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Markkleeberg Deutsches Fotomuseum zeigt Leipzig von seiner alten Seite
Region Markkleeberg Deutsches Fotomuseum zeigt Leipzig von seiner alten Seite
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06:02 12.01.2019
Präsentieren im Deutschen Fotomuseum die Leipzig-Bilder von Hermann Walter: Kerstin Langner und Andreas J. Mueller mit einigen Bildern. Quelle: Kempner
Markkleeberg/Leipzig

Vielleicht hätte man ihn heute als Workaholic bezeichnet, vielleicht als Tausendsassa oder cleveren Geschäftsmann. Der im Thüringischen geborene Kaufmannssohn Hermann Friedrich Wilhelm Walter kam viel herum, bevor er sich als Stadtfotograf in Leipzig niedergelassen und einen riesigen Fundus an zeitgeschichtlich bedeutsamen Motiven hinterlassen hat.

Hermann Walter (1838 – 1909) hat der Stadt einen Schatz hinterlassen: Seine Bilder zeigen die Messestadt im Umbruch von der Renaissance- und Barockstadt zur Metropole der Gründerzeitarchitektur bis hin zum Jugendstil.

„Es gibt nur wenige Orte, in denen das Stadtbild so konsequent festgehalten worden ist“, sagt Fotomuseumschef Andreas J. Mueller. Aus dem riesigen Bestand von Hermann Walter hat er rund 80 Bilder herausgesucht, die jetzt im Museum zu sehen sind. Die Fülle des Materials machten die Spurensuche nach Jahreszahlen, Orten, die nicht mehr existieren, und Straßen, von den viele längst umbenannt worden sind, mühevoll. Er habe oft auf bekannte Veröffentlichungen zurückgegriffen. „Nur wenige Ausstellungen haben eine derart langwierige und zeitraubende Recherve verlangt“, sagt er. „Aber sie war immer spannend und hat höchst erfreuliche Ergebnisse hervorgebracht.“

Seine Lehr- und Wanderjahre führten Walter nach Hamburg, Rostock, St. Petersburg und London, wo er in einer optisch-mechanischen Werkstatt hochwertige Objektive anfertigte. Mit 25 Jahren kam er nach Leipzig. Als „Photograph und Mechanicus“ eröffnete er sein erstes Atelier. Der Porträtfotograf nutzte das Oberlicht und unterschied sich wenig von seinen Kollegen. Später, nach seinem Umzug in ein Haus am Neukirchhof 21, das er nach seinen Vorstellungen in einen „Photographischen Salon“ verwandelte, entdeckte er eine zusätzliche Einnahmequelle. Er gab im Eigenverlag Ansichtspostkarten heraus, auch das machte ihn bekannter als andere Vertreter seines Standes. Neben Stadtansichten setzte er mit seiner Plattenkamera auch Industrieaufnahmen ins Bild.

„Bombenauftrag“ von der Stadt

Es war die bemerkenswerte Qualität seiner Arbeiten, die Carl Bruno Tröndlin in seiner Zeit als Bürgermeister um 1880 und den damaligen Baudirektor Hugo Licht bewogen, Walter mit einer ungewöhnlichen Dokumentation zu beauftragen und sowohl die zum Abbruch bestimmten als auch die neu errichteten Gebäude zu fotografieren. Walter avancierte damit zum wichtigsten Bildchronisten seiner Zeit. „Das war für ihn ein ,Bombenauftrag’ und eine großartige Idee, um die heute historisch wertvollen Ansichten festzuhalten“, betont Mueller. Walter fotografierte die Messestadt in Zeiten des Umbruchs und des beginnenden Aufstiegs zu einer der wohlhabendsten und am meisten besuchten Städte des Deutschen Reichs. Er hielt den Wandel Leipzigs von der Renaissance- und Barockstadt zur Metropole der Gründerzeitarchitektur bis hin zum Jugendstil fest. Seine sehr frühen Bilder sind die letzten Zeugnisse eines Stadtbildes im ausgehenden Biedermeier vor dem Aufbruch in die Moderne.

Rund 4000 Druckplatten sind nach dem Tod der Söhne Walters, die das Geschäft weitergeführt hatten, ans Stadtgeschichtliche Museum gegangen. „Für das Stadtarchiv sind die Negative als ,gläserner Schatz’ einzigartig, für uns haben sie keine Bedeutung.“ Das Fotomuseum lege Wert auf originale Abzüge aus den jeweiligen Epochen. Die kleineren Formate gehören zur Sammlung von Kerstin Langner. Die großformatigen, bisher kaum gesehene Fotografien, stammen aus der Sammlung Klingenschmidt. „Das älteste Foto stammt von 1907, es zeigt das wachsende Völkerschlachtdenkmal“, so Mueller.

Akribisch Arbeit ausgewertet

Umbauten und massive Kriegsschäden haben dafür gesorgt, dass sich ganze Straßenzüge und Plätze radikal verändert haben. „Ohne eine profunde Beschriftung der Motive wären sie nicht mehr zu identifizieren.“ An zahlreichen Plätzen stünde kein Stein mehr so auf dem anderen, wie es Walter aufs Bild gebannt habe. So hat sich Mueller akribisch ans Werk gemacht und nicht nur die historischen, sondern gleichzeitig die heutigen Ansichten benannt.

Interessierte Ausstellungsbesucher können sich auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1906 auf die Fährte begeben. Auf ihm sind auch die damals geplanten Straßen eingezeichnet. „Man kann sich zusätzlich auf einem Stich nach einer Zeichnung von Albert Schirmer aus dem Jahr 1904 Leipzig aus der Vogelperspektive ansehen und zahlreiche der fotografierten Ansichten wiederfinden“, stellt Mueller einen weiteren „kleinen Service“ vor, der beim Vergleichen hilft.

Das Fotomuseum ist täglich außer Montag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen sechs Euro Eintritt, Kinder, Schüler und Studenten vier Euro.

Von Gislinde Redepenning

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