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Die Völkerschlacht und die Rolle der Österreicher

Die Völkerschlacht und die Rolle der Österreicher

In der Geschichtsschreibung ist die österreichische Bedeutung für die Völkerschlacht bislang eher untergegangen. Das hat viele Gründe, der wesentliche ist sicher: Die deutsche Sicht wurde von Preußen, das in der Koalition unter österreichischer Führung kämpfte, dominiert.

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Österreichischer Offiziers-Helm

Quelle: André Kempner

ion unter österreichischer Führung kämpfte, dominiert. Deshalb spielten die Österreicher auch bei der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals vor hundert Jahren keine Rolle - die Zeremonie wurde vom deutschen Kaiser Wilhelm II. bestimmt. Der ehemalige Bundesratspräsident von Österreich, Ludwig Bieringer, formuliert es so: "Die tatsächliche Rolle wurde in der historischen Aufbereitung nach dem Sieg über Napoleon im einsetzenden deutschen Einigungsprozess bewusst herunter gespielt, ja sogar absichtlich falsch interpretiert beziehungsweise ideologisiert. Selbst in der Zeit des Kalten Krieges wurde lediglich die deutsch-russische Waffenbrüderschaft unter Zuhilfenahme der Völkerschlacht-Ereignisse propagiert."

Wie groß ist der Anteil Österreichs tatsächlich gewesen?

Fakt ist: Österreich trat der russisch-preußischen Koalition relativ spät bei - erst im Frühjahr 1813. Doch diese neue Allianz war kriegsentscheidend, da sich das Kräfteverhältnis ab diesem Zeitpunkt zu Frankreichs Ungunsten verschob. Die Hauptarmee der Koalition wurde vom österreichischen Feldmarschall Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg befehligt, der gleichzeitig auch Oberbefehlshaber über die Schlesische Armee (General von Blücher) und die Nordarmee (Kronprinz Karl Johann) war. Zur Völkerschlacht stellte Österreich mit 190 000 Mann den mit Abstand größten Teil der alliierten Truppen, die insgesamt 315 000 Mann stark waren. Zum Vergleich: Napoleon verfügte über 185 000 Mann. Ohne Beteiligung der Österreicher wäre die Völkerschlacht mit Sicherheit anders ausgegangen, sagt der Leiter des Völkerschlachtdenkmals, Steffen Poser. Und: "Es war 150 Jahre lang immer die preußische Sicht der Dinge gewesen, die dann zur deutschen Sicht wurde."

Weshalb findet die Ausstellung ausgerechnet im Schloss Markkleeberg statt?

Im Torhaus und Rittergut Markkleeberg hatten sich im Oktober 1813 österreichische Infanteristen verschanzt und verteidigten die Stellung gegen die französischen Truppen. Das war zwar nicht kriegsentscheidend - doch damit kamen Napoleons Truppen nicht über die Pleiße und konnten so an dieser Nahtstelle nicht weiter nach Leipzig vorrücken. Danach verlagerten sich die Kämpfe in Richtung Wachau, Auenhain und Liebertwolkwitz. Dort wurde schließlich die bekannte Schlacht geschlagen. Deshalb erklärt Wolfgang Gerlach vom Förderverein Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813: "Es soll endlich die Rolle der Österreicher im Abwehrkampf gegen Napoleon gewürdigt werden."

Was ist in der Ausstellung "Kampf um Europa" zu sehen?

Insgesamt sind rund 400 Exponate aus Salzburg, darunter etliche Raritäten, zu sehen: Waffen, Ausrüstungen, Landkarten, Orden, Münzen, Schmuck, Kupferstiche, Dokumente - darunter etliche Schätze, die in Deutschland bislang noch nie ausgestellt waren oder kaum jemand zu Gesicht bekommen hat. So bringen die Salzburger unter anderem das erste Repetiergewehr der Welt, 1779 entwickelt, ins Schloss Markkleeberg. Eine Rarität ist auch die Geschosswerferpistole. Das Highlight stellt aber zweifellos das wohl einzige erhaltene Original des Trachenberger Planes dar.

Warum ist der Trachenberger Plan so berühmt und wertvoll?

In dem Plan wurde von den Alliierten nach dem Frühjahrsfeldzug die Strategie gegen Napoleon entworfen, federführend war dabei der österreichische Generalstabschef Josef Radetzky. Am 12. Juli 1813 beschlossen die Verbündeten - unter anderem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Zar Alexander I. von Russland und Schwedens Kronprinz Jean-Baptiste Bernadotte - auf dem schlesischen Schloss Trachenberg diese Strategie. Der Plan sah vor, Napoleons Truppen ihre Beweglichkeit zu nehmen: Jeweils nur eine Armee sollte die französischen Truppen auf sich ziehen, während die anderen Armeen im Hintergrund Versorgungs- und Verbindungslinien abschnitten. Napoleon wusste zwar von dem Plan, nahm ihn aber nicht ernst. Der Militärhistoriker Kurt Mitterer aus Salzburg erklärt: "Tatsache ist, dass der im Sterben liegende preußische General Scharnhorst Radetzky aufgefordert hat: Bleiben Sie dabei, Sie haben recht, und nur so, mit diesem Plan, gemeinsam, kann der Feldzug gegen Napoleon gewonnen werden."

Was geschah nach dem Sieg unter österreichischer Führung?

Die Sachsen bekamen ihren König zurück - und verloren die Hälfte ihres Landes an Preußen. Die Hohenzollern-Monarchie erhielt auch noch das Rheinland, etablierte sich nun endgültig als europäische Großmacht, musste ihre Rolle aber noch gegen Österreich durchsetzen. Deshalb wurde dessen historische Rolle kaum dargestellt.

iSchloss Markkleeberg, Kirchstraße 40/42; Öffnungszeiten: montags und mittwochs von 10 bis 15 Uhr, freitags von 10 bis 14 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr - und nach Vereinbarung: Telefon 0341 3385776 (Förderverein Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813) oder über Internet www.torhaus-markkleeberg.de. Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai 2014 zu sehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.09.2013

Andreas Debski

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