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Baustelle in Zwenkau für Besucher offen

Harthkanal Baustelle in Zwenkau für Besucher offen

Der Bau des Harthkanals ist bis 2020 das größte Projekt im Leipziger Neuseenland – ingenieurtechnisch, zeitlich und finanziell. Jetzt hatten Bürger erstmals die Möglichkeit, sich auf der Baustelle umzuschauen. Der Tagebausanierer LMBV und die bauausführende Arge Strabag/Bauer hatten eingeladen, informierten über die im Vorfeld des Kanalbaus erforderlichen Arbeiten zwischen Zwenkauer und Cospudener See.

Bagger beräumen das Baufeld am künftigen Harthkanal zwischen Zwenkauer See und Cospudener See.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Der Bau des Harthkanals ist bis 2020 das größte Projekt im Leipziger Neuseenland – ingenieurtechnisch, zeitlich und finanziell eine Herausforderung. Jetzt hatten Bürger erstmals die Möglichkeit, sich auf der Baustelle umzuschauen. Der Tagebausanierer LMBV und die bauausführende Arge Strabag/Bauer hatten eingeladen, informierten über die im Vorfeld des Kanalbaus erforderliche Vergütung des Kippenbodens zwischen Zwenkauer und Cospudener See.

„Als Ingenieur interessiere ich mich natürlich für das Verfahren“, sagte der Zwenkauer Wolfgang Pfeifer. Wie Hunderte andere war er mit dem Rad zum Nordost-Ufer gekommen. An drei Stationen erwarteten Fachleute die Besucher. Jeweils zur vollen Stunde präsentierten LMBV-Projektmanager Thomas Rösler und Thomas Boeck von der Bauer Spezialtiefbau GmbH das von Bund und Land finanzierte Vorhaben.

„Auf 70 000 Quadratmetern werden seit März 13 400 Rüttelstopfsäulen in 19 bis 25 Meter Tiefe eingebracht“, erklärte Rösler. Des Weiteren würden zum Entwässern des Baugrundes seit Juni mehr als 2700 Kiesbohrpfähle versenkt. Fünf Großgeräte arbeiten dafür auf der Baustelle. „Jetzt, zur Halbzeit, haben wir 50 Prozent geschafft. Mit 6893 Rüttelstopfsäulen und 1294 Kiesbohrpfählen liegen wir im Plan“, so Boeck. Rösler betonte: „Nach heutigem Stand wird es keine Verzögerungen geben, die Baugrundvergütung, wie vorgesehen, im Februar 2016 abgeschlossen sein.“

LMBV-Projektmanager Gerd Pöthe erläutert die Arbeitsweise des Rüttlers. Der bohrt sich vibrierend Meter um Meter in den Boden, erzeugt so einen Hohlraum, der mit zehn Kubikmeter Kies gefüllt wird. „Die Leute sind erstaunt, was technisch schon im Vorfeld des Kanalbaus notwendig ist“, sagte Pöthe. Ein Mann habe vorgeschlagen, die ausgehobenen Erdmassen für den Bau von Lärmschutzwänden an der A 38 zu verwenden. „Keine Chance! Das bei der Tagebausanierung aufgeschüttete Material ist inhomogen und damit nicht tragfähig“, so Pöthe.

An der dritten Station zeigte Jörg Rittmann von der LMBV Klaus Lenz die Heberleitung. „Bis zur Inbetriebnahme des Harthkanals ist es erforderlich, den Wasserstand konstant bei 112,50 Meter zu halten“, erklärte er. Über das Rohr werde das Überschusswasser seit Mai in den Cospudener See abgeleitet. Sein Kollege Jens Konschak erläuterte, wie die Erdmassen gezielt auf den Grund den Zwenkauer Sees gebracht werden.

„Jahrzehnte hatten wir Tagebaue vor unserer Tür. Jetzt nutzen wir die fantastischen Möglichkeiten der Seenlandschaft und sind begeistert, was hier alles passiert“, sagte Familie Döring aus Borna. Auch Richard und Christine Preuß aus Zwenkau waren „beeindruckt“, auch wenn sie das Vibrieren in ihrem Haus im Pulvermühlenweg spüren. „Es ist zu ertragen, die Sprengungen im Tagebau und das Quietschen der Bagger früher waren schlimmer“, sagte der 81-Jährige.

Ganz anders die Zwenkauerin Maicen Neu. Sie suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen. Die Schwingungen und der Lärm ließen sie nachts nicht mehr schlafen. Denn die Bohrgeräte sind aus Kostengründen montags bis freitags durchgängig im Einsatz. Inzwischen sei eine Bürgerinitiative in Gründung, der sich 70 Leute anschließen wollten. „Wir sind mit der LMBV im Dialog und hoffen auf eine schnelle Lösung“, betonte Neu.

Wie Bürgermeister Holger Schulz (CDU) informierte, werde die Einhaltung der Emissionswerte seit August geprüft. Er gehe davon aus, dass die Ergebnisse in 14 Tagen vorgelegt werden. „Manchmal ist es wirklich belastend. Ohne Nachtarbeit wird das Projekt aber deutlich länger dauern und teurer werden“, meinte Schulz. Bislang hat die LMBV mehr als zehn Millionen Euro veranschlagt.

Von Ulrike Witt

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