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Bürger sauer: "Es wird wieder mal an uns vorbei geplant"

Bürger sauer: "Es wird wieder mal an uns vorbei geplant"

Die Tellschützer sind auf die Stadt Zwenkau nicht gut zu sprechen. Sie fühlen sich wie das berühmte fünfte Rad am Wagen. Als einziger Ortsteil sind sie noch nicht an das zentrale Abwassernetz, die Kläranlage Kleindalzig, angeschlossen.

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Tellschütz ist als einziger Zwenkauer Ortsteil noch nicht an das zentrale Abwassernetz angeschlossen und das wird sich auch erst 2018 ändern.

Quelle: André Kempner

Zwenkau. Dabei ist bekannt, dass die bis Ende 2015 vorgeschriebene Umstellung auf vollbiologische Kleinkläranlagen für sie nicht in Frage kommt.

Der Grund: In Tellschütz steht das Grundwasser nach der Einstellung des Tagebaus Zwenkau großräumig einen halben Meter unter Rasenkante, gereinigte Schmutzwässer können nicht im Boden versickern. 2012 wurde deshalb das Abwasserbeseitigungskonzept mit dem Zweckverband "Weiße Elster" überarbeitet und 2013 vom Landkreis genehmigt. Nun soll zwar eine zentrale Lösung umgesetzt werden, aber nicht die von den Tellschützern favorisierte und keiner weiß bislang wann.

"Wir sind seit Januar mit dem Landratsamt im Gespräch. Ziel ist ein öffentlich-rechtlicher Vertrag, damit wir den zentralen Anschluss auf Basis des Umsetzungskonzeptes bis 2018 realisieren können. Die Mittel müssen schließlich zusätzlich in den Haushalt eingeplant werden", erklärt Bauamtsleiterin Steffi Gebauer. Das Umsetzungskonzept - eine Tabelle, die Aufschluss gibt, wie und wann die technische Lösung finanziert und realisiert werden soll - sei im Juli bei der Unteren Wasserbehörde eingereicht worden. Gebaut werden soll, was die Tellschützer als halbherzige, Stadt und Kreis als wirtschaftlichste Lösung verstehen - eine Druckentwässerung nach Großdalzig mit Anschlussschacht und Pumpe auf jedem Grundstück.

"Die Dorfgemeinschaft will ein zentrales Pumpwerk, am besten am Sportplatz Großdalzig", sagt Andreas Zimmermann. Wie 15 weitere Familien hat er vor Jahren in eine vollbiologische Kleinkläranlage investiert. Umsonst: Das Landratsamt verwehrte ihm wegen der hydrologischen Situation die Genehmigung. Nun soll er wieder Geld anfassen. "Die Stadt will die Bau- und Wartungskosten auf uns abschieben", meint er. Während die Druckentwässerung mit 686 265 Euro, laut Kreis sogar mit 800 000 Euro zu Buche schlägt, würde der von den Tellschützern geforderte Freispiegelkanal mit zentralem Pumpwerk über eine Million kosten. Zu teuer für die Stadt. Pro Einwohner gibt es nur 200 Euro Fördermittel, bei 126 Tellschützern macht das 25 200 Euro. Außerdem wird 2014/15 schon die Ortslage Döhlen im Ortsteil Rüssen-Kleinstorkwitz ans zentrale Abwassernetz angeschlossen.

"Die Druckentwässerung ist Stand der Technik und keine schlechte Lösung. Auf den Grundstücken muss so oder so gebaut werden, schon allein um die Entwässerungsrichtung, die bislang auf die Gräben ausgerichtet ist, zu ändern", sagt Gebauer. Im Frühjahr 2013 versuchte sie das mit Bürgermeister Holger Schulz (CDU) den Tellschützern nahezubringen. Ohne Erfolg: "Die Behörden haben geschlafen und wir dürfen blechen", so deren Fazit. Bei Grundstücken von bis zu 17 000 Quadratmetern überfordern zwei Euro Anschluss- und Einleitgebühr pro Quadratmeter viele. Sie sahen den Tagebausanierer LMBV in der Pflicht: Das Bundesunternehmen stehe in der Rechtsnachfolge, hafte ergo für Folgekosten. Schulz nahm "die Anregung" mit, passiert ist indes nichts.

"Wenn wir mit dem Kreis eine Einigung erzielt haben, voraussichtlich im Herbst, werden wir die Tellschützer über die weitere Vorgehensweise, einschließlich wie mit den bestehenden Kleinklär- und Mehrkammeranlagen umzugehen ist, informieren", so Gebauer. Laut Kreissprecherin Brigitte Laux beabsichtigt die Untere Wasserbehörde, "der Verschiebung auf 2017/18" zuzustimmen. Grundlage sei ein Erlass des Umweltministeriums zugunsten zentraler Lösungen. Zimmermann bleibt dabei: "Es wird wieder mal an uns vorbei geplant." Hinnehmen wollen die Tellschützer das nicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.08.2014
Ulrike Witt

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