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Ausstellung widmet sich Beat als Politikum

Ausstellung widmet sich Beat als Politikum

Wer Jeans und Lederjacke trug, womöglich ein frisiertes Moped fuhr, sich die Haare lang wachsen ließ – und dann auch noch Beat hörte, zählte in der DDR in den 50er und 60er Jahren zu den „Rowdys“.

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Wie der Beat in der DDR politisiert wurde, schaut sich Silvia Merseburger im Rathaus Markkleeberg an. Auch die wechselvolle Geschichte der Klaus Renft Combo und anderer Gruppen weckt ihr Interesse.

Quelle: André Kempner

Markkleeberg. Und den winkten im schlimmsten Fall „Erziehungsmaßnahmen“ im Tagebau.

Wie die DDR-Regierung mit der schon in den 40er Jahren aufkommenden Beat-Bewegung unter den Jugendlichen verfuhr, ist derzeit in einer Ausstellung im Markkleeberger Rathaus zu sehen. „All you need is beat“ heißt die Ausstellung, die der Verein „Archiv Bürgerbewegung Leipzig“ organisiert hat. 20 großformatige Tafeln verdeutlichen das Verhältnis zwischen Jugend, der von ihr geliebten Musik – dem Beat – und der Politik von 1955 bis 1975. Zeitungsausschnitte, Liedtexte, Fotos und Schreiben der SED-Regierung dokumentieren die Geschichte der Jugendbewegung und die darauf folgenden Repressalien von Seiten der Polizei und der Stasi.

Der Beat, entstanden durch Elvis, galt in der DDR als „Ausgeburt imperialistischer Dekadenz“, ist auf einer Tafel zu lesen. „Dabei waren der Beat und die Jugendlichen nicht politisch, sind aber politisiert worden“, erklärt Kulturamtsleiter Ralph von Rauchhaupt. Obwohl sich die Jugendlichen damit lediglich von ihrer Elterngeneration abgrenzen wollten, wurde die Musikrichtung schnell zum Politikum. Die SED machte daraus eine antisozialistische Haltung, die nicht geduldet werden durfte. Erst in den 60er Jahren gab es leichte Lockerungen: Gitarrenwettbewerbe wurden ausgetragen, „The Butlers“ wurden bekannt und Beatles-Platten erschienen sogar bei Amiga. Dennoch: Kurze Zeit später erhielten „The Butlers“ wegen ihres Aussehens und ihrer Spielweise Auftrittsverbot. Endgültig wollte die SED das Problem ausräumen, nachdem es zu Ausschreitungen bei einem Stones-Konzert in der Westberliner Waldbühne gekommen war. Walter Ulbricht forderte, mit dem „Yeah, yeah, yeah und wie das alles heißt“, Schluss zu machen. Doch trotz aller Verbote entstanden immer wieder neue Beat-Gruppen. Wer verboten worden war, wechselte kurzerhand den Namen, die Stadt oder den Bezirk. Wie der Beat trotz der unzähligen Repressalien dennoch zur bestimmenden Jugendkultur wurde, ist auf den Tafeln eindrucksvoll dargestellt. Zu sehen ist die Ausstellung bis Ende Juli zu den Öffnungszeiten der Verwaltung.

Julia Tonne

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