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"Baden auf eigene Gefahr"

"Baden auf eigene Gefahr"

Großpösna/Markkleeberg/Markranstädt/Zwenkau. Wenn das Thermometer über die 25-Grad-Marke klettert, schwärmt Groß und Klein zum Badesee. Doch das nasse Vergnügen birgt Risiken.

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Badevergnügen am Strandbad Markkleeberg-Ost: Anders als der Name suggeriert, gibt es auch hier keine Aufsicht.

Quelle: André Kempner

Denn in den meisten Gewässern im Leipziger Südraum gilt "Baden auf eigene Gefahr". Rettungsschwimmer gibt es selbst an ausgewiesenen Stränden nicht. Was das bedeutet, erlebte ein 25-Jähriger Anfang Juli am Markkleeberger See. Nur dank des couragierten Einsatzes von Passanten und der Freiwilligen Feuerwehr konnte er in letzter Minute gerettet werden.

"Wasserrettung ist eine Kostenfrage", sagt Claus Mann, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft für Gewerbe und Wohnen Wachau (EGW), die den Markkleeberger und Teile des Cospudener Sees bewirtschaftet. Würden Wasserwachtler engagiert, müssten Kassenhäuschen aufgestellt werden und Badegäste Eintritt zahlen. "Wenn wir das machen, kommt keiner mehr an unsere Seen", glaubt der Chef des städtischen Tochterunternehmens. Deshalb gebe es auch am eingezäunten Strandbad Markkleeberg-Ost keine Retter.

Auch am Kulkwitzer See wird auf eigene Gefahr gebadet. Mit einer Ausnahme: Am Campingplatz-Strand auf Leipziger Seite sieht die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) nach dem Rechten, wie Christian Conrad, Geschäftsführer der Leipzig Seen GmbH, sagt. Während der Sommerferien sei immer ein ausgebildeter Schwimmmeister vor Ort, im Gegensatz zum Strandbad Markranstädt, wo jeder auf sich selbst und seine Kinder achten muss.

Rund 6000 Euro lässt sich das die Leipzig Seen GmbH jedes Jahr kosten, "mehr Rettungsschwimmer an noch mehr See-Abschnitten würden den Kostenrahmen allerdings sprengen", so Conrad. Letztlich müssten Badende den Schutz mit Eintrittsgeldern tragen. Nur für besondere Events auf dem Wasser buche er die DLRG oder das DRK dazu.

In Zwenkau wird ein Dreivierteljahr vor der See-Freigabe noch diskutiert. Mit der ortsansässigen DRK-Wasserwacht stünde zwar eine schlagkräftige Baywatch-Truppe bereit, "aber letztlich ist der Einsatz eine Frage des Geldes", sagt Bürgermeister Holger Schulz (CDU). Wer sicher baden wolle, müsse ins Waldbad, wo Schwimmmeister jederzeit zur Stelle sind. "Wer in den See geht, macht das auf eigene Gefahr und kann nicht erwarten, dass er gerettet wird", meint Schulz und fügt hinzu: "Zur Zeit hat sowieso keiner was im Zwenkauer See zu suchen. Das Gewässer steht noch unter Bergrecht."

Die Realität sieht indes anders aus. Bei schönem Wetter können viele der Versuchung nicht widerstehen. Dabei ist die Freiwillige Feuerwehr Zwenkau auf Wassernotfälle gar nicht eingestellt. Anders als die Markkleeberger Kameraden, die seit Jahren über ein Motorboot verfügen und etliche Rettungsschwimmer in ihren Reihen haben, ist das in Zwenkau nicht der Fall. Bei einem Notruf müssten die Markkleeberger anrücken. Bei einem Anfahrtsweg von mindestens 20 Minuten kann das dauern. Etwas schneller geht es am Ende April freigegebenen, aber ebenfalls unbewachten Störmthaler See: Die Freiwillige Feuerwehr Großpösna hat sich ein Motorboot angeschafft.

"Die Wasserrettung ist ein ungelöstes Problem im Leipziger Neuseenland, solange es keinen klaren finanziellen Rahmen gibt", meint Marcel Knabe von der DRK-Wasserwacht, Ortsverein Markkleeberg. Denn selbst die ehrenamtlich aufgestellte Truppe muss ausgerüstet werden. Und das kostet. "Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich müssten an den Stränden mit Bojen abgegrenzt werden. Wir brauchen Rettungsboote, Funktechnik und Türme", erläutert Knabe. Die Höhe der Kosten hänge zudem vom Umfang der Einsätze ab - saisonal, während der Ferien oder nur an den Wochenenden.

Die Gemeinde Elsterheide am Geierswalder See im Lausitzer Seenland hat sich trotz der hohen Kosten entschieden, ihre Strände vom DRK bewachen zu lassen. "Als Kommune hat man eine Verantwortung", meint Tourismusmanager Matthias Müller. In den Ferien, an Wochenenden und Feiertagen sind Rettungsschwimmer vor Ort. Bei der Ausrüstung habe ein regionales Versorgungsunternehmen unter die Arme gegriffen, erzählt Karl-Heinz Radochla vom Förderverein Wasserwelt Geierswalde.

"Die Kommunen, Eigentümer oder Betreiber der Seen müssen eigenständig prüfen, ob und inwieweit ausgewiesene Badestellen eine Aufsicht erfordern", sagt die Sprecherin des Landkreises Leipzig, Brigitte Laux. Mit der Erteilung des Gemeingebrauchs seien die Tagebaufolgeseen zum Baden generell freigegeben. Bis auf den Zwenkauer gilt dies für alle genannten Gewässer.

Christian Althaler von der DLRG Sachsen rät Familien mit Kindern nur in bewachten Gewässern baden zu gehen. "Das Element Wasser wird gern unterschätzt und die Tagebauseen bergen besondere Gefahren. Sie sind sehr tief und dadurch teilweise sehr kalt", meint er. Eltern sollten sich auch nicht in Sicherheit wiegen, weil das Kind das Seepferdchen geschafft hat. "Das hat mit Schwimmen können nichts zu tun, das ist eher eine Art Gewöhnung ans Wasser", warnt Althaler.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.08.2014
Ulrike Witt/Julia Tonne

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