wollten die Wachauer wenigstens „alles zur größeren Ehre Gottes tun“ und begannen 1865 zu bauen. „Sünde der Väter“, nennt Weber den Entschluss heute. Bombenschäden und DDR-Mangelwirtschaft setzten dem Gebäude zu. Mitte der Siebziger schlug der Blitz in den Turm ein. Beim späteren unsachgemäßen Abtragen entstanden weitere Schäden am Baukörper. Das Dach fehlt. Eine Perspektive hatte das Haus ohnehin nicht: Unter dem Ort wurde Kohle gefunden. „Kirchenwald von Wachau“ wurde die Ruine bis 1989 spöttisch genannt – wegen der Bäume, die auf ihr wuchsen. „Damals waren die großen Gebäude eine Last für die kleinen Gemeinden“, erklärt Weber. „1994 war das meine erste Pfarrstelle“, erinnert er sich. Da stand die Ruine schon fünf Jahre lang unter Denkmalschutz. Seither wird gesichert, was zu sichern ist. Passend zur Maxime „Kirche denkt in Jahrhunderten“ verfällt sie nur noch in Zeitlupe. „Inzwischen leben wir mit der Ruine ganz gut“, meint der Pfarrer, der seit 2000 eine Gemeinde mit vier Predigtstellen betreut und neben Wachau auch Störmthal und Güldengossa unter seinen Fittichen hat. „In der Kirche ist Leben.“ 1997 konnte Wachau wieder geweiht werden. „Der Gottesdienst ist der entscheidende Ort für die Gemeinde“, erklärt der Christ. „Den möchte ich gerne an einem würdigen Platz feiern.“ Aus diesem Wunsch heraus – und weil es in die Gründerzeit passte – haben die Wachauer seinerzeit auch einen so großen Wurf gewagt. Heute reizt ihre Ruine als „vergessene Schöne“ zum Besuch. Und bei den neun Konzerten pro Jahr können Gäste nicht nur die erhaltene Glocke von 1467 bestaunen, sondern auch die Kirche mit dem schönsten Deckengemälde der Welt. Saisonabschluss: 19. Dezember, 19 Uhr Bläsermusik mit Regio-Brass Leipzig. Eintritt frei.

Ingolf Rosendahl

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