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Markkleeberg „Das Anders-Sein hat viele Ressourcen“
Region Markkleeberg „Das Anders-Sein hat viele Ressourcen“
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19:38 23.08.2010
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Markkleeberg

Auch wenn immer wieder zahlreiche Hürden zu überwinden sind.

Seit zwei Wochen geht sie in die siebte Klasse am Rudolf-Hildebrand-Gymnasium Markkleeberg. Damit sie dort lernen kann, braucht sie trotz ihres starken Willens Hilfe. „Die Wege in der Schule sind lang, da muss jemand meinen Ranzen tragen“, sagt Alina. Auch bei der Essenausgabe brauche sie eine Klassenkameradin an ihrer Seite, damit die ihr den Teller vom hohen Tresen geben kann. Derzeit übernimmt die zwölfjährige Lucie viele Aufgaben für ihre beste Freundin Alina. Doch ein Dauerzustand ist das nicht. Deshalb sucht Alinas Familie für ihre Tochter dringend eine Begleiterin, die ihr den Schulalltag erleichtern soll.

„Wir suchen eine Abiturientin, die keinen Studienplatz bekommen hat und mit einem Freiwilligen sozialen Jahr die Wartezeit überbrücken will“, macht Alinas Mutter Sabine Grummt deutlich. Ihre Tochter brauche Betreuung während der Pausen, Hilfe bei Raumwechseln und in verschiedenen Fächern wie zum Beispiel Sport. Über den Trägerverein „Gemeinsam Ziele erreichen“ werde die Betreuung entsprechend vergütet.

Auch die Schulleitung und die Lehrer erleichtern Alina den Alltag sehr. So gibt es für sie ein Schließfach, in dem sie einen Satz Schulbücher deponieren kann. Einen zweiten Satz hat sie Zuhause, um auch Hausaufgaben erledigen zu können. Außerdem hat sie einen extra angefertigten Stuhl im Klassenzimmer und eine eigene Toilette. Dennoch fällt ihr vieles schwer, was für andere eine leichte Übung ist. Beispielsweise das Schreiben. Wegen ihrer kleinen Hände kann sie nicht so schnell schreiben, die Schülerin braucht dafür mehr Zeit und auch mehr Pausen, um die Gelenke zu entlasten. Doch egal, ob Diktate oder Aufsätze: „Dafür bekomme ich meist mehr Zeit“, sagt Alina. Für ihre Mitschüler eine Selbstverständlichkeit.

„Sie ist nun mal ein bisschen anders, da muss man ihr auch helfen“, erklärt Lucie. Für Alinas Klassenlehrerin ist es keine Frage, ihrem Schützling ab und zu mehr Minuten einzuräumen oder Aufgaben verkürzt zu stellen. Anfangs habe das Kollegium schon Bedenken gehabt, wie Alinas Schulalltag funktionieren soll, aber es sei schnell klar gewesen, dass sich das Mädchen durchkämpfen will. „Sie ist anders, aber das Anders-Sein hat viele Ressourcen“, sagt Katrin Hartmann.

Für Alina ist ihre Kleinwüchsigkeit „auch manchmal praktisch“, wie sie lachend zugibt. Zwar mache sie gerne Sport, aber für viele Sportarten habe sie eine Befreiung, auch für Spiele wie Völkerball. „Aber das kann ich sowieso nicht leiden, genauso wie Turnen.“ Dafür liebe sie es, auf Skiern zu stehen. Da kommt das von der Schule angebotene Skilager im kommenden Winter wie gerufen. Und auch Fahrrad fahren kann die Zwölfjährige – mit ein wenig Unterstützung. Damit sie das machen kann, was normal gewachsenen Kindern möglich ist, bekommt sie einmal in der Woche Physio- und Schwimmtherapie.

Mit unglaublich viel Humor überwindet die Schülerin so manche Hindernisse. „Ich finde das total lustig, wenn die neuen Fünftklässler mich das erste Mal sehen und ungläubig gucken.“ Wer will, könne sie auch fragen, warum sie so anders ist.

Wer sich als Begleiterin für Alina bewerben will, kann sich bei Familie Grummt unter der E-Mail-Adresse schulbegleiter@gmx.de melden oder sich telefonisch unter 0151 23636261 vorstellen.

Julia Tonne

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