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Markkleeberg De Maizière wünscht sich mehr Ingenieurmentalität wie nach der Wende
Region Markkleeberg De Maizière wünscht sich mehr Ingenieurmentalität wie nach der Wende
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22:00 19.09.2017
Innenminister Thomas de Maizière, hier vorne links mit Belantis Geschäftsführer Erwin Linnenbach daneben, besuchte zum 25. Jahrestag des Beginns der Braunkohlsanierung den Freizeitpark. Belantis gilt bis heute als größte privatwirtschaftliche Investition in der Bergbaufolgelandschaft. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig/Zwenkau

Den „Geist der 89/90er Generation“ beschwor Innenminister Thomas de Maizière am Dienstag bei einer Veranstaltung zum 25. Jahrestag des Kabinettsbeschlusses zur Sanierung der ostdeutschen Braunkohle.

Im Freizeitpark Belantis sagte er, er wünsche sich, dass angesichts der aktuellen Probleme wie Energiewende, Globalisierung, Flüchtlingskrise und Digitalisierung eine Generation zustande komme, die diese Fragen anfasst wie die Probleme beim Strukturwandel in der Braunkohle nach der Wende. Damals sei eine Ingenieurmentalität auf der politischen Ebene weit verbreitet gewesen. Die habe die Probleme nicht lang und breit beschrieben und weiter aufgetürmt, sondern sie ganz pragmatisch gelöst. „Und wenn Plan A nicht ging, dann haben sie eben Plan B genommen“, sagte de Maizière.

25 Jahre nach den Beschlüssen, die den Startschuss für die Braunkohlesanierung gaben, trafen sich Akteure aus der damaligen Politik in Bonn und aus Mitteldeutschland in Belantis, um gemeinsam an den „politischen Urknall für das mitteldeutsche Neuseenland“ zu erinnern. De Maizière, obwohl damals nicht daran beteiligt, war Ehrengast.

Bundestagsmitglied Katharina Landgraf (CDU) hatte zu der Runde eingeladen. In ihrer Begrüßung erklärte sie, die Beschlüsse hätten den sozialen Frieden in der Region gesichert, ein Stück weit auch Frieden zwischen Mensch, Wirtschaft und Umwelt geschaffen. Uwe Bruchmüller, damaliger Betriebsrat, erklärte, dass in 19 Monaten ab Mitte 1990 mehr als 30 000 Menschen in der Braunkohle ihre Arbeit verloren.

Plaudern über Tagebausanierung: Erwin Linnenbach, Rolf Rau, Katharina Landgraf, Herbert Ehme und Andreas Berkner (v.l.). Quelle: Kempner

Etwas „hemdsärmelig“ seien sie damals bei den Verhandlungen schon zur Sache gegangen, erinnerte sich der damalige Bundestagabgeordnete Rolf Rau (CDU). Als 1992 der damalige Kanzleramtsminister Friedrich Pohl zu den Beratungen zum Gnandsteiner Gespräch kam, habe er mit dem Hubschrauber über die Tagebauregion fliegen müssen. Fünf Jahre lang jährlich 1,5 Milliarden Euro vom Bund seien danach für die Sanierung der Bergbaue verhandelt worden. Für das nächste Abkommen habe Finanzminister Theo Waigel nur noch 450 Millionen jährlich geben wollen. Im Aufzug sei er darauf vom Verhandlungsführer beiseite genommen worden, wo denn die Schmerzgrenze liege. „Eine eins muss schon vor dem Komma stehen“, habe er beharrt, plauderte Rau vor den Gästen. Es wurden knapp 1,1 Milliarden jährlich für weitere fünf Jahre.

Zwenkaus Alt-Bürgermeister Herbert Ehme erinnerte sich noch gut an den Kampf gegen die Abbaupläne, denen auch Zwenkau zum Opfer fallen sollte, und den Wiederaufbau der verfallenen Stadt. Als dann die Event-Park-Macher Erwin Linnenbach und Rüdiger Renno mit ihren Plänen zu ihm kamen, habe er auch erst an damals weit verbreitete Glücksritter gedacht, aber doch Vertrauen gefasst zu den jungen Leuten. Schließlich müsse man ja auch etwas wagen, wenn man etwas wolle, sagte Ehme und freute sich über die straffe Zeitschiene bis zur Parköffnung 2003. So etwas wünsche er sich heute auch mal, erinnerte er an die Schiffbarmachung der Tagebauseen, die 2013 Gesetz wurde. Bis heute sei es aber nicht gelungen, die Fertigstellung der Gewässer zu bestätigen, seufzte Ehme.

Im munteren Gesprächskreis und nach der einen und anderen Achterbahnrunde – de Maizière fuhr zweimal – plauderten die Tagebau-Sanierer danach noch weiter über alte und neue Zeiten.

Von Jörg ter Vehn

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